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© Carmen Jaspersen

Umfrage unter Betriebsräten der Luft- und Raumfahrtbranche

Gemeinsam Grenzen überwinden

04.10.2016 Ι Die IG Metall befragt seit 2012 regelmäßig die Betriebsräte der Luft- und Raumfahrtindustrie, um die Arbeitsbedingungen und Herausforderungen der Branche zu ermitteln. Ergebnis der neuesten Umfrage ist, dass immer mehr Unternehmen von Abspaltungen und Zergliederungen betroffen sind.

In der Luft- und Raumfahrtbranche gibt es einen Trend zur Abspaltung einzelner Betriebsteile in kleine, spezialisierte Einheiten. Bei Airbus am Standort in Bremen haben die Betriebsräte deshalb ein übergreifendes Bündnis gegründet.

Als das Vorhaben schließlich bekannt wird, im Januar 2014, bemühen sich die Verantwortlichen so zu tun, als sei das Ganze nicht der Rede wert. Abspaltung eines Betriebsteiles? Ist keine große Sache, argumentierte die Airbus-Geschäftsleitung, ist eher ein formaler Akt. "Das stimmt nicht", sagt Stefan Oeltjenbruns, Vertrauenskörperleiter und Betriebsratsmitglied bei Airbus Operations in Bremen, "eine Ausgliederung ist keine kleine Sache. Da geht es immer um Kollegen, um ihre Arbeitsbedingungen."

 

Bei Airbus am Standort in Bremen ging es um die Arbeitsbedingungen von 600 Kolleginnen und Kollegen. Diese sind in der Rumpffertigung des Militärtransporters A?400M eingesetzt und sollten aus dem zivilen Unternehmensbereich, der Airbus Operations GmbH, ausgegliedert und in die Raumfahrt- und Verteidigungssparte des Konzerns, zur Airbus Defence & Space GmbH integriert werden. "Die Kollegen machten sich Sorgen", sagt Oeltjenbruns.


Ähnlich erging es vielen Kollegen aus dem Raumfahrt- und Verteidigungssektor: Anfang 2015 hat der Airbus-Konzern und der französische Triebwerk-Hersteller Safran ein Gemeinschaftsunternehmen, Airbus Safran Launchers (ASL), gegründet. ASL ist verantwortlich für die Leitung der Produktion der Ariane 6. Die Rakete ist das neue Projekt der europäischen Raumfahrt und soll ab 2020 in den Weltraum abheben. In Bremen ist die Leitung der Ariane-6-Produktion angesiedelt, außerdem werden hier die Oberstufen der Trägerrakete gebaut. Insgesamt arbeiten rund 550 Kollegen am Standort - ein Teil von ihnen wurde von der Airbus Defence & Space GmbH abgespalten und in das neu geschaffene Gemeinschaftsunternehmen ASL integriert.

 

Große Abhängigkeit

Solche Abspaltungen und Ausgliederungen von Betriebsteilen sind in der Luft- und Raumfahrtbranche keine Seltenheit, im Gegenteil: Umstrukturierungen in der Branche haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass in einer beachtlichen Zahl von Betrieben Betriebsteile abgespalten wurden - und dieser Trend wird sich auch in der Zukunft fortsetzen. Das ist ein Ergebnis der nunmehr fünften, repräsentativen Umfrage unter den Betriebsräten der Luft- und Raumfahrtindustrie. Demnach sind ein Viertel aller Betriebe der Branche seit 2012 von derartigen Restrukturierungen betroffen.


Problematisch ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen. Zum einen gibt es nicht automatisch in allen abgespalteten Einheiten Betriebsratsgremien, müssen diese mancherorts erst aufgebaut werden. Auch wächst der Abstimmungsbedarf und damit die Arbeit der Betriebsratsgremien in einem global agierenden Unternehmen wie Airbus signifikant. Zusätzlich besteht für die abgespaltenen Einheiten die Gefahr, dass sie aufgrund ihrer geringen Größe im Verbund eines Konzerns intern an Einfluss und Gestaltungsmacht verlieren. "Ohne wachsame Betriebsräte und eine starke IG Metall vor Ort drohen bei Abspaltungen fast immer Nachteile«, sagt Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall.


Auch in Bremen war zu Anfang nicht klar, ob die Beschäftigungssicherung, die für die Beschäftigten der Zivilsparte gilt, weiter für die Kollegen besteht, die zur Airbus Defence?&?Space GmbH wechseln. "Letztlich haben wir durchgesetzt, dass die Kollegen alle Regelungen mitnehmen konnten", sagt Stefan Oeltjenbruns. Gelungen ist das auch, weil sich die Betriebsräte in Bremen vernetzt haben. 2014 rief die IG Metall Bremen das Bündnis "Airbus Group am Standort Bremen" ins Leben. Alle zwei Monate tauschen sich die Spitzen der Betriebsräte und Vertrauensleute mit der IG Metall aus, beraten sich in strategischen Fragen, entwickeln Aktionen, etwa zur Tarifrunde. "Je mehr die Betriebseinheiten zergliedert werden", so Ute Buggeln, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Bremen, "desto größer ist die Notwendigkeit, dass wir uns gut vernetzten und stärken."

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