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Bevölkerungsabnahme: möglichen Fachkräftemangel mit mehr Vollzeit-Jobs ausgleichen

Mit Frauen gegen den Fachkräftemangel

14.07.2011 Ι Eine aktueller OECD-Bericht weist nach, dass in Deutschland die Bevölkerung abnimmt. Unternehmen stützen damit ihre These eines flächendeckenden Fachkräftemangels. Bei ihren Lösungsvorschlägen vergessen sie aber, dass der deutsche Arbeitsmarkt internes Potential zu bieten hat. Unter anderem teilzeitbeschäftigte Frauen.

Deutsche Unternehmen beklagen einen Fachkräftemangel. Nun hat die OECD (Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit) den "Internationalen Migrationsausblick 2011" vorgelegt und darin festgestellt, dass 2010 in Deutschland rund 51 000 Menschen weniger lebten als im Jahr 2009. Die populäre Schlussfolgerung der Unternehmen lautet: Weniger Menschen bedeuten weniger Fachkräfte und deswegen bitte schnell mehr qualifizierte Zuwanderer.

Was sagt der OECD-Bericht?
Die deutsche Bevölkerung geht seit 2003 zurück. Für das Jahr 2010 wurde trotz eines Zuwanderungsüberschusses von 128 000 Personen ein Rückgang von insgesamt 51 000 Menschen aufgeführt. Im vergangenen Jahr lebten damit 81,75 Millionen Menschen in Deutschland. Die Frage nach einem drohenden Fachkräftemangel ist also nicht unbegründet, die vorschnelle Antwort nach einfach nur mehr Zuwanderung aber nicht differenziert genug.

Frauen - mit das größte Potential auf dem deutschen Arbeitsmarkt
Der deutsche Arbeitsmarkt hat selbst noch einiges zu bieten. Eines der größten Potentiale für qualifizierte Arbeitskräfte stellen nach Sicht der IG Metall die Frauen dar.
Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall, sieht hier Aufholbedarf in Deutschland: "Wir müssen das interne Potential des Arbeitsmarktes mobilisieren. Dazu gehören für mich zum Beispiel auch die 50 Prozent der teilzeitbeschäftigten Frauen, die Vollzeit arbeiten möchten. Ihnen müssen wir einen guten Job ermöglichen. Auch mit Blick auf ihre Alterssicherung."

Die weibliche Reserve umfasst 5,6 Millionen Frauen zwischen 25 und 59 Jahren, die nicht arbeiten. Davon suchen 1,8 Millionen eine Arbeit, ohne immer arbeitslos gemeldet zu sein. 3,8 Millionen zählen zu den Nichterwerbspersonen, von denen wiederum knapp eine Million noch nie einen Job hatte. Außerdem hat nur etwa jede zweite erwerbstätige Frau einen Vollzeitjob. Und weibliche Teilzeitkräfte arbeiten durchschnittlich weniger: nämlich nur 18,1 Stunden pro Woche. Im EU-Vergleich liegt Deutschland damit weit hinten.

Frauen wollen Vollzeit arbeiten
Seit der Wiedervereinigung arbeiten in Deutschland 16 Prozent mehr Frauen. Gleichzeitig hat die Vollbeschäftigung insgesamt aber um 20 Prozent abgenommen. Das heißt, Frauen arbeiten vor allem in Teilzeit und in Mini-Jobs. Während die Unternehmen Teilzeit vor dem Hintergrund der Flexibilität und Produktivität fördern, wollen teilzeitbeschäftigte Frauen ihre Arbeitszeit deutlich verlängern: Die Hälfte der Frauen würde die vereinbarte Arbeitszeit laut IAB gerne ausweiten, bei 58 Prozent läge die gewünschte Wochenarbeitszeit bei 30 und mehr Stunden, bei 42 Prozent darunter. Im Schnitt würden regulär teilzeitbeschäftigte Frauen ihre vereinbarte Wochenarbeitszeit gerne um 4 Stunden erhöhen und geringfügig beschäftigte Frauen um 9 Stunden.
Wenn dafür von den Unternehmen die Rahmenbedingungen geschaffen würden, wäre das zumindest eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Dafür braucht es auch gesetzliche Regelungen anstatt weiterer Deregulierung. Die IG Metall begrüßt daher den am 22. Juni 2011 in Merseburg mit der Bundesregierung und Wirtschaft beschlossenen Konsens, Maßnahmen für die Realisierung interner Potentiale vorrangig zu nutzen.

Was bedeutet die Bevölkerungsabnahme fürden Arbeitsmarkt und die Unternehmen?
Die Unternehmen beklagen zunächst einen flächendeckenden Fachkräftemangel und wollen Deutschland daher für Fachkräfte attraktiver machen. Das wollen sie durch weniger Zuwanderungshürden bewirken. Der Mangel ist aber nicht flächendeckend. So stieg die Einwohneranzahl in Bayern, gefolgt von Berlin, Hamburg, Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein an, während die ostdeutschen Länder, die fünf weiteren westdeutschen Länder und NRW Einwohner verloren. Wenn der Fachkärftemangel auf Zuwanderung zurückgeführt werden soll, dann schon mal nur regional.

Welche Potentiale bietet der deutsche Arbeitsmarkt neben der Zuwanderung?
Eine weitere Möglichkeit, die Fachkräftebasis zu sichern ist, dass die Unternehmen nicht mehr so stark bei der Personalentwicklung sparen. Schwächere Kräfte können durch entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen gefördert werden. Selbst ausgebildete Arbeitskräfte können unbefristet übernommen und damit im Unternehmen gehalten werden.

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