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Interview: Demokratieforscher Hensel zur AFD; Foto: demokratie-goettingen.de

Interview: Demokratieforscher Hensel zur AfD

Für kleine Leute nichts anzubieten

18.03.2016 Ι Der Göttinger Demokratieforscher Alexander Hensel hat sich vor den drei Landtagswahlen intensiv mit der AfD und ihren Positionen befasst. Im Interview erklärt Hensel, welche Wählerschichten die AfD ansprechen konnte.

Wie erklären Sie sich das politische Hoch der Alternative für Deutschland?
Derzeit vor allem mit der Zuspitzung der Flüchtlingsproblematik. Die AfD besetzt radikale Positionen, die die CDU, vor allem Angela Merkel, nicht abdecken kann und will.


Ihre Wähler sind aber nicht alle ehemalige Anhänger von CDU und CSU.

Bei vergangenen Wahlen kamen sie von allen Parteien, vor allem aber von Union und aus der Gruppe der vorherigen Nichtwähler. Die AfD sammelt von der Politik Enttäuschte. Sie bietet zwar keine Lösungen der Probleme, aber ein Ventil, Protest zu artikulieren.

 

Was lässt sich sonst über die Sympathisanten sagen?

Es sind zu 70 Prozent Männer, meist zwischen 30 und 60 Jahren, mit niedriger oder mittlerer Bildung. Laut Umfragen sind sie besonders verunsichert durch die Flüchtlingskrise und haben extrem wenig Vertrauen in die etablierte Politik. Gerade im Osten inszeniert sich die AfD erfolgreich als Partei der kleinen Leute.

 

Was hat sie den kleinen Leuten anzubieten?

Nicht viel. Sie ist im Kern wirtschaftsliberal. Sie kritisiert zwar den Missbrauch von Leiharbeit, will den Sozialstaat aber nicht ausbauen. Auch spricht sie sich meist gegen den Mindestlohn aus. Statt Ungleichheiten in der Gesellschaft zu bekämpfen, weist sie nur auf Bedrohungen des Volkes von außen hin. 

 

Wodurch sieht die AfD das deutsche Volk denn bedroht?

Durch Einwanderer, vor allem islamisch geprägte, aber auch zum Beispiel durch neue Lebensformen. Die AfD reagiert mit Vorstellungen der Vergangenheit auf den gesellschaftlichen Wandel. Das zeigt sich etwa in der Frauen- und Familienpolitik. Sie wendet sich gegen andere Arten des Zusammenlebens als der Familie aus Vater, Mutter und Kindern, also etwa gegen die Homosexuellen-Ehe. Sie ist für traditionelle Erziehungsmodelle und gegen die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben.

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