Kfz-Tarifrunde 2021
Die Beschäftigten geben Vollgas

Die Tarifrunde im Kfz-Handwerk geht in die heiße Phase. Nicht nur was die Temperaturen angeht. Nachdem über 14 000 Beschäftigte letzte Woche im Warnstreik waren, erhöhen sie jetzt nochmal die Schlagzahl, bis sich die Arbeitgeber bewegen.


Mit dem bundesweiten Protest hatten die Arbeitgeber nicht gerechnet. Bislang haben fast 17000 Beschäftigte in knapp 400 Autohäusern und Kfz-Werkstätten zeitweise ihre Arbeit niedergelegt. Neben Frühschluss- und Umfrageaktionen gab es zahlreiche Mobilitätskorsos und Kundgebungen. Unter erschwerten Pandemiebedingungen haben die Beschäftigten, mit Maske und Abstand, ihren Unmut über die Blockadehaltung der Arbeitgeberseite zum Ausdruck gebracht.


Arbeitgeber bieten: nix

Die IG Metall fordert 4 Prozent mehr Geld für 12 Monate und eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen.

Die Arbeitgeber haben bislang noch kein Angebot vorgelegt. Auch bei der Tarifverhandlung in Niedersachsen am Montag sahen sie sich – entgegen der Erwartungen der IG Metall - außer Stande, ein offizielles Angebot zu machen.

Die Beschäftigten lassen sich die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber nicht bieten. Das haben sie in den letzten Tagen mit ihren Warnstreiks klargemacht.

Vollgas trotz Corona – gute Zahlen

Viele Betriebe laufen gut und machen richtig gute Zahlen. Vor allem der Gebrauchtwagenverkauf schnellt gerade nach oben. Die Beschäftigten haben das ganze Jahr unter schwersten Bedingungen den Laden am Laufen gehalten, in den Werkstätten - und auch aus dem Homeoffice im Verkauf.

„In der Corona-Zeit haben wir Vollgas gegeben, mit Abstand und Maske“, erklärt Sabrina Demuth (Foto oben), die als Kfz-Mechatronikerin in der Werkstatt arbeitet. „Wir haben in der schweren Zeit zusammen und zu unserem Unternehmen gehalten – daher haben wir uns unsere Tariferhöhung verdient.“​

Sabrina ist Betriebsrätin im Mercedes-Autohaus Rosier in Braunschweig. Gut 100 Beschäftigte kamen zum Warnstreik auf den Hof. Beschäftigte aus der Iveco-Niederlassung Braunschweig kommen dazu, zu einer gemeinsamen Aktion.

Die Beschäftigten wollen ihren Anteil von den Gewinnen abhaben. In Niedersachsen haben die IG Metall-Mitglieder im Kfz-Handwerk zudem eine weitere regionale Forderung aufgestellt: Individuelle Wahlmöglichkeiten zwischen Geld und Freizeit für die Beschäftigten.


„Werden den Druck wenn nötig erhöhen“

„Klar ist, wir werden uns nicht ausbremsen lassen und den Druck wenn nötig weiter erhöhen“, sagt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall im Bezirk Niedersachen und Sachsen-Anhalt. In Baden-Württemberg laufen schon seit einigen Wochen Aktionen. Auch dort wollen die Arbeitgeber nichts geben – und sie stellen sogar Forderungen. So soll der Samstag zum Regelarbeitstag werden, ohne Zuschläge also. „Geht gar nicht“, sagen die Beschäftigten. 2500 waren bislang allein in Baden-Württemberg im Warnstreik, unter anderem in den Autohäusern von Mercedes-Benz, Audi, Porsche, VW, BMW und MAN.

„Jetzt bekommen die Arbeitgeber die Quittung für ihre unverschämten Forderungen und ihr fehlendes Verständnis für die Belegschaften“, sagt Ivan Curkovic, Verhandlungsführer der IG Metall Baden-Württemberg. "Wir erwarten von den Arbeitgebern, dass sie endlich ein ordentliches Angebot auf den Tisch legen. Erst wenn es zufriedenstellende Lösungen für alle unsere Forderungen gibt, werden wir bei den Warnstreiks den Fuß von der Bremse nehmen."


Jeden Tag Verhandlungen – weitere Warnstreiks

Die IG Metall gibt Gas für eine Lösung im Kfz-Handwerk. In dieser Woche gibt es jeden Tag in einer anderen Region Tarifverhandlungen, am Montag in Niedersachsen, am Dienstag in Mecklenburg-Vorpommern, am Donnerstag in Bayern. In Baden-Württemberg verhandeln IG Metall und Arbeitgeber am Freitag. Bundesweit sind weitere Warnstreikwellen in Vorbereitung.

 

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