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Initiative der IG Metall: "Auf geht`s - Faires Entgelt für Frauen"

Aktionen zum Equal Pay Day 2013

Endlich ein gleich großes Stück vom Kuchen

22.03.2013 Ι Ob Smartmob oder Sitzblockade - am Equal Pay Day kämpfen Metallerinnen bundesweit mit kreativen Aktionen für gerechte Entgelte von Frauen in den Betrieben. Denn der Lohnabstand zu Männern schmilzt viel zu langsam.
Immer mehr Frauen sind besser qualifiziert als Männer. Dennoch liegt der Lohn von Frauen in Deutschland um 22 Prozent niedriger als der von Männern. "In Baden-Württemberg ist der Abstand sogar noch größer", sagt Maja Reusch von der IG Metall Heidenheim. "Hier liegen die Löhne von Frauen sogar 28 Prozent unter der von Männern." Um ihrem Unmut über die strukturelle Ungerechtigkeit Ausdruck zu verleihen, hat sich Maja Reusch und ein weiteres Dutzend Betriebsrätinnen aus regionalen Unternehmen in der Heidenheimer Innenstadt versammelt. Anlass ist der Equal Pay Day am 21. März. Er markiert den Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus weiterarbeiten müssten, um rechnerisch auf das durchschnitliche Jahresgehalt eines Mannes zu kommen.

Kuchen als Symbol

Reusch und die Betriebsrätinnen sind bei der Initiative der IG Metall "Auf geht's! Faires Entgelt für Frauen" mit dabei. Mit einer Sitzblockade machen sie Passanten auf das Problem unfairer Bezahlung aufmerksam. Zur Mittagspause verteilen sie Infomaterial und Kuchen an Passantinnen. Der Kuchen hat Symbolcharakter: "Für gleiche Arbeit steht Frauen der gleiche Lohn und damit ein gleichgroßes Stück vom Kuchen zu", so Reusch.

Metallerinnen verteilen Infomaterial zum Equal-Pay-Day in Heidenheim

Metallerinnen verteilen Infomaterial zum Equal-Pay-Day in Heidenheim

"In der Bevölkerung ist der Equal Pay Day noch nicht ausreichend im Bewußtsein", sagt Brigitte Milde, die an der Aktion in der Heidenheimer Innenstadt teilnimmt. Milde ist Betriebsrätin beim Textilunternehmen Hartmann. "Wir hoffen, dass wir noch mehr Menschen erreichen können und das Anliegen, das Männer wie Frauen gleichermaßen angeht, Schritt für Schritt rüberbringen."

Rote Schuhe, rote Taschen

In ihrem Textilbetrieb wirbt Milde dafür, dass Frauen ihre Chancen besser wahrnehmen. "Wir haben zum Beispiel Frauen in Qualifizierungsmaßnahmen bringen können, die bisher ungelernt als Packerinnen gearbeitet haben. Jetzt sind sie Maschinenführerinnen und verdienen dadurch auch entsprechend mehr", freut sich die Betriebsrätin. Nach diesem Vorbild versucht Milde, in ihrem Unternehmen etwas zu bewegen. "Manche Frauen brauchen einen Anstoß, um sich weiterzuentwickeln. Viele verschenken Aufstiegsmöglichkeiten und damit die Chance, mehr zu verdienen."

Auch in Stuttgart gingen Metallerinnen heute mit dem Thema Entgeltgerechtigkeit zum Equal Pay Day an die Öffentlichkeit. Schwarzgekleidete Frauen mit roten Schuhen und roter Handtaschen bildeten eine Picketline. Bundesweit beteiligten sich engagierte Frauen in vielen Betrieben und Verwaltungsstellen an den Aktionen. "Bei uns im IG Metall-Bezirk Küste verteilen Betriebrätinnen die aktuelle Ausgabe der Broschüre "Metallerin" an die Beschäftigten und versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen", sagt Stephanie Schmoliner von IG Metall-Bezirksleitung in Hamburg. "Unsere Broschüre kommt gut an, weil sie von den Frauen in den Betrieben selbst gestaltet ist und das beleuchtet, was weiblichen Beschäftigten unter den Nägeln brennt."

Arbeitskultur ändern

In Deutschland wird seit 2009 mit dem Equal Pay Day auf die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern aufmerksam gemacht. Nach wie vor liegt Deutschland im internationalen Vergleich bei diesem Ranking auf einem der hintersten Plätze in Europa. Der Equal Pay Day wird von einem breiten Aktionsbündnis getragen, in dem neben den Gewerkschaften, der Deutsche Frauenrat, die BDA, der Verband der Unternehmerinnen und die Bundesarbeitsgemeinschaft Kommunaler Gleichstellungsbeauftragter mitarbeiten.

Ziel ist es, dass die Debatte über die Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen in die Öffentlichkeit getragen werden und eine Unternehmens- und Arbeitskultur geschaffen wird, die eine sinnvolle Vereinbarung von Arbeit und Familie für Frauen und Männer gewährleistet. Elternzeit muss zwischen Müttern und Vätern gleichmäßiger aufgeteilt werden. Beschäftigte mit Kindern brauchen eine gute Unterstützung durch Kindertagesstätten und Ganztagsschulen. Fehlanreize im Steuer- und Sozialversicherungsrecht müssen abgebaut werden. Es sind noch viele Schritte zu tun, damit der Lohnrückstand von Frauen aufgeholt ist.

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Links und Zusatzinformationen
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Entgeltgleichheit
Die vier wichtigsten Gesetze

Grundgesetz, Artikel 3
"Der Staat fördert die Gleichberechti- gung von Frauen und Männern."

EU-Richtlinie 2006/54/EG
"Bei gleicher Arbeit wird mittelbare und unmittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts bei allen Entgeltbestandteilen beseitigt."

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
"Benachteiligungen bei Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen sind unzulässig."

Teilzeit- und Befristungsgesetz
"Ein Teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer darf nicht schlechter behandelt werden als ein vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter."

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