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Weiterentwicklung der betrieblichen Altersversorgung. Foto: Panthermedia

Weiterentwicklung der betrieblichen Altersversorgung

Die Lücke schließen

09.09.2015 Ι Manch einer spielt Lotto, um im Alter versorgt zu sein. Besser ist es, schon in jungen Jahren finanziell zusätzlich vorzusorgen. Die Chancen, dann im Ruhestand gut zu leben, sind größer als ein Lottogewinn. Allein mit der gesetzlichen Rente werden die wenigsten Ruheständler auskommen. Daher will die IG Metall die betriebliche Altersversorgung stärken.

Viele junge Menschen wollen nicht an ihren Ruhestand denken. Auch Claudia Schrader (Name geändert) geht das so. Wenn man sie auf ihre spätere finanzielle Situation anspricht, rollt sie nur mit den Augen. Das was ihr an gesetzlicher Rente zusteht, wird keine großen Ausgaben, wie einen besonderen Urlaub und größere Anschaffungen, zulassen. Das ist bei einer gesetzlichen Rente von weniger als 1000 Euro nicht drin. Wegen der Geburt und der Betreuung ihres Sohnes hatte Schrader einige Jahre nicht gearbeitet. Sie ist in einem kleinen Unternehmen beschäftigt, das keine betriebliche Altersversorgung anbietet. 

Schrader ist keine Ausnahme. Viele Menschen, die ausschließlich gesetzliche Rentenansprüche haben, müssen später mit einem äußerst knappen Budget auskommen. Wer heute nach 45 Berufsjahren in den Ruhestand geht, kommt nach Abzug von Steuern-, Kranken und Pflegeversicherung auf weniger als 48 Prozent des durchschnittlichen Einkommens - und das auch nur, wenn die Arbeitszeit weder gekürzt noch unterbrochen wurde.


Um im Alter gut leben zu können, muss man zusätzlich zur gesetzlichen Rente vorsorgen. Eine Möglichkeit ist die Betriebsrente. Sie ist neben der gesetzlichen oder einer privaten Rentenversicherung eine ergänzende betriebliche Sozialleistung und soll nach der Vorstellung der IG Metall dazu beitragen, den individuellen Lebensstandard der Menschen zu sichern. In ihrer bisherigen Form kann die betriebliche Altersversorgung dies nicht leisten. Dazu muss sie weiterentwickelt werden. 


Lebensphasen berücksichtigen

Die Höhe der Altersversorgung richtet sich nach dem Arbeitseinkommen. Auszeiten oder reduzierte Arbeitszeiten wegen Kindererziehung, der Pflege von Angehörigen oder einer Weiterqualifizierung wirken sich bisher negativ auf die finanzielle Situation im Alter aus. Der Gesetzgeber sieht hier nur einen begrenzten Ausgleich vor. Das kritisiert die IG Metall. Sie will, dass diese Care-Arbeiten - ebenso wie berufliche Qualifizierung - gesellschaftlich anerkannt werden. Diese Ausfallzeiten müssen anders als bisher berücksichtigt werden - bei der gesetzlichen Rente und bei der betrieblichen  Altersversorgung.


Nicht mal jeder zweite Arbeitnehmer hat eine Chance auf eine Betriebsrente. In Großunternehmen gehört eine Betriebsrente fast zum Standard, in kleinen und mittleren Firmen ist das eher selten. Von den 3,3 Millionen Firmen mit maximal neun Beschäftigten haben 70 Prozent der Mitarbeiter keine Ansprüche auf eine betriebliche Altersversorgung. In der Unternehmensgruppe von 10 bis 49 Mitarbeitern ist es kaum besser - hier gehen immer noch 60 Prozent der Beschäftigten leer aus.


Arbeitgeber stärker in die Pflicht nehmen

Die IG Metall will das Modell Betriebsrente attraktiver machen und die Arbeitgeber stärker in die Pflicht nehmen: Arbeitnehmer sollen nicht um eine Betriebsrente betteln müssen. Die Unternehmen sollen gesetzlich dazu verpflichtet werden, eine zusätzliche Altersversorgung in Form einer Betriebsrente anzubieten. Tarifliche Versorgungswerke, wie die MetallRente und tarifliche Regelungen sollen bevorzugt genutzt werden. Bislang sind zuerst die Beschäftigten am Zug. Sie haben bisher nur den Anspruch, eigenes Entgelt in eine betriebliche Altersversorgung umwandeln zu können. 

Um das Modell der Betriebsrente zu stärken, sollen sich die Arbeitgeber ausreichend und verbindlich an der Finanzierung beteiligen. Die Beiträge sollen steuerlich begünstigt werden. Zudem sollen Arbeitnehmer vor den im Laufe eines Lebens eintretenden Risiken wie Erwerbsunfähigkeit, Pflegebedürftigkeit und vorzeitigen Tod versichert werden. Diese Risiken -biometrische Risiken genannt - werden bei der gesetzlichen Rentenversicherung versichert und dies soll auch bei der Betriebsrente der Fall sein. Viele der jüngeren Arbeitnehmer haben nach der gesetzlichen Rentenversicherung keinen Berufsunfähigkeitsschutz und müssten diesen privat mit hohen Beiträgen versichern. So die die Forderungen der IG Metall.

Auch die Bundesregierung will die Betriebsrente stärken. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will die betriebliche Altersversorgung über Tarifverträge regeln und so den Kreis der berechtigten Arbeitnehmer ausweiten. Das "Sozialpartnermodell Betriebsrente" des Bundesarbeitsministeriums, das eine Beteiligung durch die Tarifpartner vorsieht, reicht hierfür nicht aus. Dieses Modell muss durch weitere gesetzliche Rahmenbedingungen ergänzt werden. Die IG Metall fordert:

  • Arbeitgeber müssen verpflichtet werden, den Arbeitnehmern eine betriebliche Altersversorgung anzubieten, die eine ausreichende finanzielle Beteiligung beinhaltet. Tarifliche Lösungen, wie tarifliche Einrichtungen und Versorgungswerke wie die Metallrente sollten Vorrang haben. 
  • Eine betriebliche Altersversorgung, die alle Lebensrisiken wie Alter, Invalidität - und eine Hinterbliebenenversorgung im Todesfall beinhaltet
  • Einen Ausgleich von lebensphasenorientierten Arbeitszeitreduzierungen bei der betrieblichen Altersversorgung.
  • Verbesserungen bei der Übertragung der Versorgungsansprüche bei Jobwechsel . 
  • Erweiterte Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte.
  • Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Steuer- und im Beitragsrecht der Sozialversicherungen.
  • Keine Anrechnung von Betriebsrenten auf die Grundsicherung.

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Links und Zusatzinformationen
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Sonderausgabe der Fachzeitschrift "Arbeitsrecht im Betrieb" zur betrieblichen Altersversorgung (bAV)

Kerstin Schminke, bei der IG Metall zuständig für das Thema "Betriebliche Altersversorgung", erläutert die Ein-schätzung der IG Metall zur Rolle der bAV im Alterssicherungssystem und ihre aktuelle Entwicklung.

Mit Tarifvertrag geht's gerechter zu:

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