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Fachkräftegipfel: IG Metall zur Arbeitgeberstrategie

Potenzial der jungen Generation nutzen

22.06.2011 Ι Droht den deutschen Unternehmen tatsächlich ein Fachkräftemangel? Regierung, Gewerkschaften und Wirtschaft sind sich einig, dass Maßnahmen zur Sicherung der Fachkräftebasis nötig sind. Wie genau die aussehen sollen, ist noch weitgehend offen. Von der Panikmache der Arbeitgeber hält die IG Metall jedoch wenig.

Auszubildende werden nach der Ausbildung nicht übernommen. Junge Menschen landen in der Leiharbeit. Gleichzeitig warnen Wirtschaftsverbände vor einem dramatischen Fachkräftemangel. Heute haben sich in Meseberg Vertreter der Bundesregierung mit den Spitzen aus Wirtschaft und Gewerkschaften getroffen, um darüber zu diskutieren. Wirtschaftsvertreter fordern, den Zugang von ausländischen Fachkräften zum deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Viele Unternehmen haben jahrelang den Druck auf die Arbeitnehmer und die Löhne erhöht. Bei der Personalentwicklung haben sie gespart. Nun steigt im Aufschwung der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Hans-Jürgen Urban, IG Metall Vorstandsmitglied erklärt: "Ich sehe gezielten Missbrauch von Seiten der Arbeitgeber". Er forderte die Unternehmen auf, zuerst die inländischen Potentiale zu nutzen und mehr Geld in die Personalentwicklung zu investieren.

Die Firmen reduzieren einerseits ihre Ausbildungsanstrengungen und jammern andererseits über Fachkräftemangel. Das passt nicht zusammen. Ausbildungsplätze und Übernahmegarantien für Auszubildende könnten bereits helfen, den Bedarf zu decken. Tatsache ist: Das Ausbildungsplatzangebot sinkt. Zudem werden viele junge Menschen, die eine Ausbildung absolvieren, nicht auf einen unbefristeten Arbeitsplatz übernommen. Häufig landen sie in der Leiharbeit. Statt Stammbeschäftigte durch Leiharbeiter zu ersetzen, sollten die Firmen eher die Fachkräfte im eigenen Betrieb halten.


Ungeachtet dessen hat das Bundeskabinett heute beschlossen, dass zukünftig Ärzte und Ingenieure aus Nicht-EU-Staaten ohne Sondergenehmigung in Deutschland arbeiten können. Zudem soll die Vorrangprüfung der Bundesagentur für Arbeit ausgesetzt werden. Das bedeutet, die jährliche Verdienstschwelle für Fachkräfte aus dem Ausland sinkt auf 40 000 Euro. Bisher können deutsche Unternehmen Arbeitskräfte aus dem Ausland nur dann anwerben, wenn sie mehr als 66 000 Euro im Jahr verdienen.

Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt stützt die These vom Fachkräftemangel indes nicht. Gerade bei den technisch-naturwissenschaftlichen Berufen zeigt sich ein ganz anderes Bild. So ist nach den Angaben der Bundesagentur für Arbeit die Zahl der arbeitslosen Fachkräfte höher als die der offenen Stellen. Urban fordert auch von der Bundesregierung ein grundsätzliches Umdenken: "Die Politik muss Abschied nehmen vom Kurs der Deregulierung und Senkung der Lohnkosten". Stattdessen müsse sie etwa durch Mindestlöhne und die Gleichbezahlung von Leih- und Stammarbeitern die Standards im Arbeitsmarkt wieder erhöhen.

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