Standort Deutschland
Für eine aktive Industriepolitik

Um den Standort Deutschland und die Beschäftigung dauerhaft zu sichern, fordert die IG Metall eine aktive Industriepolitik. Aber: Sie stellt nicht nur Forderungen auf, sondern beteiligt sich auch.

3. Dezember 20143. 12. 2014


Aber: Sie stellt nicht nur Forderungen auf, sondern beteiligt sich auch. Eine aktive Rolle spielt die IG Metall bereits bei der Nationalen Plattform Elektromobilität und im Bündnis für Industrie.

Deutschland ist auf einem gutem Weg beim Thema Elektromobilität ganz vorne mitzumischen: 17 Fahrzeugmodelle deutscher Hersteller mit standardisierter Ladeschnittstelle entstanden in den vergangenen vier Jahren. Weitere 12 Modelle sind von den Herstellern für nächstes Jahr angekündigt. Das sichert die Zukunft des Industriestandorts Deutschland, sagen Politik und Wirtschaft. Und: Das sichert Arbeitsplätze, sagt die IG Metall. Die Idee dahinter: die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE). Ihr Credo: Deutschland soll bis zum Jahr 2020 nicht nur zum Leitmarkt, sondern auch Leitanbieter für Elektromobilität werden.

 

Von Anfang an dabei

Die IG Metall saß von Anfang an – seit 2010 – mit Wirtschaft, Wissenschaft und Politik am Steuer. Denn bereits bei der Gründung der NPE war klar: Der Übergang vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität verändert nicht nur die Automobilbranche sondern die gesamte Metall- und Elektroindustrie. Und nur wenn die gesamte Produktion von der Batterie bis zum Elektroauto in Deutschland bleibt, kann Beschäftigung dauerhaft gesichert werden.

Die NPE zeigt, was die IG Metall schon lange fordert: Dort wo der Dreiklang zwischen Politik, Wirtschaft und Gewerkschaft stimmig klingt, passiert etwas. 17 Milliarden Euro aus der Industrie und 1,5 Milliarden Euro aus der Politik fließen in die Forschung und Entwicklung der Elektromobilität und damit in die Sicherung des Standorts Deutschland.


Motor für gute Arbeit

Die NPE ist ein industriepolitisches Beispiel, das Schule machen könnte. Denn: Der demografische Wandel, der Fachkräftebedarf, die Digitalisierung, die Energiewende und der Investitionsstau stellen Deutschland vor große Herausforderungen. „Diese zu meistern ist eine gesellschaftliche Aufgabe und kann nur gelingen mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Staat, Arbeitgebern und Gewerkschaften“, sagt Wolfgang Schroeder, Politikwissenschaftler und Leiter der Grundsatzabteilung der IG Metall.

Um diese Herausforderungen zu meistern, hat die IG Metall die Initiative ergriffen und gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesverband der deutschen Industrie ein „Bündnis für Industrie“ initiiert. Es ist ein Bündnis für gute Arbeit, Wachstum und Wohlstand. Kompetenzen sollen gebündelt und Netzwerke geschaffen werden, um unsere Industrie modern zu gestalten.


Die Rolle der IG Metall

Eine moderne Industriepolitik funktioniert nur mit einem Wirtschafts- und Wettbewerbsmodell, das nicht billiger, sondern innovativer und besser ist und das nicht kurzfristig, sondern nachhaltig agiert. „Dabei will die IG Metall eine starke, aktive Rolle im industriepolitischen Prozess spielen“, betont Politikwissenschaftler Schroeder.

Eine aktive Rolle spielt die IG Metall bereits innerhalb der NPE oder im Bündnis für Industrie. Aber auch Vertrauensleute, Betriebsräte und Mitglieder sind jeden Tag in den Betrieben Gestalter einer nachhaltigen Industriepolitik. Und die Gewerkschaft ist immer dann gefragt, wenn finanzmarktgetriebene Unternehmenssteuerung oder neoliberale Wirtschaftspolitik gewachsene, leistungsfähige, innovative Arbeitsplätze und Gute Arbeit bedrohen. „Die IG Metall vertritt die Interessen der Beschäftigten in diesem Strukturwandel“, betont Schroeder


Was leisten Staat und Unternehmen?

Noch vor 20 Jahren galt in Deutschland die Industrie als Auslaufmodell, heute zeigt sich ein völlig anderes Bild. Als um das Jahr 2000 die Dotcom-Blase platzte, zerplatzte auch das naive Ideal der Dienstleistungsgesellschaft. Das Festhalten an der sogenannten „Old Economy“ hat Deutschland Stabilität gebracht.

Heute weiß jeder: Dienstleistungsberufe sind nicht anstelle der Industrie entstanden, sondern als ihr wesentlicher Teil. Gut 3,7 Millionen Beschäftigte arbeiten in Betrieben der Metall- und Elektroindustrie. Der Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung liegt bei rund 25 Prozent. Und nach wie vor ist der Industriesektor für 40 Prozent des Produktionswerts verantwortlich. Rechnen wir die produktionsnahen, industriellen Dienstleistungen hinzu, dann hängen rund 60 Prozent des Produktionswerts direkt oder indirekt von der Industrie ab. Das Zahlenspiel verdeutlich: Wer die Zukunft der Industrie sichert, sichern die Zukunft Deutschlands. Das ist keine Banalität. Politik und Wirtschaft müssen einiges dafür tun, damit unsere Industrie weiterhin wettbewerbsfähig bleibt.


Mehr Investitionen

Deutschlands Investitionsquote ist in den letzten 20 Jahren zurückgegangen und im internationalen Vergleich zu gering. Höhere Investitionen sind sowohl eine Aufgabe des Staats als auch der Unternehmen. Der Staat muss für stabile wirtschafts- und industriepolitische Rahmenbedingungen sorgen. Dabei hat die IG Metall ganz konkrete Forderungen an die Politik:

- Die digitale Infrastruktur muss schnell aufgebaut werden

- Investierende Unternehmen müssen gezielt gefördert werden, denn verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten oder Investitionszulagen für Investitionen können zum Gelingen der Industrie 4.0 beitragen

- Ein New Deal für Technologie- und Investitionsförderung sollte daher elementarer Bestandteil des Bündnisses für Industrie sein.

„Von den Unternehmen erwarten wir, dass sie gemeinsam mit uns Beschäftigung und gute Arbeitsbedingungen als Basis einer starken Industrie sozialpartnerschaftlich gestalten und dass sie in den Standort Deutschland und die Qualifizierung der Beschäftigten investieren“, sagt Schroeder.


Mehr Bildung

Industriepolitik heißt auch Fachkräftepolitik. „Fachkräfte sind der Motor von Innovationen. Sie schaffen reale Werte und sichern das wirtschaftliche Wachstum sowie den gesellschaftlichen Wohlstand unseres Landes und sind damit für den Fortschritt der Gesellschaft unerlässlich“, sagt Schroeder. „Es ist unser Ziel, den demografischen Wandel und die Zukunft der Arbeit so zu gestalten, dass neue Chancen für sozialen Aufstieg, gute Arbeit, bessere Bildung, eine neue Balance von Arbeit und Leben sowie mehr Beteiligung entstehen.“

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