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Hunderte Textilarbeiter nach Streik in Kambodscha entlassen. Foto: cleanclothes

Hunderte Textilarbeiter nach Streik in Kambodscha entlassen

Urgent Action für Menschenrechte

01.02.2011 Ι Mehr als 300 Textilarbeiter wurden letzten Herbst in Kambodscha entlassen, nachdem sie für existenzsichernde Mindestlöhne gestreikt hatten. Die "Clean Clothes Kampagne" macht nun Druck auf die Modefirmen H&M, Zara und Gap, damit diese sich für die Einhaltung der Menschenrechte in ihren kambodschanischen Zulieferunternehmen einsetzen.

Zehntausende Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter haben im vergangenen Herbst in Kambodscha gegen Mindestlöhne von umgerechnet 48 Euro gestreikt. Mehr als 300 von ihnen wurden daraufhin entlassen. Mit einer E-Mail-Aktion - einer "Urgent Action" - will die "Clean Clothes Kampagne" nun Druck auf die Modefirmen H&M, Zara und Gap ausüben, damit die sich für die Einhaltung der Menschenrechte in ihren kambodschanischen Zulieferunternehmen einsetzen.

Als im September 2010 die Arbeiter nach drei Tagen Streik wieder zur Arbeit erschienen, wurde vor allem jenen die Rückkehr an den Arbeitsplatz verweigert, die gewerkschaftlich organisiert sind. Überdies wurden gegen dutzende Gewerkschaftsführer gerichtliche Klagen eingeleitet. Das Vorgehen der Arbeitgeber verstößt gegen die kambodschanischen Arbeitsgesetze ebenso wie gegen die Verfassung des Landes. Es verletzt auch die ILO-Konventionen zu Versammlungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen. Ohne Erfolg forderte die kambodschanische Regierung die Unternehmen auf, ihre Anklagen fallen zu lassen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Überdies verkündete die Regierung, die Entlassungen von Arbeitern nicht anzuerkennen.

Unternehmer ignorieren Anordnung der Gerichte und der Regierung
Anfang Oktober entschieden die Gerichte, dass die entlassenen Arbeiter innerhalb von 48 Stunden wiedereingestellt werden müssen. Die Unternehmer erhoben Einspruch, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Viele Unternehmer ignorieren seither die Anordnungen der Regierung und der Gerichte und verweigern den Arbeitern die Rückkehr an ihre Arbeitsplätze.

Ein Großteil der betroffenen Fabriken produziert unter anderem für die Modefirmen H&M, Zara und GAP. Diese sollen nun ihren Einfluss vor Ort geltend machen, und sich für die Einhaltung der Gesetze in ihren Zulieferbetrieben einsetzten. Unterstützer können sich mit einer vorformulierten E-Mail an die Manager der Modefirmen wenden und fordern, dass diese effektivere Maßnahmen setzen, um sicherzustellen, dass  die betroffenen Arbeiterinnen und Arbeiter unverzüglich und bedingungslos wieder angestellt werden und die ausgefallenen Löhne rückwirkend vergütet werden.

Neue Verhandlungen über existenzsichernden Mindestlohn
Außerdem sollen gerichtliche Klagen und Beschwerden gegen die betroffenen Arbeiter zurückgezogen werden. Die Zulieferbetriebe der Modefirmen sollen das bestehende Recht auf Versammlungsfreiheit respektieren und die Unterminierung von Gewerkschaften durch Einschüchterungen und versuchte Korruptionszahlungen an Gewerkschaftsführer unterlassen. Die Arbeitgeber sollen unverzüglich ernstgemeinte Verhandlungen zu dem von den Arbeitern vorgeschlagenen Existenzlohn und Leistungen aufnehmen.

Die Urgent Action richtet sich auch an GAP, weil das Unternehmen nicht nur ein wichtiger Auftraggeber einer Fabrik ist, die achtzehn Streikteilnehmer gekündigt hat. United Apparel, ein GAP-Zuliefererbetrieb, ist als Arbeitgeber von Gewerkschaftsführer Sous Chantha auch in einen schwerwiegenden Fall von Menschenrechtsverletzung involviert. Am 18. November 2010 wurde Chantha außerhalb des Fabrikgeländes verhaftet und wegen angeblichen Drogenbesitzes in Untersuchungshaft genommen. Bezüglich seiner Verhaftung gibt es aber widersprüchliche Berichte der Polizei, und es gibt keine gesetzliche Grundlage, auf der eine Anklage erhoben werden könnte. Aus Sicht der Clean Clothes Kampagne ist Herr Chantha Opfer von Polizeikorruption, gegen ihn werden erfundene und unrichtige Anschuldigungen vorgebracht. Die Manager von GAP werden daher aufgefordert, das Unternehmen United Apparel dazu zu bringen, dass es seine beträchtlichen Einflussmöglichkeiten dazu verwendet, dass die Klagen gegen Sous Chantha fallengelassen werden und er unverzüglich aus der Haft entlassen wird.

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