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Auf Niedriglohnbeschäftigung folgt eine niedrige Rente

Altersarmut ist überwiegend weiblich

28.02.2013 Ι Gut versorgt im Alter? Davon können viele Frauen nur träumen. Obwohl sie ihr Leben lang hart gearbeitet haben, müssen sie fürchten, im Alter arm zu werden. Die IG Metall fordert einen gesetzlichen Mindestlohn und bessere Rahmenbedingungen für Familie und Job. Davon würden viele Frauen profitieren.

Einerseits der Beruf, andererseits Familienleben und Kinderbetreuung: Beides miteinander zu verbinden, stellt für viele Arbeitnehmer eine besondere Herausforderung dar. Weniger oder kürzer arbeiten sind eine Möglichkeit, Beruf und Familie besser miteinander zu vereinbaren. Daher haben viele Frauen keinen Vollzeitjob. Denn die Betreuung der Kinder und die Pflege von Familienangehörigen ist immer noch überwiegend Frauensache.


Traditionelle Familienmodelle funktionieren immer seltener

Meist ist ein Mini- oder Teilzeitjob für Frauen die einzige Möglichkeit neben den familiären Betreuungspflichten auch noch erwerbstätig sein zu können. Sie verlassen sich auf ihren Ehepartner. Meist ist es der Mann, der einen Vollzeitjob hat und das Geld für die Familie verdient. Die Ehefrau verdient noch was zum Familienbudget dazu - entweder 450 Euro über einen Minijob oder etwas mehr über einen Teilzeitjob. Klar gibt es Ehepaare für die sich dieses Modell lohnt: Wenn der Mann sehr gut verdient, springen durch das Ehegattensplitting Steuervorteile heraus, die durch den Minijob nicht geschmälert werden. Doch dieses traditionelle Familienmodell funktioniert immer seltener. Immer öfter sind Frauen in der Rolle der Familienernährerin. Auf den Ehemann als Hauptverdiener können und sollten sich Frauen also nicht verlassen. Sie müssen fürchten, im Alter arm zu werden. Tatsächlich erhalten westdeutsche Frauen nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung durchschnittlich 47 Prozent weniger Rente als Männer. Im Osten beträgt der Abstand 30 Prozent.

2011 arbeitete fast jede zweite erwerbstätige Frau zwischen 15 und 74 Jahren weniger als 32 Stunden pro Woche. So das Ergebnis einer Befragung des Statistischen Bundesamtes. Als Hauptgrund für die verkürzte Tätigkeit nannte jede zweite von ihnen die Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen, oder sie führte andere familiäre oder persönliche Verpflichtungen an. Dagegen arbeiteten nur neun Prozent der Männer in Teilzeit und nur rund jeder Elfte aus dieser Gruppe tat dies aus familiären Gründen. Neben denjenigen, die mehr oder weniger freiwillig geringfügig oder in einem Minijob arbeiten, gibt es eine große Gruppe von Frauen, die Minijobs ausüben, weil es für sie keine anderen Angebote auf dem Arbeitsmarkt gibt. Nicht selten wechseln sie häufig - entweder zwischen verschiedenen Minijobs oder Haushalt und Arbeitslosigkeit.

Gerade Arbeitnehmer, die nur geringfügig beschäftigt sind, müssen befürchten, dass im Alter das Geld knapp wird. Denn wer heute nur für einen Niedriglohn arbeitet, der erhält morgen entsprechend wenig Rente. Arbeitnehmer, die derzeit weniger als 2500 Euro brutto monatlich verdienen, können nach 35 Jahren Arbeit nur mit einer Rente rechnen, die unter der Grundsicherung von 688 Euro liegt. Viele Frauen arbeiten vor allem im Bereich der kurzen Teilzeit, das sind 20 oder weniger Wochenstanden. Die Hälfte von ihnen erhält ein Bruttoeinkommen unter 800 Euro.  Es liegt auf der Hand, dass davon nur ein sehr geringer Betrag in die Rentenkasse abgeführt wird. Zwar gibt es seit dem Jahresbeginn 2013 bei Minijobs einige Neuerungen. Seither zahlt der Arbeitgeber bei einem Verdienst von 450 Euro eine Pauschale von 15 Prozent auf das Rentenkonto, trotzdem erwerben Beschäftigte mit einem Minijob nur einen geringen Rentenanspruch. Damit sind viele Frauen auch im Alter vom Einkommen ihrer Ehemänner abhängig.

Häufig erreichen die meisten Frauen erst durch die Kombination ihrer eigenen sehr niedrigen Rente und einer Hinterbliebenenrente ein ausreichendes Einkommen. Altersarmut ist also vorprogrammiert. Auch von Betriebsrenten profitieren kaum Frauen - nur drei Prozent von ihnen.


Existenzsichernde Einkommen für alle

Die IG Metall will die Benachteiligung von Frauen nicht länger hinnehmen. Sie fordert existenzsichernde Einkommen für Frauen und Männer. Dazu gehören gesetzliche Mindestlöhne und sozialrechtlich abgesicherte Arbeit. Es muss Schluss sein mit Minijobs, weil Frauen dadurch langfristig in eine Armutsfalle geraten. Damit mehr Frauen länger oder in Vollzeit arbeiten können, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden: Wir brauchen mehr Kitaplätze in den Gemeinden, mehr firmeneigene Kinderbetreuungsangebote, mehr Pflegeeinrichtungen und -hilfen, damit es für die Beschäftigten einfacher wird, neben ihrem Job ältere Familienmitglieder zu versorgen.

Damit Beschäftigte - egal welchen Geschlechts - ihre familiären Pflichten wahrnehmen können, bleibt noch viel für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun. Dazu gehört, dass es einfacher wird, von einer Teilzeit- auf eine Vollzeitstelle zu wechseln, dann würden vielleicht auch mehr Väter verkürzt arbeiten, um die Kinder eine Zeitlang zu versorgen. Zudem  fordert die IG Metall die Anerkennung der dreijährigen Kindererziehungszeiten auf alle Geburtsjahrgänge und flexible Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Erwerbsleben vor dem 67. Lebensjahr.

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