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Cem Yalcin unterliegt dem Optionszwang, Foto: igmetall

Migranten und Optionszwang

Endlich richtig dazu gehören

21.03.2013 Ι Zum Tag gegen Rassismus am 21. März ruft die IG Metall für mehr Integration in Betrieb und Gesellschaft von Menschen mit Migrationshintergrund auf. Und sie kämpft für die Abschaffung des Optionszwangs, der hier geborene junge Menschen nichtdeutscher Eltern wie Cem Yalcin aus Kassel in die Zwickmühle bringt.

Cem Yalcin ist 18 Jahre mit türkischen Migrationshintergrund und in Kassel geboren. Nach dem Realschulabschluss begann er eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei Volkswagen. "Bei uns im Werk Baunatal arbeiten viele Menschen aus unterschiedlichen Nationen, insgesamt 15 000 Menschen", sagt Cem. Zur Zeit steckt er in der ersten Phase seiner Abschlussprüfung. Seine Arbeit bei Volkswagen macht ihm viel Spaß.

Initiative Respekt

Cem schätzt die kulturelle Vielfalt der Belegschaft im Werk. "Nach den deutschen sind die türkischen Kollegen die größte Beschäftigtengruppe." Er selbst ordnet sich weder der deutschen noch der türkischen Beschäftigtengruppe zu. "Glücklicherweise muss ich mich im Werk nicht entscheiden. Da spielt die Nationalität keine Rolle." Bei Volkswagen in Kassel gibt es viele Initiativen beim Sport und am Feierabend, um einen respektvollen Umgang unter Kollegen egal welcher Nationalität zu wahren und zu vertiefen. Er hat in der Ausbildung viele Freunde und Kollegen und kann sich nicht erinnern, aufgrund seiner Nationalität anders behandelt worden zu sein.

Vor die Wahl gestellt

Doch so sehr sich Cem in Betrieb und Gesellschaft integriert fühlt, Recht und Gesetz machen bei ihm als einem sogenannten Optionskind sehr wohl Unterschiede. Cem bekam nämlich wie viele seiner Altersgenossen mit türkischer Herkunft zu seinem 18. Geburtstag Post vom Regierungspräsidenten. In dem Schreiben wurde er aufgefordert, sich zu entscheiden, ob er die deutsche oder die türkische Staatsangehörigkeit annimmt. Bis dato hat er zwei Pässe, den deutschen und den türkischen, weil er in Deutschland geboren ist. Die deutsche Staatsangehörigkeit ist jedoch nur befristet. "Ich würde ja am liebsten so wie bisher beide Pässe behalten, das stört bisher ja auch niemanden", sagt Cem. Aber das ist nicht möglich. Wenn Cem sich nicht innerhalb von fünf Jahren entscheidet, verliert er die deutsche Staatsangehörigkeit und die damit verbundenen Rechte. 

Viel für das Land getan

Durch den Optionszwang sieht er seine Zugehörigkeit zu Deutschland mit einem dicken Fragezeichen versehen. "Das ist das, was mein Opa nach 50 Jahren Deutschland nach wie vor kritisiert. Er meint, die Politik hat es nach wie vor nicht verstanden, uns zu akzeptieren und gleich zu behandeln, obwohl wir so viel für dieses Land getan haben." So wie Cem kommen Tausende von jungen Menschen mit Migrationshintergrund in die Zwickmühle.  

Die Fünfjahrespflicht läuft 2013 erstmals für alle Optionskinder ab, die 1990 geboren wurden. Betroffen sind rund 3300 Jugendliche. Bis zum Jahr 2017 wird die Zahl der Optionspflichtigen auf etwa 6800 Personen pro Jahr ansteigen. Die IG Metall ist gegen die Optionspflicht und fordert die ersatzlose Streichung, weil sie weder der Lebenssituation der betroffenen Jugendlichen gerecht wird, noch integrationspolitisch sinnvoll ist. Eine Mehrheit der Betroffenen findet es nicht richtig, sich überhaupt entscheiden zu müssen. Viele zögern eine Antwort hinaus, weil sie hoffen, dass das Gesetz noch geändert wird.

Die IG Metall fordert daher, dass in Deutschland geborene Kinder künftig uneingeschränkt und dauerhaft neben der Staatsangehörigkeit der Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Es ist daher geboten, die Mehrstaatigkeit einzuführen und das Einbürgerungsrecht so zu verändern, dass es der Realität gerecht wird. In vielen Ländern ist die Mehrstaatigkeit selbstverständlich. Die Optionspflicht wäre hinfällig, wenn die Bundesregierung die Mehrstaatigkeit von Migrantinnen und Migranten grundsätzlich erlauben würde.   

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Hintergrund

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus gehen zurück auf eine Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahre 1979. Damals forderte sie ihre Mitgliedsstaaten auf, alljährlich - beginnend mit dem 21. März - eine Woche der Solidarität mit den Gegnern und Opfern von Rassismus zu organisieren.

Der "Internationale Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung" am 21. März ist einer der ersten offiziellen und wichtigsten Gedenktage der Vereinten Nationen. Er erinnert und mahnt an das Massaker von Sharpeville am 21. März 1960. An diesem Tag erschoss die südafrikanische Polizei im Township Sharpeville 69 friedliche Demonstranten, die gegen die ungerechten Passgesetze in dem Apartheid-Staat demonstriert hatten.

Optionszwang. Illustration: wider-den-optionszwang.de
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