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IG Metall fordert Aussetzen der Rente mit 67
Chancen für Ältere am Arbeitsmarkt ehrlich bilanzieren

Am 1. Januar hat der Einstieg in die Rente mit 67 begonnen. Doch nicht einmal innerhalb der Bundesregierung ist sie unumstritten. Die IG Metall fordert, die Anhebung der Altersgrenze auszusetzen und die Chancen älterer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt zu überprüfen.



In den kommenden Jahren verschiebt sich die Altersgrenze immer weiter nach hinten. Wer dieses Jahr in Rente geht, muss einen Monat länger arbeiten, ab dem Geburtenjahrgang 1964 muss bis 67 Jahre gearbeitet werden, sonst gibt es Abschläge.

Der bayrische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer war mit einer kritischen Einschätzung der Verschiebung des Renteneintrittsalters vorgeprescht. IG Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban forderte ihn daher zum Handeln auf: „Die Bundesregierung ist gefordert, eine ehrliche Bilanz der Chancen älterer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt auf den Tisch zu legen. Solange muss die Rente mit 67 ausgesetzt werden“, so Urban.

Wenige schaffen es gesund bis zur Rente
Seit langem sei bekannt, dass nur ein geringer Teil der Beschäftigten es heute gesund bis zur Rente schaffe. Zudem hätten Ältere nach wie vor kaum Chancen auf eine reguläre Beschäftigung. Deshalb sei die Anhebung der Altersgrenze für den Renteneintritt nichts anderes als eine faktische Rentenkürzung. Statistiken der Deutschen Rentenversicherung zufolge mussten 47,5 Prozent aller Neurentner im Jahr 2010 Abschläge bei ihrer Rente in Kauf nehmen, weil sie nicht einmal bis zum 65. Lebensjahr, der bisherigen Regelaltersgrenze, arbeiteten. Bedenklich ist auch die Beschäftigungsquote älterer Menschen: Im März 2010 waren nicht einmal zehn Prozent aller Männer und Frauen mit 64 Jahren noch in Vollzeit in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis.

„Wir brauchen altersgerechte Arbeitsplätze und neue Möglichkeiten für einen fairen Altersausstieg. Nur so kann verhindert werden, dass der demografische Wandel zur unzumutbaren sozialen und gesundheitlichen Belastung für die Beschäftigten wird“, sagt Hans-Jürgen Urban.

Ausstiegsoptionen statt starrer Altersgrenze
Statt einer starren Altersgrenze müssten im Rentenrecht Ausstiegsoptionen für die Beschäftigten eröffnet werden, die am Ende eines langen Arbeitslebens nicht mehr können. Dazu gehörten etwa ein abschlagsfreier Rentenzugang nach 45 Versicherungsjahren und nach 40 Versicherungsjahren ab dem 60. Lebensjahr, eine neue Altersteilzeit und ein verbesserter Zugang zur Erwerbsminderungsrente. Die IG Metall werde mit Nachdruck für Konzepte eines flexiblen Altersübergangs werben.

Die Beschäftigten würden in die Zange genommen. Einerseits hätten sich die Arbeitsbedingungen durch die Ausweitung von Schichtarbeit, durch zunehmenden Stress und Arbeitshetze verschlechtert. „Gerade Ältere können dem wachsenden Druck in den Unternehmen oft nicht mehr Stand halten; zugleich sind die rentenrechtlichen Möglichkeiten für den Ausstieg aus dem Erwerbsleben durch die gegenwärtige aber auch durch Vorgängerregierungen zusammengestutzt worden“, kritisierte Urban.

Es fehlen alternsgerechte Arbeitsplätze
Kritik übte Urban an den Arbeitgebern. „Sie beklatschen die Verlängerung der Lebensarbeitszeit und leisten viel zu wenig um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.“ Das sei nicht akzeptabel. Die IG Metall werde die Arbeitgeber nicht aus ihrer Verantwortung für altersgerechte Arbeitsplätze in den Betrieben entlassen.

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