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Streik gegen Schließung bei Zumtobel Usingen

Zumtobel-Beschäftigte demonstrieren vor Landtag

29.09.2016 Ι Die streikenden Beschäftigten des Leuchtenherstellers Zumtobel in Usingen haben vor dem hessischen Landtag im Wiesbaden demonstriert. Trotz hoher Gewinne will Zumtobel ihr Werk schließen. Die Beschäftigten fordern einen Sozialtarifvertrag mit guten Abfindungen.

Die streikenden Beschäftigten des Leuchtenherstellers Zumtobel im hessischen Usingen haben heute am hessischen Landtag in Wiesbaden gegen die Schließung ihres Werks demonstriert. Sie bildeten ein Kreuz aus Menschen auf dem Platz vor dem Landtag. Drinnen beschäftigte sich der Innenausschuss des Landtages mit dem Vorgehen der Polizei am Mittwoch der letzten Woche in Usingen. Zumtobel hatte mit Hilfe eines massiven Polizeiaufgebotes den Abtransport von Produkten und Materialien aus dem bestreikten Werk erzwungen.

 

Seit drei Wochen streiken die 145 Beschäftigten für einen Sozialtarifvertrag mit fairen Abfindungen, Qualifizierung und einem Härtefonds. Im April hatte die Konzernleitung überraschend verkündet, dass sie das Werk schließen will - obwohl die Beschäftigten regelmäßig Gewinne von 15 Prozent und mehr erwirtschaftet hatten. Beschäftigte und IG Metall erarbeiteten gemeinsam mit Beratern ein Alternativkonzept zur Fortführung des Betriebs. Tatsächlich fanden sich auch drei Kaufinteressenten.

 

Im August waren die Verkaufsverhandlungen mit einem Investor laut Konzernleitung bereits auf der Zielgeraden und es ginge nur noch um Details. Doch dann erklärte die Zumtobel-Spitze am 30. August überraschend das Scheitern des Verkaufs - und das endgültige Aus für die Beschäftigten in Usingen.

 

Undurchsichtiges Spiel

Die Beschäftigten fühlen sich an der Nase herumgeführt. Sie haben den Verdacht, dass die Schließung ihres Werks aus "strategischen Gründen" schon lange beschlossene Sache war - und dass die Konzernleitung sie hingehalten hat, um die Auslieferung letzter Aufträge noch abzusichern. Schon im letzten Jahr hatte die Konzernleitung Parallelproduktionen in anderen Werken aufgebaut, angeblich um Auftragsspitzen zu bewältigen.

 

"Ich habe damals schon gemerkt, dass etwas nicht stimmt und dass die Geschäftsleitung uns anlügt. Daher bin ich in die IG Metall eingetreten und IG Metall-Vertrauensmann geworden", erklärt ein Zumtobel-Vorgesetzter, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. An eine Fortführung des Werkes glauben die Beschäftigten nicht, da haben sie keine Illusionen. "Uns geht es um eine faire Schließung mit Anstand und guten Abfindungen", erklärt der Vertrauensmann.

 

Große Mehrheit für Streik

In einer Urabstimmung stimmten 99,2 Prozent der 145 IG Metall-Mitglieder bei Zumtobel in Usingen für Streik. Seither halten sie Wache am Werkstor und machen mit Aktionen öffentlich Druck: Sie stürmten die Börse in Frankfurt und fuhren mit dem Bus zu einer Kundgebung vor der Konzernzentrale im österreichischen Dornbirn.

 

Der Arbeitgeber reagiert mit Härte: Er sperrte die komplette Belegschaft aus. Während der Aktion in Dornbirn letzte Woche Mittwoch ließ Zumtobel in Usingen Teile mit Lastwagen abtransportieren, mit Hilfe der Polizei, die mit Knüppeln, Helmen und Schilden bewehrt anrückte und die Blockade der verbliebenen Beschäftigten auflöste.

 

"Hier wurden Fakten geschaffen, um die Verhandlungsposition der Arbeitnehmerseite zu schwächen", kritisiert der Erste Bevollmächtigte der IG Metall-Geschäftsstelle Frankfurt Michael Erhardt. "Ein fairer Umgang mit den Arbeitnehmern sieht anders aus." Dieses IG Metall kritisiert das Vorgehen der Polizei als völlig unverhältnismäßig. Das sahen viele Abgeordnete bei der Anhörung im Landtag in Wiesbaden genauso.

 

Mehr Infos zum Streik und den Aktionen der Zumtobel-Beschäftigten auf der Internetseite der IG Metall Frankfurt und auf dem Blog der Metallerinnen und Metaller bei Zumtobel.

 

Solidaritätsspenden für die Zumtobel-Beschäftigten:

Solidaritätskonto Zumtobel

Z. Hd. Michael Erhardt

GLS Bank eG

IBAN: DE60 4306 0967 8022 4118 01

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