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Gute Arbeit - gut in Rente

Gute Arbeit - gut in Rente

Aussteigen ohne finanzielle Einbußen

15.04.2013 Ι Davon können viele Arbeitnehmer nur träumen: Nach einem ausgefüllten Arbeitsleben gesund den gesicherten Ruhestand genießen. Tatsächlich haben zwar viele ihr Leben lang geschuftet, trotzdem müssen sie später knausern. Die IG Metall fordert gute Bedingungen - in der Arbeitswelt und im Ruhestand.

Fußballprofis gehen schon mit 35 in den Ruhestand. Und dass Dachdecker mit über 60 Jahren ihren Job nicht mehr machen können, dass ist allgemein bekannt. Doch darüber hinaus gibt es viele Jobs, in denen es nicht möglich ist, bis zur Rente zu arbeiten. Das wissen die Praktiker in den Betrieben. In fast allen Branchen gibt es Arbeitsplätze, in denen die Arbeits- und Leistungsbedingungen hart sind. Der Arbeitsdruck ist allgegenwärtig, der Stress steigt, Arbeitszeiten laufen aus dem Ruder und Schicht- und Nachtarbeit nimmt zu. Tatsächlich sind viele Beschäftigte vorzeitig verschlissen. Sie wollen und müssen früher aufhören können, denn den ruhigen Job an der Pforte haben die meisten Firmen outgesourct. Und wer über 60 und arbeitslos ist, der wird nur in seltenen Fällen einen neuen Job finden.


Demografisches Horrorszenario

Rein statistisch gesehen, ist zur Zeit das Verhältnis älterer Menschen zu den Jungen im Hinblick auf das Alterssicherungssystem noch stimmig. In Deutschland leben knapp 82 Millionen Menschen, etwa 44 Millionen davon sind erwerbstätig. Das ist ein Anteil von 54 Prozent. Doch hierzulande kommen immer weniger Kinder zur Welt. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sollen gar im Jahr 2060 jeder Siebte 80 Jahre oder älter sein. Kann man diesen Zahlen denn trauen? Stimmen die annahmen, die diesen Vorausberechnungen zugrunde liegen? Tatsächlich handelt es sich um ein höchst problematisches Szenario.


Blickt man beispielsweise in die Vergangenheit zurück, so stellt man fest, dass bereits in den 50er Jahren vor einer alternden Gesellschaft gewarnt wurde und davor, dass die Rente unbezahlbar und unsicher wird. Die Zahlen damals klangen katastrophal, doch die Katastrophe blieb aus. Der Grund dafür war, dass sich die Produktivität bis heute deutlich erhöht hat. So konnten zusätzliche Belastungen geschultert werden. Zudem sind, solche Vorausberechnungen über lange Zeiträume mit großen Unsicherheiten verbunden. Ob die Geburtenrate die nächsten 40 Jahre auf dem heutigen Niveau bleibt und ob sich die Zahl der Zuwanderer in den nächsten Jahren nicht massiv erhöhen wird, kann nicht seriös vorher gesagt werden. Die Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes werden oftmals von interessierter Seite missbraucht, um Angst zu machen und soziale Einschnitte, wie die Rente mit 67, zu rechtfertigen.


Rente 67 Teil des Problems - nicht der Lösung

Klar ist, in Sachen Rente, muss etwas passieren. Das sagt auch die IG Metall. Doch notwendig sind echte Reformen für eine gute Rente und Möglichkeiten des vorzeitigen Ausstiegs. Die IG Metall lehnt es ab, das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Denn tatsächlichen haben ältere Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen. Knapp vier Prozent der Beschäftigten im Organisationsbereich der IG Metall sind über 60 Jahre alt und nur knapp ein Prozent ist älter als 63. Das zeigt, allein mit Gesetzen ist das Problem nicht zu lösen. Tatsächlich ist die Rente mit 67 realitätsfern. Denn die Arbeits- und Leistungsbedingungen in den meisten Betrieben der Metall- und Elektroindustrie sind hart. Sie lassen ein Arbeiten bis zum gesetzlichen Rentenalter nur in Ausnahmefällen zu.

Unternehmen und Politik sind realitätsfern und haben die falsche Strategie. So hat die Regierung kürzlich den Rentenbeitragssatz trotz Widerstand der Gewerkschaften gesenkt. Dabei hätten die Reserven in der Rentenkasse gut als Rücklage für die kommenden Jahren genutzt werden können. Und das hätte auch bedeutet: Das Renteneintrittsalter hätte nicht erhöht werden müssen.

Obwohl viele Menschen ihr Leben lang gearbeitet haben, fürchten sie im Alter arm zu sein und ihren Lebensstandard nicht mehr halten zu können. Das ist verständlich. Deswegen muss die gesetzliche Rente wieder einen deutlich höheren Beitrag zur Lebensstandardsicherung leisten und an die allgemeine Einkommensentwicklung gekoppelt werden. Dazu sind Veränderungen in der Rentenformel und Maßnahmen zur Armutsvermeidung im Alter notwendig, beispielsweise durch die Aufwertung niedriger Beiträge und bessere Leistungen für Arbeitslose. Wenn die staatlichen Sicherungssysteme richtig funktionieren, müssten die Menschen auch nicht zusätzlich noch privat vorsorgen.


Wie es besser geht

Die IG Metall fordert mehr alternsgerechte Arbeitsplätze in den Betrieben und neue Möglichkeiten für einen flexiblen Altersausstieg. Nur so kann verhindert werden, dass der demografische Wandel zur unzumutbaren sozialen und gesundheitlichen Belastung für die Beschäftigten wird. Die IG Metall fordert flexible Ausstiegsmodelle für ältere Beschäftigte und mehr alternsgerechte Arbeitsplätze. Die Eckpunkte für den flexiblen Ausstieg lauten:

  • Abschlagsfreier Ausstieg nach 45 Versicherungsjahren unabhängig vom Lebensalter
  • Abschlagsfreie Rente ab einem Lebensalter von 60 Jahren nach 40 geleisteten Versicherungsjahren
  • Eine neue öffentlich geförderte Altersteilzeit
  • Erleichterter Rentenzugang für Erwerbsgeminderte Streichung der Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente
  • Abschlagsfreier Rentenzugang für die Menschen ab 65.

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