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Vertrauensleute im Betrieb: Sibylle Schaeffer, Siemens Mobility in Krefeld. Foto Olaf Döring

© Foto: Olaf Döring

Vertrauensleute im Betrieb: Sibylle Schaeffer, Siemens Mobility in Krefeld

Nicht reden, sondern machen

01.11.2016 Ι Sibylle Schaeffer arbeitet bei Siemens in Krefeld-Uerdingen, wo rund 2000 Beschäftigte Nahverkehrszüge und ICEs bauen. Als Vertrauensfrau kümmert sie sich unter anderem um die Probleme von Ingenieuren. Die Metallerin ist eine von 50 000 Beschäftigten, die ehrenamtlich in den Betrieben aktiv sind - als Vertrauensleute der IG Metall.

Sie war Buchhändlerin, hatte einen eigenen Tante-Emma-Laden und arbeitete als Leiharbeiterin für 6,49 Euro. Als Fachinformatikerin. Seit vier Jahren arbeitet Sibylle Schaeffer bei Siemens in Krefeld-Uerdingen, wo rund 2000 Beschäftigte Nahverkehrszüge und ICEs bauen. Ihr Büro hat sie in einem Containerbau, der eigentlich nur vorübergehend hier stehen sollte. Dort leitet sie die Redaktion des betriebsinternen Technik-Wikis für Ingenieure. Und sie kümmert sich um ihre Probleme - als Vertrauensfrau der IG Metall im Ingenieurbereich. "Das ist nicht einfach hier im Container", sagt sie. "Viele meinen, sich offen zur IG Metall zu bekennen, schade der Karriere. Doch mittlerweile bin ich bekannt und die Leute kommen zu mir."

Sibylle Schaeffer hat kein Problem, sich zu bekennen. In ihrer E-Mail-Signatur prangt ein fettes IG Metall-Vertrauensleute-Logo. "Ich bin Vertrauensfrau für alle, auch für die, die noch nicht in der IG Metall sind", betont sie. "Wenn ich etwas biete und helfe, werden viele auch Mitglied." Sie hört zu, redet mit dem Betriebsrat und klärt auf. Von einfachen Dingen, etwa wenn ein Kollege einen Gleittag braucht, bis hin zu existenziellen Ängsten vor dem nächsten Stellenabbau.

Arbeitsplätze abbauen wollte Siemens in den letzten Jahren immer wieder. Dagegen haben sich die Beschäftigten bundesweit an zahlreichen Aktionstagen gewehrt. Sibylle Schaeffer hat die Demos in Uerdingen mitorganisiert. Sie hatte die Idee, Äpfel und Eier am Werkstor zu verteilen, unter dem Motto "Wir arbeiten nicht für einen Appel und ein Ei". Sie gewann Mitarbeiter aus der Konstruktion dafür, Transparente zu bauen und zu bemalen. Und sie mobilisierte sie zum Mitfahren zu Solidaritäts-Demonstrationen an den besonders betroffenen Siemens-Standorten in Mülheim, Essen und Duisburg. Dazu spricht sie die Leute an, schickt E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten.

Zudem machen die Vertrauensleute viel Öffentlichkeitsarbeit. Vor zwei Jahren haben sie die Betriebszeitung "Vier gewinnt" gegründet. Sibylle Schaeffer leitet die Redaktion. Und sie arbeitet mit im Filmteam. Dafür hat sie sich auf Seminaren der IG Metall fit gemacht. Mit den anderen 60 Vertrauensleuten zusammen will sie nun das Thema Arbeitszeit angehen und die Beschäftigten nach ihren Erfahrungen und Wünschen fragen. "Das ist dringend nötig", findet sie. "Gerade bei den Angestellten. Da wird zunehmend vorausgesetzt, dass Du immer erreichbar bist und E-Mails beantwortest. Der Feierabend weicht immer mehr auf."

Besonders liegt Sibylle Schaeffer das Thema Rente am Herzen. Dazu schreibt sie demnächst eine Serie in der Betriebszeitung. Denn sie ist selbst betroffen: In all den Jahren als Leiharbeiterin konnte die 52-Jährige kaum Rentenpunkte sammeln. Bis sie endlich eine feste Stelle bei der Siemens-Tochter Winergy fand.

Als sie vor vier Jahren nach Uerdingen wechselte, ging sie direkt zu den Vertrauensleuten. "Ich fand, dass Angestellte und Frauen dort unterrepräsentiert waren. Und ich war schon immer aktiv. Nur so kannst Du gemeinsam mit anderen etwas verändern. Nicht reden, sondern machen."

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