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Internationaler Tag gegen Rassismus

"Damit jeder hier eine Zukunft hat"

21.03.2014 Ι Wo sich Fremdenfeindlichkeit und rechte Parolen breitmachen, hält die IG Metall dagegen. Sie beteiligt sich an Demos und verfasst Erklärungen. Warum Integration wichtig ist und was dafür notwendig ist, das haben wir drei IG Metall-Bevöllmächtigte gefragt.

Politische Teilhabe in allen Lebensbereichen, ein modernes und transparentes Einwanderungsgesetz und klare Aufenthaltsrechte - das gehört zu einer Willkommenskultur, wie sie sich die IG Metall vorstellt. Die IG Metall engagiert sich dafür. Das ist von Stadt zu Stadt verschieden. Wir sprachen mit den IG Metall-Bevollmächtigten aus Bautzen, Gelsenkirchen und Köln.

 

 

Robert Sadowsky, Erster Bevollmächtigter, IG Metall Gelsenkirchen: "Wir brauchen eine bessere Integrationspolitik. Das heißt im Klartext: Die Kommunen brauchen Geld."

 

 


Sadowsky ist im Ruhrgebiet ein typisch deutscher Name, oder?

Robert Sadowsky: (lacht) Ja und nein. Das Ruhrgebiet hat eine lange Einwanderergeschichte. Woher die Menschen kamen, hört man an den Namen. Unser Oberbürgermeister heißt Baranowski, meine Kollegin heißt Adamski. Meine Familie ist aus Masuren zugewandert, allerdings in die Lüneburger Heide.


Worin unterscheidet sich Zuwanderung früher und heute?
 
Als die Einwanderer aus Polen kamen, boomte die Industrie im Ruhrgebiet. Die Menschen, die heute kommen, finden keine Arbeit. Wer kann, verlässt Gelsenkirchen. Häuser stehen leer, Mieten sinken. Für Menschen, die aus Südosteuropa kommen und kein Geld haben, liegt es nahe, nach Gelsenkirchen zu ziehen. Es gibt Arbeitgeber, die Migranten billig für Baustellen tageweise von der Straße anheuern. In Deutschland verdienen einige sehr gut daran, dass Menschen aus Rumänien und Bulgarien kommen.

Die IG Metall in Gelsenkirchen hat eine Erklärung zu Zuwanderung und Integration verabschiedet. Worum geht es? 
Zuwanderung war und ist eine Bereicherung für unsere Stadt. Aber es gibt auch Probleme. Das lässt sich nicht beschönigen.

Welche Probleme sind das?
Es gibt wie überall auch unter den Zugewanderten Menschen, die sich nicht an Gesetze halten. Manche übertragen das Verhalten von wenigen auf alle Migranten. Da müssen wir gegenhalten. Statistik hilft da nicht.

Was muss passieren?
Bund und Länder dürfen die Kommunen nicht allein lassen. Wir brauchen eine bessere Integrationspolitik. Dafür brauchen die Kommunen Personal. Im Klartext: Sie brauchen Geld.

Warum ist das ein Thema für die IG Metall?
Die IG Metall ist nicht nur Teil der Betriebe, sie ist Teil der Gemeinde. Wenn sich Fremdenfeindlichkeit in der Stadt ausbreitet, macht sie sich auch in den Betrieben breit. Wir wollen nicht die Wohnungen der Zuwanderer irgendwann gegen den braunen Mob verteidigen müssen.
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Stephan Henning, Erster Bevollmächtigter, IG Metall Bautzen: Wir werden gegenhalten, wenn die NPD versucht, Fuß zu fassen." 



Ihr habt gegen Rechts demonstriert. Worum ging es?
Stephan Hennig:
Bei uns hat sich das Bündnis "Bautzen wehrt sich gegen Asylmissbrauch" etabliert. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wer dahintersteckt. Die NPD spielt, wohl aus Angst aus dem Landtag zu fliegen, den erbosten Bürger. Im Kern wird das Asylrecht und unsere Pflicht infrage gestellt, Menschen zu helfen, die in ihrem Land politisch verfolgt werden oder vor dem Krieg fliehen.

 

Wie haltet ihr dagegen?
Als Gewerkschafter treten wir dafür ein, dass Flüchtlinge hier eine Zukunft haben. Und wir werden immer gegenhalten, wenn die NPD versucht, einen Fuß auf den Boden zu bekommen.

Wie viele Migranten oder Asylsuchende leben bei Euch?
Nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung sind Migranten. Der Anteil der Asylsuchenden liegt bei 0,22 Prozent.

Woher kommt die Fremdenfeindlichkeit ohne Migranten?
Beim Asylrecht spielen auch Ängste und Sorgen eine Rolle. Der eine oder die andere lässt sich vielleicht leicht beeinflussen von den Parolen der NPD.

Wie kommst Du darauf?
Wir haben eine gemeinsame Grenze mit Polen und Tschechien. Die NPD nutzt die Grenzkriminalität für ihre Propaganda. Das verfängt bei dem einen oder der anderen. Manches Vorurteil rührt aus früheren Erfahrungen. Es wurden Arbeitsplätze abgebaut und 15 Kilometer hinter der Grenze wieder aufgebaut. Wir haben uns in den vergangenen Jahren regelmäßig mit Kolleginnen und Kollegen aus Polen und Tschechien getroffen. Das hat bei vielen etwas verändert.

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Witich Rossmann, Erster Bevollmächtigter, IG Metall Köln: "Integration heißt: Zusammenleben, ohne die eigene Kultur aufzugeben."

 

Warum lädt die IG Metall in Köln zu einer Diskussion zum NSU-Prozess ein?
Witich Roßmann:
Die Morde an Migranten und eine Polizei, die sich nicht vorstellen konnte, dass die Verbrechen von Rechtsextremen begangen wurden, haben klar gemacht: Rassismus ist nicht das Problem Einzelner, sondern ein gesellschaftliches. Es hat Migranten noch mal gezeigt, dass sie unter starken Vorurteilen leben müssen. Probleme gibt es auch am Arbeitsplatz. Auch dort grenzen sich Gruppen voneinander ab.

Welche Rolle spielt die Gewerkschaft bei der Integration?
Kommt darauf an, was Integration heißt. Viele erwarten, dass Zuwanderer ihre Kultur vollständig aufgeben. Seltsamerweise nehmen Deutsche, die im Ausland leben, für sich ganz selbstverständlich in Anspruch, ihre Kultur zu leben, deutsches Fernsehen zu schauen, deutsch zu sprechen und zu essen.

Was erwarten Migranten?
Sie erwarten, dass sie ihre Probleme in der IG Metall äußern können. Für türkische Kollegen sind Aufstiegschancen ein wichtiges Thema. Sie fühlen sich benachteiligt, oft zu Recht, manchmal auch zu Unrecht.

Wann ist Integration gelungen?
Wenn wir zusammenleben, ohne die eigenen Kulturen aufzugeben. Integration ist mehr als gewaltfreie Zusammenarbeit am Arbeitsplatz, auch für uns als Gewerkschaft. Sie ist gelungen, wenn in der Freizeit, in Vereinen und Schrebergärten interkulturelles Leben selbstverständlich ist.

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Hintergrund

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus gehen zurück auf eine Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahre 1979. Damals forderte sie ihre Mitgliedsstaaten auf, alljährlich - beginnend mit dem 21. März - eine Woche der Solidarität mit den Gegnern und Opfern von Rassismus zu organisieren.

Der "Internationale Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung" am 21. März ist einer der ersten offiziellen und wichtigsten Gedenktage der Vereinten Nationen. Er erinnert und mahnt an das Massaker von Sharpeville am 21. März 1960. An diesem Tag erschoss die südafrikanische Polizei im Township Sharpeville 69 friedliche Demonstranten, die gegen die ungerechten Passgesetze in dem Apartheid-Staat demonstriert hatten.

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