Der lange Atem hat sich gelohnt: Die Beschäftigten des Berliner Beschichtungsspezialisten für Gasturbinenschaufeln TACR werden seit Jahresbeginn erstmals nach Tarif bezahlt. Neu sind Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie eine deutlich geringere Wochenstundenzahl.
Dieses herausragende Ergebnis haben nach monatelangen Verhandlungen die TACR-Betriebsräte Danny Ratzow und Barbara Neumann durchgesetzt – mit maßgeblicher Unterstützung durch Irene Schulz von der IG Metall Verwaltungsstelle Berlin und die Konzernbetriebsratsvorsitzende Bettina Haller.
Bisher kein Tarif TACR, ein Betrieb, der die Schaufeln beschichtet, die neu oder im Reparaturverfahren in die Gasturbinen im Siemens-Turbinenwerk eingesetzt werden, ist seit dem 1. Dezember 2010 ein Unternehmen des Siemens-Konzerns. Bislang war der Betrieb nicht tarifgebunden. Für die Beschäftigten bedeutete das: 40 Wochenstunden, kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, kein transparentes Entgeltsystem. Entsprechend groß war die Unzufriedenheit unter den Beschäftigten.
Nach dem ihr Betriebsrat Anfang 2009 Kontakt zur IG Metall aufgenommen hatte, kam die Sache ins Rollen: Die Belegschaft organisierte sich gewerkschaftlich. „Damit wuchs der Druck auf die Arbeitgeber erheblich“, sagt der Betriebsrat Danny Ratzow.
Flächentarifvertrag in allen Punkten durchgesetzt Am Ende konnten die Metaller ihre wichtigsten Forderungen durchsetzen: Der Arbeitgeber tritt zum 1. Januar 2011 dem Verband der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg (VME) bei. Damit gelten alle Tarifverträge bis auf einige Abweichungen, die in einem Überleitungstarifvertrag geregelt wurden. So wird die Arbeitszeit allmählich reduziert und die 35-Stunden-Woche im Jahr 2016 erreicht. Weihnachts- und Urlaubsgeld werden gestaffelt: 2014 erhalten die Beschäftigten die volle Höhe des Weihnachtsgeldes, im Jahr 2016 folgt dann das Urlaubsgeld.
„Der Belegschaft“, sagt die Betriebsrätin Barbara Neumann, „ist es sehr wichtig, dass das Entgelt jetzt erstmals tariflich gesichert ist. Außerdem wird mit Era eine klare Entgeltstruktur geschaffen.“ Die IG Metall-Verhandlungsführerin Irene Schulz betont: „Das Wichtigste ist, dass wir auch für unsere TACR-Kollegen die Geltung des Flächentarifvertrags in allen Punkten durchgesetzt haben – dies durchzusetzen, war für uns die größte Herausforderung in den Verhandlungen.“ Belegschaft wie IG Metall bewiesen den längeren Atem- und starten ins neue Jahr mit einem Verhandlungsergebnis, das Nachahmer sucht.
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