Europa braucht mehr Gemeinsamkeiten auch bei den Einkommen, sagt IG Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb. Denn das Lohnniveau in Europa ist derzeit extrem uneinheitlich.
In Ost- und Südeuropa verdienen Beschäftigte erheblich weniger als in Nord- und Westeuropa. Nicht überall, wo es einen Mindestlohn gibt, reicht er zum Leben. Arbeitnehmer müssen vermehrt Kredite aufnehmen, allein um die laufenden Lebenshaltungskosten abzudecken. Es gibt in vielen Ländern Europas keine Sozialpartnerschaft, das System von Tarifverträgen ist schwach entwickelt. Immer mehr Arbeitnehmer in der Europäischen Union werden abgehängt. 2015 lebten in den 28 Mitgliedsstaaten fast zehn Prozent der Beschäftigten an der Armutsgrenze, mit steigender Tendenz.
Um dem entgegenzuwirken, hat der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) die Kampagne für höhere Löhne (Pay Rise) initiiert. Ihr Ziel ist die schrittweise Angleichung der Löhne, die Stärkung des Tarifsystems in Europa und die Beseitigung von tariflichen Ungleichgewichten. Beschäftigte in Europe sind am 1.Mai auch für dieses Anliegen auf die Straße gegangen. Die öffentlichkeitswirksame Kampagne läuft noch bis Mitte 2018 und nimmt die Unternehmen in die Pflicht. Denn obwohl die Produktivität in Europa steigt, gehen die Gewinne in erster Linie an die Anteilseigner, während die Arbeitnehmer von Lohn- und Sozialdumping bedroht sind.
„Europa braucht mehr Dynamik bei der Einkommensentwicklung statt wachsende Niedriglohnkonkurrenz. Deshalb rauf mit den Löhnen!“, fordert IG Metall- VorstandsmitgliedWolfgang Lemb. Lohnerhöhungen sind eine Voraussetzung für die Stärkung der Kaufkraft und damit der Binnennachfrage. Das hilft den süd- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten in der wirtschaftlichen Entwicklung. Gleichzeitig kann damit die Einkommensungleichheit zwischen den Mitgliedsstaaten gemildert werden.
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