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IG Metall Umfrage: Betriebsräte bestätigen steigenden Arbeitsstress

Eine tickende gesellschaftliche Zeitbombe

27.09.2011 Ι Über Stress bei der Arbeit redet fast jeder. Burnout ist eines der Top-Themen in Zeitungen und Magazinen. Auch die IG Metall kümmert sich schon lange um den Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und psychischer Gesundheit. Jetzt hat sie neue Daten erhoben und drängt auf mehr Prävention.

Die IG Metall wollte es genau wissen: Wie sehr sind die Mitglieder der ihr zugehörigen Branchen von arbeitsbedingtem Stress betroffen? Sie hat Betriebsräte dazu befragt. Die Rückmeldungen von fast 3900 Betriebsräten zeigen: Es gibt eine drastische Zunahme psychischer Beschwerden. Die Teilnhemer der Umfrage kamen überwiegend aus den Bereichen Stahlindustrie, Autoindustrie, Maschinenbau und Elektronindustrie. Erschöpfung und Burn-out sind längst in Werkstätten, Fabrikhallen und Büros angekommen und eben keine "Managerkrankheit" mehr von Menschen, die mal "total gebrannt" haben. Burn-out ist ein Problem der ganzen Gesellschaft.

Betriebsräte bewerten aus ihrer Erfahrung heraus

Die Befragung der Betriebsräte bietet folgende Fakten: 86 Prozent der Betriebe haben einen Anstieg psychischer Erkrankungen als ernstes Problem erkannt. Allerdings gibt es eine Diskrepanz zu dem, was tatsächlich dagegen getan wird. Denn: 69 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass es in ihrem Betrieb keine oder zu wenig Hilfe für Betroffene gibt. Dazu passen auch die 73 Prozent, die sagen, dass in ihrem Unternehmen grundsätzlich mehr für Gesundheitsschutz getan werden müsste. Und klar wurde auch: In der letzten Wirtschaftskrise sind Stress und Leistungsdruck gestiegen.

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, fasste am Dienstag auf einer Pressekonferenz zusammen: "Wir sehen eine Ursache für die zunehmende Gefährdung der psychischen Gesundheit der Beschäftigten im Anstieg des arbeitsbedingten Stresses und des Leistungsdrucks in den Unternehmen."


Prävention schützt einzelne und alle

Die IG Metall ist nicht die einzige Organisation, die den Arbeitstress und dessen Folgen als dramatisch einstuft. Krankenkassen veröffentlichen steigende Zahlen bei psychischen Diagnosen. Ärzte und die Weltgesundheitsorganisation stufen die seelischen Belastungen am Arbeitsplatz als bedenklich ein. Und das Statistische Bundesamt verkündet eine passende Zahl: 27 Milliarden Euro belasten unsere Krankenkassen jedes Jahr. Der BKK-Bundesverband errmittelte dazu den Produktionsausfall von 26 Milliarden Euro. Durch Leistungsdruck gewinnt also niemand. Die Betroffenen nicht, die Arbeitgeber nicht und die Gesellschaft nicht. Im Gegenteil. Hans-Jürgen Urban bezeichnet das als "tickende gesellschaftliche Zeitbombe".

Die IG Metall drängt auf mehr Prävention: Genauso wie man die Arbeitnehmer vor giftigen Gasen oder Presslufthammer-Lärm schützt, so soll die Psyche geschützt werden. Bislang gibt es dazu nur freiwillige Vereinbarungen. Die IG Metall fordert verbindliche Präventionsregeln und will dafür Betriebe und Politik wachrütteln. 

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