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IG Metall Jugendstudie 2013: Niedrige Einkommen zwingen zu Nebenjobs

IG Metall Jugendstudie 2013: Niedrige Einkommen zwingen zu Nebenjobs

Zweitjobs - Konsumlust oder keine andere Wahl?

27.08.2013 Ι Es sei die "gestiegene Konsumlust", die Millionen Menschen in Zweitjobs dränge. So versuchte jüngst das Arbeitsministerium das wachsende Heer von Nebenjobbern zu beschönigen. Die IG Metall hat jetzt junge Menschen unter 35 gefragt: Ein Drittel von ihnen hat einen oder sogar mehrere Nebenjobs, um über die Runden zu kommen.
Die Bemerkung aus dem Bundesarbeitsministerium über die "Konsumlust" der Nebenjobber löste Wut und Ärger aus. Zu Recht. Fast 2,7 Millionen Menschen in Deutschland stockten bis Ende 2012 ihr Gehalt mit einer zweiten Tätigkeit auf - doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Diese Zunahme von Nebenjobs hat mit gestiegener Konsumlust kaum etwas zu tun, kritisiert die IG Metall. Tatsächlich kommen viele Beschäftigte nur noch mit einem Zweitjjob finanziell über die Runden. Die Interpretation des Arbeitsministeriums zeige, wie weit man dort von der Realität entfernt ist, sagte der Zweite Vorsitzende der IG Metall Detlef Wetzel.

Einkommen reicht immer seltener zum Leben

Eine wesentliche Ursache für die steigende Zahl der Nebenjobber sind zu niedrige Einkommen. Betroffen ist vor allem die jüngere Generation, die U35-Jährigen. Ihre Gehälter reichen heute immer seltener zum Leben. Der Trend weist für diese Generation auf niedrige Löhne unter 2000 Euro brutto. Das ergab die aktuelle TNS-Infratest-Jugendstudie der IG Metall. Dabei wurden rund 1000 Beschäftigte im Alter von 14 bis 35 Jahren nach ihrer Situation und Zukunftserwartung gefragt.

Zwei Drittel der jungen Erwerbstätigen haben ein Bruttoeinkommen unter 2000 Euro. Die Niedriglohngrenze liegt bei cirka 1890 Euro brutto. Solche geringen Einkünfte zwingen geradezu zur Nebentätigkeit. Seit 2010 ist der Anteil der jungen Beschäftigten mit einem Zweitjob kontinuierlich um 45 Prozent gestiegen. Aktuell haben knapp ein Drittel (29 Prozent) von ihnen einen oder sogar mehrere Nebenjobs. Im Jahr 2010 waren es 20 Prozent.

Als Hauptgrund für ihre Nebentätigkeit nannten die jungen Männer und Frauen überwiegend, dass sie schlicht auf das zusätzliche Einkommen angewiesen sind. Erst an vierter Stelle geht es ihnen auch darum, dass der Nebenjob "Spaß macht und Erfüllung bringt".

Finanzielle Zufriedenheit verharrt auf niedrigem Niveau

In ihrer Jugendstudie 2013 hat die IG Metall auch erstmals junge Erwerbstätige danach befragt, ob sie zusätzlich auf staatliche Leistungen angewiesen sind. 16 Prozent der unter 35-Jährigen müssen danach "aufstocken", weil ihr Lohn zum Leben nicht ausreicht. In der Folge ist auch nur eine Minderheit von 44 Prozent mit ihrem Einkommen "zufrieden oder sehr zufrieden". Damit verharrt die finanzielle Zufriedenheit auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau von 2012.

Der Arbeitsmarkt ist tief gespalten, nachdem er drei Jahrzehnte dereguliert, prekäre Beschäftigung massiv ausgeweitet und Arbeitnehmerrechte abgebaut wurden. Deutschland hat inzwischen den größten Niedriglohnsektor in Europa. Wenn das Arbeitsministerium also glaubt, die wachsende Zahl der Nebenjobber läge an deren "gestiegener Konsumlust", dann blendet es diese negative Einkommensentwicklung für einen erheblichen Teil der Erwerbstätigen völlig aus.

Das Leitbild der IG Metall ist gute Arbeit

Jeder muss von seiner Arbeit leben können, die die Gesundheit schützt, sicher ist und die fachlichen und kreativen Fähigkeiten der Menschen fördert. "Die Beschäftigen erwarten von den Parteien eindeutige Positionen", fordert der IG Metall-Vorsitzende Berthold Huber. "Wir werden die Politik daran messen, ob sie den Kurswechsel in Wirtschaft und Gesellschaft mit Investitionsoffensiven, sicheren Arbeitsbedingungen und ökologischem Denken umsetzt."

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