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Terre des hommes ist erster Preisträger von Karl-Buschmann-Preis

Terre des hommes ist erster Preisträger von Karl-Buschmann-Preis

Engagement gegen Ausbeutung von Kindern ausgezeichnet

02.07.2014 Ι Terre des hommes ist erster Preisträger des Karl-Buschmann-Preises. Mit ihm würdigt die Kritische Akademie Inzell und die Stiftung zur "Förderung von Bildung, Erholung und Gesundheitshilfe für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" Projekte, die helfen, die Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern, insbesondere in der Textilbranche, zu verbessern.
Mit der Auszeichnung wird das jahrzehntelange Engagement von terre des hommes gegen Ausbeutung von Kindern und jungen Frauen gewürdigt. Das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro soll für das Projekt "Sumangali - Sklaven für die Textilindustrie" in südindischen Tamil Nadu verwendet werden.

"Sumangali" bedeutet auf Tamil: "Braut" und "die Wohlstand bringt". Im Sumangali-System werden junge Mädchen und Frauen in Spinnereien und Fertigungsbetrieben mit einem mehrjährigen Vertrag als "Lehrlinge" angestellt. Der Ausbildungsstatus befreit die Firmen von der Pflicht, einen gesetzlichen Mindestlohn zu bezahlen. Meist sind Mittelsmänner beteiligt, die die Mädchen aus Dörfern im Umkreis rekrutieren. Das Geld, das die Eltern erhalten, dient vor allem armen Familien als Zuschuss zum Brautpreis ihrer Töchter.

120 000 Mädchen arbeiten wie Sklavinnen
In der Industriestadt Tirupur und Umgebung arbeiten rund 120 000 Mädchen und junge Frauen in der Textilindustrie. Sie werden im Sumangali-System wie Sklavinnen gehalten, vorgeblich zu ihrer Ausbildung. Die Mädchen in den Spinnereien bekommen etwa 20 Euro im Monat und werden mit dem Versprechen hingehalten, nach Ablauf von drei Jahren einen Bonus in Höhe von 500 Euro zu bekommen. Dafür müssen sie sechs Tage die Woche zwölf Stunden am Tag arbeiten, sie werden in überfüllten Hütten festgehalten und sind Beschimpfungen, Schlägen und sexueller Gewalt ausgesetzt.

Terre des hommes hat im Oktober 2011 ein Hilfsprogramm für 10 000 Mädchen und junge Frauen gestartet. Bis heute konnten bereits 5000 von ihnen aus dem Sumangali-System befreit werden: Sie gehen wieder zur Schule oder konnten eine richtige Berufsausbildung anfangen.

Terre des hommes leistet konkrete Hilfe
Die Stiftung zur "Förderung von Bildung, Erholung und Gesundheitshilfe für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" feierte am 2. Juli 2014 ihr 50-jähriges Bestehen. Peter Donath, Vorsitzender der Stiftung, hob bei der Preisvergabe hervor, dass terre des hommes konkrete Hilfe leistet. Gleichzeitig kämpfe die Organisation aber auch gegen die Umstände, welche diese grausame Ausbeutung zulassen. Donath schloss sich den Forderungen von terre des hommes an, die an Regierung, Gewerkschaften und NGOs apellierten, umgehend Lösungen zu erarbeiten und umzusetzen. Die Gefangennahme von jungen Mädchen müsse beendet werden, Mindestlöhne und Arbeitsschutz seien zu gewährleisten.

Jörg Hofmann, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, forderte bei der Preisverleihung von der deutschen und europäischen Textil-Bekleidungswirtschaft, Verantwortung zu übernehmen für die Arbeits- und Produktionsbedingungen auch in den asiatischen Produktionsländern. Es sei unerträglich, dass führende Handels- und Bekleidungsunternehmen Arbeitsbedingungen, wie Zwangs- und Kinderarbeit zumindest billigend in Kauf nehmen. "Sklavenarbeit, Kinderarbeit, mangelnder Arbeitsschutz und die rücksichtslose Ausbeutung von Menschen dürfen nicht als Wettbewerbsvorteile genutzt werden. Weltweiter freier Handel braucht verbindliche Sozialstandards. Weil freiwillige Selbstverpflichtungen der Modekonzerne bisher wenig bewirkt haben, ist da die Politik gefordert", betonte Hofmann.

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Mit einem "Arbeitsverhaltenskodex für die Bekleidungsindustrie" will die Kampagne unter anderem internationale Unternehmen zu fairen und sozialen Mindeststandards verpflichten. Die IG Metall gehört zu den Unterstützern.

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