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Interview mit Erwin Heinks, Betriebsrat bei SIAG. Foto: Privat

Interview mit Erwin Heinks, Betriebsrat bei SIAG

Zu sauberen Energien gehören saubere Rahmenbedingungen

30.06.2011 Ι Früher Schiffe und U-Boote, heute Komponenten für Windenergieanlagen. Diese werden inzwischen bei den früheren Nordseewerken in Emden, heute SIAG hergestellt. Der Betriebsrat ist heilfroh über diese Entwicklung. Wir sprachen mit Erwin Heinks, Vorsitzender des Betriebsrats über die Wende.

Bis 2009 wurden bei den Nordseewerken in Emden ausschließlich Schiffe und U-Boote gebaut. Schon damals suchte der Betriebsrat nach alternativer Produktion, um die Abhängigkeit von dem immer schwieriger werdenden Schiffbaugeschäft zu verringern.

Doch ThyssenKrupp ging auf diese Anregungen nicht ein und verkaufte die Werft 2009 an Schaaf Industrie AG (SIAG), die unter anderem schon seit 2001 Komponenten für Onshore-Windkraftanlagen fertigen. Knapp 700 Beschäftigte von vormals 1450 wurden übernommen. In Zukunft werden hier Komponenten für die Offshore-Industrie produziert: Stahlrohrtürme, Fundamente und Verbindungskomponenten für Windenergieanlagen sowie Umspannplattformen. Damit ist die SIAG Nordseewerke GmbH ein grosser Offshore-Produktionsstandort der zukünftig Komponenten für die Offshore-Industrie liefert.
 
Wir sprachen mit Erwin Heinks, Betriebsratsvorsitzender der früheren Werft und des jetzigen Windenergiekomponentenherstellers SIAG Nordseewerke GmbH. Erwin Heinks, gelernter Schiffbauer, ist gerade 50 geworden und seit 34 Jahren im Unternehmen.
 
Wie habt ihr euch als Betriebsrat zur Werftenkrise verhalten?
Wir haben da nicht zugesehen, sondern schon lange gefordert, auch in das Offshore-Geschäft einzusteigen. Bei ThyssenKrupp war das nicht gewollt, und somit sind wir heute heilfroh, dass SIAG die Werft übernahm und auch investiert hat.
 
Wie ist die momentane Lage?
Wir arbeiten noch Altaufträge ab, daneben fährt die Produktion für Windkraft hoch. Die aktuelle Auftragslage langt für etwa ein Jahr. Wir liegen direkt an der Nordsee, das ist natürlich für die Offshore-Fertigung ein Vorteil.
 
Wie stehst Du zur Energiewende?
Die Atomenergie ist ja, wie man leider jetzt wieder einmal in Japan gesehen hat nicht beherrschbar und zudem ist das Problem der Endlagerung auch nicht gelöst, das ist nicht verantwortbar. Zudem ist es auch ein Unding, das diese Folgekosten nicht in den Preis des Atomstrom einfließen, sondern von uns als Steuerzahlern übernommen werden müssen. Die Neuorientierung in der Energiepolitik ist dringend erforderlich. Die Regierung ist jetzt so weit, wie Rot-Grün schon einmal war. 
 
Was kann Euer Unternehmen dazu beitragen?
Das Ziel ist langfristig in Nord und Ostsee insgesamt über 20 000 Offshore- Windenergieanlagen zu installieren. Es stehen von der Bundesregierung Kredite in Höhe von fünf Milliarde Euro für die Anschubfinanzierung  zur Verfügung. Das ist eine gute Sache. Für uns ist natürlich wichtig, das diese Mittel der Sicherung der einheimischen Arbeitsplätze dienen.

Welche Schwierigkeiten siehst Du?
Einige Betriebe, wie wir, sind tarifgebunden. Einige der neuen Betriebe im Offshore-Markt sind das nicht. Da bestehen nicht die gleichen Wettbewerbsbedingungen. Daran müssen wir gemeinsam mit den Unternehmen und der IG Metall arbeiten. Für die neuen sauberen Energien brauchen wir unbedingt auch saubere Rahmenbedingungen. Dazu gehören Tarifverträge. Es muss auch dringend weiter geforscht werden, um zum Beispiel den Wirkungsgrad zu steigern. Es ist erforderlich, die vorhandenen Netze weiter auszubauen, damit der im Offshore erzeugte Strom auch an das Ziel geleitet werden kann.

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