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DGB-Index Gute Arbeit: Arbeiten am Wochenende erhöht Stress

DGB-Index Gute Arbeit: Arbeiten am Wochenende erhöht Stress

Hetze an Wochentagen, Stress am Wochenende

04.06.2012 Ι Hektisch arbeiten, ständig erreichbar sein, Überstunden kloppen: Wer regelmäßig am Wochenende arbeitet, ist von diesen Stressmachern überdurchschnittlich betroffen. Besonders bedenklich: Die Wochenendarbeit nimmt zu und damit die Belastung am Arbeitsplatz. Das belegen die neuesten Zahlen des DGB-Index Gute Arbeit.
"Gott sei Dank, es ist Sonntag." Das denken alle, die sonntags aufwachen und nicht zur Arbeit müssen. Leider darf sich aber ein Drittel der Beschäftigten an Sonn- oder Feiertagen nicht noch einmal umdrehen oder in Ruhe frühstücken: Sie arbeiten in Krankenhäusern, in der Gastronomie am Band oder an der Werkbank.

Wochenendarbeit bedeutet Dauerstress

Der DGB-Index Gute Arbeit ermittelt jedes Jahr die Belastung am Arbeitsplatz. Befragt werden dazu 6000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dieses Jahr gibt es eine Sonderauswertung zum Thema "Stressfaktor Wochenend-Arbeit". Das wichtigste Ergebnis: Zwischen Arbeitswoche und Wochenende besteht für einen großen Teil der Menschen keine Grenze mehr. Nur noch jeder Dritte hat wirklich samstags und sonntags frei. Und das betrifft nicht nur Krankenschwestern und Hotelangestellte: Bei den Branchen, die die IG Metall vertritt, muss etwa jeder Vierte am Wochenende ran. Im Maschinen- und Fahrzeugbau zum Beispiel arbeiten 26 Prozent "oft" oder sehr "häufig" am Wochenende.

Der Blick auf die Stressfaktoren zeigt: Wer regelmäßig am Wochenende arbeitet, ist größerem Stress ausgesetzt. Im Index heißt es dazu: "Arbeit am Wochenende ist mit überdurchschnittlich viel Arbeitshetze und insgesamt mit einem höheren Grad der Entgrenzung, längeren Arbeitszeiten und einem größeren Anteil Schichtarbeit verbunden." Ein Beispiel dafür ist die ständige Erreichbarkeit. Von denjenigen, die oft am Wochenende arbeiten, sagen 41 Prozent, dass sie ständig erreichbar sein sollen. In der Gruppe derer, die keinen Wochenend-Dienst hat, sagen dies nur 21 Prozent. Viele der Wochenend-Arbeiter haben zudem große Probleme, in der freien Zeit abzuschalten.

Bei Sonntagsarbeit mitreden

"Mit dem lapidaren Hinweis auf die internationale Konkurrenz werden immer mehr Ausnahmegenehmigungen zur Umgehung des gesetzlichen Verbotes der Sonn- und Feiertagsarbeit beantragt", beobachtet auch Thomas Steinhäuser von der IG Metall Suhl-Sonneberg. Allein in Thüringen stieg seit dem Jahr 2000 die Zahl derer, die an Sonn- und Feiertagen arbeiten, um 26 Prozent.

Da es nicht nur im Metallbereich, sondern auch in anderen Branchen immer mehr Sonntagsarbeit gibt, setzten sich IG Metall, Verdi, NGG und DGB mit der Thüringer Sozialministerin Heike Taubert zusammen. Heraus kam ein neuer Kriterienkatalog. Der legt fest, dass Ausnahmegenehmigungen nur befristet und in der Regel für maximal ein Jahr bewilligt werden dürfen. Für den Antrag auf Wochenendarbeit sind Gefährdungsbeurteilungen zwingend erforderlich. Und der Antragsteller hat eine Stellungnahme der zuständigen Gewerkschaft beizufügen. Ein Beispiel, das Schule machen könnte.

Gutes Recht

Immer mehr Ausnahmeregeln machen Sonntagsarbeit möglich. Aber es gibt einige Regelungen, die das Recht der Beschäftigten stärken:
  • Mindestens 15 Sonntage im Jahr müssen beschäftigungsfrei sein.
  • Wer sonntags arbeitet, hat Anspruch auf einen Ersatzruhetag. Dieser muss innerhalb eines - den Beschäftigungstag einschließenden - Zeitraums von zwei Wochen gewährt werden.
  • Der Betriebsrat muss der Arbeit an Sonn- und Feiertagen zustimmen. Tut er das nicht, gibt es keine. Wer keinen Betriebsrat hat, hat diese Möglichkeit der Mitbestimmung nicht.

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Einmal jährlich erfasst der DGB-Index Gute Arbeit die Arbeitsqualität. Dabei zählt nur das Urteil der Beschäftigten.

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