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Blitz-Streik
Blitz-Streik: Wie eine Belegschaft um ihren Standort kämpft

Der Anhänger-Hersteller Schmitz Cargobull will seinen Standort in Toddin bei Schwerin dichtmachen. Doch die Belegschaft leistet entschlossen Widerstand – und kann schon erste Erfolge verzeichnen.


Eine Dorfstraße, ein Weiher, ein paar Dutzend Häuser, drum herum Wiesen, Felder und einige Flecken Wald: Das ist das Örtchen Toddin in Mecklenburg-Vorpommern. Es könnte eine ländliche Idylle sein. Doch der Eindruck täuscht.

In Toddin tobt ein Kampf um Arbeitsplätze. Seit Wochen schon. Es gibt dort nämlich nicht nur Landwirtschaft. Es gibt auch einen Industriebetrieb – einen einzigen. Die Schmitz Cargobull AG baut hier Lkw-Anhänger. Sie ist der wichtigste Arbeitgeber am Ort. 150 Menschen verdienen ihr Geld bei der Firma mit dem Elefanten-Logo.

Doch wenn es nach dem Willen der Unternehmensführung ginge, dann würde es diese Jobs bald nicht mehr geben. Die Manager haben geplant, den Standort zu schließen – obwohl er profitabel arbeitet. Im Mai wurde die Nachricht bekannt.

Für die Beschäftigten war es ein Schlag ins Gesicht. Viele haben den Standort nach der Wende mit aufgebaut. Die Frage war nun: Wie reagieren sie?

 

Resignation? Nein danke!

Den Kolleginnen und Kollegen ist klar: Wir geben nicht einfach auf! Nahezu geschlossen stimmen sie für einen Streik. Es folgen rund zwei Wochen Arbeitskampf.

Die Entschiedenheit der Belegschaft zeigt schnell Wirkung: Zuerst vertagt der Aufsichtsrat die Entscheidung über die Schließung des Werks. Dann ist das Management endlich zu Gesprächen bereit. Mittlerweile gibt es einen ersten wichtigen Erfolg: Die Schließung des Standorts ist vorerst vom Tisch. Darauf haben sich IG Metall Küste und der Vorstand von Schmitz Cargobull geeinigt. Der Vorstand soll seine bisherigen Pläne überprüfen und gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern untersuchen, wie Toddin wettbewerbsfähig fortbestehen kann.

„Das war nur möglich, weil die Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Wochen entschlossen für die Zukunft des Standortes und ihre Arbeitsplätze gekämpft haben“, sagt Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

So sieht es auch Stefan Schad, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Schwerin. Er begleitet die Auseinandersetzung vor Ort und sagt: „Die Belegschaft hat toll reagiert – vor allem sehr schnell. Schon zwei Wochen, nachdem die Schließungspläne bekannt wurden, ging der Streik los.“ Entscheidend dabei: Die Belegschaft ist gut organisiert, rund 85 Prozent sind Gewerkschaftsmitglieder. „Das war der Erfolgsfaktor“, urteilt Schad.

 


Breite Unterstützung

Was für die Beschäftigten auf dem Spiel steht wird klar, wenn man mit Markus Glaser spricht. Der 26-Jährige hat sein gesamtes Berufsleben bei Schmitz Cargobull verbracht, angefangen mit der Ausbildung zum Fertigungsmechaniker. Auch sein Bruder und sein Vater arbeiten dort. Der Bruder hat vor kurzem ein Kind bekommen, ein Haus gebaut. Der Vater gehört zur Belegschaft der ersten Stunde, hat gleich nach der Wende bei Cargobull angeheuert. „In unserer Gegend findet man so schnell nichts anderes“, sagt der Metaller. „Da geht es um unsere Existenzen.“

Umso motivierter kämpft Glaser. Während die Verhandlungen zwischen IG Metall und Firmenleitung laufen, trommeln die Toddiner Beschäftigten weiter für die Zukunft ihrer Jobs. Unter dem Motto „Toddin ist überall“ fahren die Streikenden quer durchs Land zu anderen Standorten von Schmitz Cargobull. Sie sammeln Unterschriften, führen Gespräche. Die IG Metall organisiert die Fahrten, sorgt für Verpflegung.

Metallerinnen und Metaller schicken nun von überall her Solidaritätsbotschaften – per Foto, per Video, über die eigens eingerichtete Facebook-Seite. Oder sie kommen selbst nach Toddin und sprechen ihre Unterstützung aus. Toddin surft auf einer Welle der Solidarität.

„Das ist sehr wichtig für uns“, sagt Glaser. „Es zeigt uns: Wir sind nicht allein.“ Die Toddiner schöpfen daraus Kraft. Sie wissen: Wenn wir einbrechen, hat die Firma leichtes Spiel.

Wie der Kampf um Cargobull ausgeht, ist noch offen. Fest steht schon jetzt: Die Belegschaft hat sich eine echte Chance erkämpft. Eine Chance darauf, dass es in Toddin auch in Zukunft Arbeitsplätze gibt – und nicht nur Wiesen, Felder und ein paar Flecken Wald.

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