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Tarifvertrag zur Transformation bei Faurecia in Scheuerfeld
Faurecia-Beschäftigte erkämpfen Mitbestimmung bei der Transformation

Jahrelang haben Beschäftigte bei Autozulieferer Fauerecia in Scheuerfeld um den Standort gekämpft. Nun sind sie bis 2028 abgesichert. Bei der Einführung digitaler Technik bestimmen sie mit und erhalten dafür Qualifizierung. Das haben die IG Metall-Mitglieder im Betrieb per Tarifvertrag durchgesetzt.


Ihr Werk soll zum modernen digitalen Pilotbetrieb umgebaut werden, voll automatisiert, mit Robotern. Am 1. April geht es los. Der Autozulieferer Faurecia investiert dafür in den nächsten zwei Jahren dafür 1,3 Millionen Euro in seinen Standort im rheinland-pfälzischen Scheuerfeld, wo fast 300 Beschäftigte Instrumententafeln für Mercedes, Opel und Volvo fertigen.

Angst vor der digitalen Transformation brauchen die Beschäftigten nicht zu haben. Ihr Werk ist bis Ende 2028 gesichert. Faurecia garantiert mindestens 190 feste Mitarbeiter und den Erhalt der Ausbildung auf bisherigem Niveau. Wer dennoch entlassen wird, erhält je nach Betriebszughörigkeit eine fünf- bis sechsstellige Abfindung. „Eine Werkschließung würde Faurecia 50 bis 60 Millionen Euro kosten – allein für die Belegschaft“, erklärt der Verhandlungsführer der IG Metall, Uwe Zabel. Das macht eine Schließung zu teuer.


Belegschaft gestaltet digitale Transformation mit

All das ist durch Tarifverträge gesichert. Das haben die mittlerweile zu 100 Prozent in der IG Metall organisierten Beschäftigten durchgesetzt. Die Tarifverträge bei Faurecia in Scheuerfeld gehen dabei deutlich über die Sicherung von Standort und Jobs hinaus. Völlig neu ist ein „Transformationstarifvertrag“, der festschreibt, dass die Beschäftigten die digitale Transformation ihres Werks mitbestimmen und mitgestalten. Der Tarifvertrag tritt am 1. April in Kraft.

Die Steuerung der Transformation übernimmt ein Lenkungskreis, der je zur Hälfte mit Vertretern des Arbeitgebers und der Arbeitnehmer besetzt ist. Der Betriebsrat erhält dafür alle Unterlagen. Die IG Metall-Vertrauensleute beraten den Betriebsrat. Dazu haben sie einmal im Monat ein Meeting während der Arbeitszeit und erhalten spezielle Qualifizierung. Die IG Metall-Mitglieder werden vier Mal im Jahr auf Versammlungen während der Arbeitszeit informiert und beteiligt.


Alle werden qualifiziert

Die Arbeit im künftigen modernen digitalisierten und automatisierten Werk Scheuerfeld wird völlig anders sein. Beispielsweise wird es nur noch selbstfahrende Gabelstapler geben. Dennoch müssen die Staplerfahrer keine Angst haben. Sie werden für die veränderte Arbeit umgeschult. Faurecia bezahlt allen Beschäftigten Qualifizierungen, während der Arbeitszeit, bei vollem Lohn. Arbeitgeber und Betriebsrat erstellen dazu Qualifizierungspläne für jeden Beschäftigten.

Und auch wenn die Arbeit durch die Transformation leichter wird: Niemand darf deswegen in niedrigere Entgeltstufen abgruppiert werden. Auch das Geld ist gesichert.


Jahrelanger Kampf für Standort und Arbeitsplätze

Die Zukunft für die Beschäftigten von Faurecia in Scheuerfeld ist gesichert. Vor sieben Jahren sah die Zukunft noch deutlich düsterer aus: Die französische Konzernspitze wollte das Werk dichtmachen – obwohl der Konzern Milliardengewinne machte. Die Beschäftigten wehrten sich gemeinsam mit der IG Metall, mit Warnstreiks und mehrtägigen Betriebsversammlungen. Als die Montagebänder bei Mercedes wegen fehlender Lieferungen aus Scheuerfeld nach drei Tagen stillstanden, lenkte die Geschäftsführung ein und nahm die Schließung vom Tisch. Durch einen Sozialtarifvertrag, der hohe Abfindungen vorsieht, sicherte die IG Metall Standort und Arbeitsplätze.

 

Belegschaft von Faurecia in Scheuerfeld kämpft für Tarifvertrag (Foto: IG Metall)

Vor drei Jahren erkämpften die Beschäftigten die Verlängerung des Sozialtarifvertrags und Aufträge für das Werk Scheuerfeld bis Ende 2028. Vor zwei Jahren verhinderten sie dann den Verkauf ihres Werks und sicherten dadurch erneut ihren Sozialtarif.„Von den Kolleginnen und Kollegen von Faurecia können andere Belegschaften viel lernen“, betont Uwe Wallbrecher, Erster Bevollmächtigte der zuständigen IG Metall-Geschäftsstelle vor Ort in Betzdorf. „Wenn man zusammenhält, kann man auch nicht geknackt werden, nicht mal von einem Weltkonzern.“


Zukunft dank kämpferischer Belegschaft

Nachdem Schließung und Verkauf gescheitert waren, beschloss die Konzernspitze vor einigen Monaten, Scheuerfeld durch Digitalisierung und Automatisierung profitabler zu machen –verlangte dafür allerdings Zugeständnisse der Belegschaft bei der Arbeitszeit und beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Das wehrte die Belegschaft ab, verteidigte ihren Sozialtarif - und sicherte sich ihre Beteiligung und Mitbestimmung bei der anstehenden Transformation.

„Dieser Erfolg war nur möglich durch die aktive Beteiligung und die Kampfbereitschaft unserer 100 Prozent IG Metall-Mitglieder im Betrieb“, macht Verhandlungsführer Zabel klar. „Wir wussten genau, wenn es darauf ankommt, werden wieder alle voll mitziehen. Wir wissen, wo wir unser Kriegsbeil vergraben haben. Dazu kommen die gute Qualität der Arbeit in Scheuerfeld – und die kurzfristigen Just-in-Time-Lieferbeziehungen. Nach nur drei Tagen Streik bei uns steht bei Daimler das Band.“ 99 Prozent der IG Metall-Mitglieder im Betrieb stimmten für den mit dem Arbeitgeber ausgehandelten Transformationstarifvertrag.

Nun beginnt eine neue Zeit in Scheuerfeld, meint der Betriebsratsvorsitzende Yüksel Öztürk. „Jahrelang haben wir als Betriebsrat und Beschäftigte Ängste um die Arbeitsplätze gehabt. Nun geht die Arbeit des Betriebsrats in eine andere Richtung. Wir gehen an die Mitgestaltung des Werks.“

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