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Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit vorleben

Winfried Sicklinger engagiert sich als Vertrauensmann im Betrieb und in seiner Freizeit als Fußballtrainer.


Winfried Sicklinger absolvierte die ganze Palette gewerkschaftlicher Funktionen. Bei der ZF Friedrichshafen AG in Passau, ein Technologiekonzern der Antriebs- und Fahrwerktechnik, machte er seine Ausbildung zum Industriemechaniker und war dann als Jugendvertreter aktiv. „Beim Start meiner Ausbildung vor 20 Jahren habe ich die IG Metall kennengelernt und schon gespürt, dass es mir Spaß macht, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein und etwas zu bewegen“, sagt er. Zuletzt beim Gewerkschaftstag erlebte er wieder dieses mitreißende Gefühl. „Beim Thema Flüchtlingspolitik haben wir uns gemeinsam verständigt, Beschlüsse auf den Weg gebracht und mit der IG Metall Jugend eine tolle Aktion durchgeführt. Alle Teilnehmer hatten T-Shirts mit der Aufschrift “refugees welcome„ an und haben sich geschlossen für eine tolerantere Flüchtlingspolitik ausgesprochen. Es war beeindruckend zu sehen, wie 500 Gewerkschafter im Raum zu der gleichen Sache stehen. Ich hatte Gänsehaut.“

 

Politik und Bürgerengagement an einem Strang

Die aktuelle Flüchtlingskrise macht sich besonders am Grenzgebiet zu Österreich bemerkbar, denn dort kommen täglich Tausende an, die dann von Passau aus ins restliche Bundesgebiet verteilt werden. Winfried Sicklinger bemerkt, dass das Thema im gesamten Landkreis unterschiedlich diskutiert wird. „In meiner Gemeinde Fürstenstein habe ich gute Erfahrungen gemacht. Die Kommunalpolitik ist positiv mit der Situation umgegangen und die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist riesig.“ Im Grenzgebiet allerdings, gibt es auch viele negative Stimmen. „Ich begegne den Ängsten und Vorurteilen der Bevölkerung und vernehme leider auch immer öfter rassistische Aussagen. Da versuche ich sachlich zu diskutieren und klar Stellung zu beziehen“, sagt er. Dabei wird Winfried Sicklinger von der IG Metall vor Ort unterstützt. „Wenn ich Hilfe suche, dann bekomme ich sie. Mit externen Referenten führen wir Schulungen durch, betreiben Aufklärung und verteilen Broschüren. Aber aus meiner Sicht ist es wesentlich wichtiger, dass man seine Einstellung zu dem Thema auch positiv vorlebt und zu seiner Meinung steht.“

 


 

Mit Sachkenntnis für Verständnis sorgen

Winfried Sicklinger hat sich mit dem Thema befasst. Er informiert sich über die Rechtslage und über Fluchtgründe. Seine Kenntnis und Empathie, erklärt auch seine Einstellung: Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, die Menschen in ihrer Notsituation zu unterstützen. Das zeigt sich auch in seinem Ehrenamt als Fußballtrainer. „Als die ersten Geflüchteten zum Sportplatz kamen, wollten sie natürlich direkt mitkicken, doch das musste erst mal koordiniert werden. Wir mussten sprachliche Barrieren überwinden und auch bei den Aktiven für Verständnis sorgen“, berichtet er. Ein Junge beispielsweise, hat ein steifes Bein und könne daher nicht so mitlaufen, wie die anderen Jungs. Er sei spürbar traumatisiert. „Wir haben den Kindern erklärt, dass der Junge aus einem Kriegsgebiet kommt und dort diese Verletzung davon getragen hat. Diese Geschichten bewegen uns alle“, sagt er.

 

Betriebliches Engagement

Rassismus ist nicht nur ein Thema in der Gemeinde, oder auf dem Fußballplatz, auch im Betrieb führt Winfried Sicklinger immer wieder Diskussionen. „Immer öfter höre ich fremdenfeindliche Aussagen. Ich versuch das dann auf eine sachliche Ebene zu bringen“, sagt er. Durch seine Funktion im Betrieb wirbt er dafür, offen zu diskutieren, aufzuklären und zu zeigen, wie wichtig es ist, die Geflüchteten willkommen zu heißen und zu integrieren.

Die Integration Geflüchteter bei der ZF Friedrichshafen AG in Passau steht jetzt am Anfang. „Einen Geflüchteten aus Afghanistan konnten wir nach einem längeren Praktikum bei uns anstellen. Im September dieses Jahres hat er eine Ausbildung begonnen und darüber sind wir sehr glücklich.“ Der Betrieb geht mit gutem Beispiel voran, doch aus Winfried Sicklingers Sicht könnte es mehr sein. „Er ist nur ein Geflüchteter, der eine Ausbildung beginnen konnte, was in Relation zu einer großen Belegschaft und der Anzahl der Geflüchteten nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist“, sagt er.

Text: Hendrikje Borschke

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