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Atypische Beschäftigung und Niedriglohnsektor boomen

Arbeit schützt vor Armut nicht

10.01.2013 Ι Sie füllen im Supermarkt die Regale auf, fahren Taxi oder sitzen im Call-Center am Telefon. Tausende Arbeitnehmer haben einen Vollzeitjob, trotzdem reicht ihr Gehalt nicht bis zum Monatsende. Die Ordnung auf dem Arbeitsmarkt ist aus den Fugen geraten. Arbeit wird zunehmend entwertet. Das wird die IG Metall so nicht hinnehmen.

Was hat das Wetter mit dem Arbeitsmarkt zu tun? Klar: Viele Jobs auf dem Bau sind wetterabhängig. Und diese Branche ist mit fast 2,5 Millionen Erwerbstätigen auch keine ganz kleine Branche. Doch nicht alle Arbeitnehmer der Baubranche werden bei Einbruch des Winters ihren Job verlieren, sollte das Wetter deren Tätigkeit verhindern. Dann ist wahrscheinlich eher Kurzarbeit angesagt. Trotzdem begründen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur Frank-Jürgen Weise das Auf und Ab der Arbeitslosenzahlen mit einem milden, schweren oder gar zu frühen Wintereinbruch, der die Zahlen nach oben oder unten getrieben habe. Sollten sich die Politiker nicht ehrlicherweise dazu bekennen, dass der Niedriglohnsektor viel stärker die Ordnung auf dem Arbeitsmarkt beeinflusst und es fast an ein Wunder grenzt, wenn sich der Arbeitsmarkt trotz boomenden Niedriglohnsektor robust zeigt?


Kein Kälteeinbruch bringt den Arbeitsmarkt so ins Wanken ...

Klar ist, wer nur auf die Zahlen schaut, der wird zufrieden sein. Doch ein Blick hinter die Statistik legt offen, dass auf dem Arbeitsmarkt vieles im Argen liegt. Die Ordnung auf dem Arbeitsmarkt wird nicht wegen eines Kälteeinbruchs ins Wanken geraten. Weit schwerer fällt ins Gewicht, welche Weichen die Politik in Sachen Niedriglöhnen und prekäre Beschäftigung stellt. Und die sind es, die die Ordnung auf dem Arbeitsmarkt bedrohen. Die Zahl der unbefristeten sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeitsplätze sinkt. Allein vom Jahr 2000 bis 2010 sind 1,6 Millionen feste Jobs verloren gegangen. Neue Arbeitsplätze entstanden vor allem in Leiharbeit, Teilzeit oder als Minijob.

Diese Jobs sind als Einstieg ins Berufsleben völlig ungeeignet. Trotzdem sind es vor allem junge Menschen, die in diesen Arbeitsverträgen stecken und deren Einkommen nicht zum Leben reicht. Sie sind auf Hilfe vom Staat angewiesen. Allein 2011 wurden an mehr als 1,2 Millionen Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften mit sogenannten Aufstockern 10,73 Milliarden Euro ausgezahlt.


Die IG Metall fordert eine Politik für die Mehrheit der Menschen. Dazu gehören gerechte Bildungschancen. Dazu gehört auch ein flächendeckender Mindestlohn. Denn von Arbeit muss man leben können. Zudem fordert die IG Metall ein Maßnahmenbündel wie die Neugestaltung von Leiharbeit und Minijobs und die Stärkung des Tarifsystems. Denn nur dort, wo Tarifverträge und Mitbestimmung greifen, können auch Dumpinglöhne verhindert werden.


... wie die Bedrohung durch den Niedriglohn

Dass der Ausbau des Niedriglohnsektors die Armutsentwicklung vorantreibt, belegt auch eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Im Sommer 2012 waren in Deutschland noch rund 300 000 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren arbeitslos. Fast doppelt so viele - 534 000 junge Menschen - waren auf Hartz IV angewiesen. Doch auch in der Altersgruppe der 25 bis 34-Jährigen gibt es weitere 717 000 junge Menschen, die Sozialhilfe beziehen. Zusammen waren das 1,25 Millionen Hartz-IV-Empfänger, die jünger als 34 Jahre sind. Besonders benachteiligt sind junge Arbeitnehmer ohne einen Berufsabschluss. Sie sind häufiger als andere nur befristet eingestellt oder in Leiharbeit und sie bleiben es meist über einen langen Zeitraum. An dieser Entwicklung haben auch die Erfolge beim Abbau der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland nichts ändern können.

Bei der Leiharbeit hat die IG Metall in der vergangenen Tarifrunde einen ersten Erfolg in Sachen faire Bezahlung erzielt. Seit November erhalten Leiharbeiter, die in Firmen der Metall- und Elektroindustrie eingesetzt werden, einen Branchenzuschlag. Klar ist, dass das nur ein erster Schritt ist. Die IG Metall wird weiter gegen prekäre Beschäftigung vorgehen. Neben der Leiharbeit geben die Unternehmen immer häufiger Aufträge über Werkverträge nach außen und die Zahl befristeter Arbeitsverträge steigen. So wird die Spaltung ganzer Belegschaften gezielt vorangetrieben und systematisch für Lohndumping und den Abbau von Mitbestimmungsrechten genutzt.

Daher fordert die IG Metall ein ganzes Maßnahmenbündel, dazu gehört 

  •  ein flächendeckender Mindestlohn 
  •  ein starkes Tarifsystem
  •  die Neugestaltung von Leiharbeit, Werkverträgen und Minijobs

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