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Insolvenz der SIAG Nordseewerke in Emden. Foto: IG Metall Emden

Insolvenz der SIAG Nordseewerke in Emden

Fallen gelassen - wie eine heiße Kartoffel

18.10.2012 Ι IG Metall und Betriebsrat kritisieren das Vorgehen des Windkraftbauers SIAG und der politisch Verantwortlichen. Obwohl noch Gespräche ausstehen, hat die Geschäftsführung gestern einen Insolvenzantrag gestellt. "Das ist ein unwürdiges Verhalten ohne Beispiel, das auf dem Rücken von 700 Beschäftigten und ihren Familien ausgetragen wird", kritisiert Meinhard Geiken, IG Metall Bezirksleiter Küste.

Der Emder Windkraftanlagenbauer SIAG hat am 17. Oktober 2012 Insolvenz angemeldet. Betroffen sind rund 700 Beschäftigte. Mit einer Mahnwache und einem Holzkreuz, das für jeden betroffenen Mitarbeiter aufgestellt wurde, demonstrierten die Beschäftigten für Unterstützung von der Landesregierung. Diese hatte letzte Woche beschlossen, keine weiteren Bürgschaften für das Emder Unternehmen zu bewilligen, obwohl Ministerpräsident McAllister seit Monaten seine Unterstützung zum Erhalt des Standortes und der Arbeitsplätze beteuert hatte. "Fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel" - so kommentierte Erwin Heinks, Vorsitzender des Betriebsrats der SIAG das Verhalten der Landesregierung in Niedersachsen.


Erst 2010 hat SIAG Schaaf Industrie die Traditionswerft von ThyssenKrupp übernommen. Seither wurde die Werft zu einem Windkraftzulieferer umgebaut. Dort werden Fundamente für Windkraftanlagen hergestellt. Nun fehlen die Aufträge, da der Boom der Offshore-Branche abflacht. 


Empörung über dilettantischen Rettungsversuch

Die IG Metall Küste hat mit Empörung auf den Insolvenzantrag der SIAG Nordseewerke in Emden reagiert. "Wir sind fassungslos über das Vorgehen von Landesregierung, Geschäftsführung und Banken", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste auf einer Kundgebung vor dem Rathaus in Emden. Geiken kritisierte deren Rettungsversuch: "Die Beschäftigten sind die Leidtragenden eines dilettantischen Rettungsversuches, der sogar noch vor Ablauf der von Ministerpräsident David McAllister gesetzten Frist gescheitert ist", sagte er.

Demonstration der Siag-Beschäftigten am 10.10.2012


McAllister steht bei Beschäftigten im Wort

Am 15. Oktober 2012 hatte der Ministerpräsident den Beschäftigten noch Hoffnung gemacht. Anderthalb Tage später stellt die Geschäftsführung einen Insolvenzantrag, obwohl es am 19. Oktober 2012 weitere Gespräche in Hannover geben soll. "Das ist ein unwürdiges Verhalten ohne Beispiel, das auf dem Rücken von 700 Beschäftigten und ihren Familien ausgetragen wird", so Bezirksleiter Geiken. Er nahm den Ministerpräsidenten in die Pflicht: "McAllister steht bei den Beschäftigten im Wort. Er hat die Rettung der Nordseewerke zur Chefsache gemacht und ist jetzt erst recht gefordert."


Wilfried Alberts, IG Metall Emden, forderte vom Land weitere Unterstützung. Die Anmeldung der Insolvenz dürfe nicht das endgülte Aus für den Standort bedeuten. "Wir brauchen vom Land weitere Unterstützung, damit die Kunden nicht abwandern und wir genügend Zeit bei der Suche nach neuen Investoren haben. Klar ist: Wir werden weiter für den Erhalt der 700 Arbeitsplätze und die Sicherung der industriellen Kompetenzen kämpfen."

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