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Frauenanteil in der ITK-Branche. Foto: panthermedia

Frauenanteil in der ITK-Branche

Kleiner Erfolg - aber noch große Aufgaben

14.06.2013 Ι Für ITK-Unternehmen ist es nach Ansicht der IG Metall unverzichtbar, mehr Frauen zu beschäftigen. Trotz einer ersten Erfolgsmeldung besteht noch großer Handlungsbedarf. So sieht der Status quo aus.
Im vergangenen Jahr haben sich so viele Frauen für ein Informatikstudium entschieden wie nie zuvor. Das meldete der Branchenverband Bitkom kürzlich. Demnach ist der Anteil der Studienanfängerinnen im Fach Informatik 2012 gegenüber dem Vorjahr um 14 auf nun 22,5 Prozent gestiegen. Das sind 11 426 neue Studentinnen. 2006 lag der Anteil noch bei 16,9 Prozent und stieg seitdem nur sehr langsam. Eine erfreuliche Erfolgsmeldung. In anderen Bereichen kommt die Branche ihren selbst gesteckten Zielen jedoch kaum näher. Eine verbindliche Frauenquote hatte sie abgelehnt.

"Die Initiativen, auch des Bitkom, mehr Mädchen und junge Frauen für die Informatik zu begeistern, tragen offensichtlich Früchte", kommentierte Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf den für die Branche geradezu sprunghaften Anstieg. Genannte Initiativen haben sicherlich ihre Wirkung entfaltet. Einige Firmen bemühen sich bereits an Schulen und Universitäten gezielt um weiblichen Nachwuchs. Allerdings dürften auch Anstrengungen von "außen" beigetragen haben.

Wie schaffen es Frauen in leitende Positionen?

Beispielsweise hat die Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) mit "PROFIT" ein Mentoring-Programm gestartet, das das Informatikstudium für Frauen attraktiver machen soll. Seit rund einem halben Jahr werden dort 25 Studentinnen im fünften Semester individuell gefördert: Jeder Studentin steht eine erfahrene Informatikerin zur Seite, die Tipps zur Berufsorientierung und Karriereplanung gibt: Wie lassen sich Beruf und Familie vereinbaren? Oder: Wie schaffen es Frauen in leitende Positionen? Die Erfahrungen derer, die bereits auf eine erfolgreiche Karriere blicken können, sollen beim eigenen Werdegang helfen und Mut machen. Allerdings wird das Programm mit Geldern des Landes und Bundes finanziert. Die Branche selbst ist daran nicht beteiligt.

Der Anstieg bei den Studienanfängerinnen ist ein erster Erfolg. In anderen Bereichen gibt es noch viel zutun.


Der erfreuliche Anstieg bei den IT-Studentinnen sollte ebenfalls nicht verdecken, dass die ITK-Branche gesamt betrachtet in Sachen Gender-Mainstreaming noch eine große Aufgabe vor sich hat. Zu diesem Ergebnis kommt das Projekt "Arbeitsorientierte Innovationspolitik zur Sicherung und Förderung der Frauenbeschäftigung in industriellen Branchen". Das Gemeinschaftsprojekt von IG Metall und der Beratungsgesellschaft Wertarbeit wird aus Mitteln von Bund und Europäischer Union gefördert und befasste sich schwerpunktmäßig mit Frauen in der ITK-Industrie.

Starkes Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen

Die ITK-Branche will den Frauenanteil an Führungspositionen bis zum Jahr 2020 versechsfachen, und mindestens jede vierte Fachstelle in der IT soll mit einer Frau besetzt sein. Darauf stehen die Zeichen momentan nicht. Aus den Ergebnissen des Projekts geht etwa hervor, dass es für weibliche Beschäftigte nach wie vor schwer ist, in höhere Positionen zu gelangen. Mit gerade einmal knapp drei Prozent ist lediglich ein geringer Anteil Frauen in den obersten Führungspositionen zu finden. Die meisten weiblichen Beschäftigten sind in den mittleren Entgeltgruppen eingestuft. Hinzu kommt ein teils starkes Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen von bis zu 18 Prozent.

In der ITK-Industrie wiederum ist der Frauenanteil mit rund 30 Prozent seit nunmehr 20 Jahre im Vergleich zu anderen Industriezweigen relativ hoch. Das muss zugutegehalten werden. Allerdings hat sich der Wert seit 1999 kaum verändert. Eine Zukunftsbranche wie die der Informations- und Telekommunikationstechnologie, die beständig wächst und Vorreiterin für moderne Arbeitsformen ist, sollte sich damit nicht zufriedengeben. Schon allein vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Nachfrage nach gut qualifizierten Fachkräften.

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