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Bundestagswahl 2013: Flexible und faire Altersübergänge

Bundestagswahl 2013: Flexible und faire Altersübergänge

Mehrheit fordert flexiblen Ausstieg aus dem Erbwerbsleben

05.09.2013 Ι Selbst entscheiden, wann das Berufsleben enden soll - das wünschen sich viele. Obwohl ein großer Teil der Beschäftigten schon jetzt nicht bis zum regulären Rentenalter arbeitet, halten die meisten Parteien an der einheitlichen und starren Altersgrenze fest. Die IG Metall fordert flexible und faire Altersübergänge.

Schon jetzt erreichen nur wenige Frauen und Männer das reguläre Renteneintrittsalter von 65 Jahren. Mit dem Gesetz zur Rente mit 67 ist das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben weiter nach hinten gerückt, ohne dass sich in den Betrieben etwas verändert hat. Ein Großteil der Unternehmen hat sich bislang nicht auf ältere Belegschaften eingestellt. Über alle Branchen hinweg waren 2012 rund zwei Drittel der Menschen über 60 Jahren nicht mehr erwerbstätig.


Im Organisationsbereich der IG Metall ist die Situation noch dramatischer. Hier sind nur 3,8 Prozent der Beschäftigten älter als 60 Jahre. Gerade mal ein Prozent ist über 63 Jahre alt.  Aber auch viele jüngere Beschäftigte können sich nicht vorstellen bis zum 67. Lebensjahr ihren Job zu machen - auch wenn sie gerne länger arbeiten würden die betriebliche Realität lässt das kaum zu. Die Arbeits- und Leistungsbedingungen in den Unternehmen sind hart. Stress, Arbeitsdruck, überlange Arbeitszeiten, ständige Erreichbarkeit und Schichtarbeit nehmen zu. Alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze sind in den Betrieben eher eine Ausnahme. Dabei würden nicht nur die Älteren von solchen Bedingungen profitieren, auch jüngere Beschäftigte würden vor vorzeitigem Verschleiß bewahrt werden. Wer früher ausscheidet, muss sich mit einer geringen Rente begnügen. So lag 2009 das durchschnittliche Rentenniveau bei 767 Euro. Neurentner bekamen im Schnitt 686 Euro.


Was erwarten die Beschäftigten?

Die Ergebnisse der großen Beschäftigungsbefragung der IG Metall im Frühjahr 2013 waren eindeutig: 91 Prozent der Beschäftigten wollen, dass die Rente mit 67 zurückgenommen wird. Fast genauso viele - 89 Prozent sind gegen eine Absenkung des Rentenniveaus und 98 Prozent fordern, nach langer Erwerbstätigkeit abschlagsfrei in Rente gehen zu können.


Die Arbeitnehmer erwarten faire Leistungen in der Rente. Voraussetzung dafür ist ein starker und handlungsfähiger Sozialstaat. Damit diejenigen, die nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter durchhalten, nicht befürchten müssen, im Alter arm zu werden. Zur Zeit müssen Beschäftigte, die vorzeitig ausscheiden, mit hohen Abschlägen und einer geringeren Rente rechnen. Zu Recht erwarten die Menschen, dass die Politik flexible Ausstiegsmöglichkeiten statt der Einheitsrente schafft.


Was fordert die IG Metall?

Die IG Metall fordert flexible Altersübergänge und ein stabiles Rentenniveau. Nach 45 Versicherungsjahren müssen Arbeitnehmer abschlagsfrei ausscheiden können. Die Gewerkschaft kennt den Arbeitsmarkt und die Wirklichkeit in den Betrieben. Daher ist sie gegen eine Einheitsgrenze für alle. Die Menschen und Arbeitsbedingungen sind viel zu unterschiedlich für eine starre Lösung. Daher sind auch unterschiedliche Optionen im Rentenrecht notwendig. Nicht für alle ist jede Option geeignet, aber für alle muss etwas dabei sein. Das darf jedoch nicht mit Entgeltverlusten verbunden sein.


Damit die Beschäftigten länger im Arbeitsleben stehen können, fordert die IG Metall alterns-und altersgerechte Arbeitsplätze. Sie fordert, dass dafür die Politik die Unternehmen in die Pflicht nehmen muss. Zudem fordert die IG Metall ein stabiles und sicheres Rentenniveau. Das heutige Niveau von 18,9 Prozent muss wieder auf das Niveau des Jahres 2000 angehoben werden.


Was versprechen die Parteien?

Wie wollen die im Bundestag vertretenen Parteien auf die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt und die Erwartungen der Menschen reagieren? Das versprechen sie in ihren Wahlprogrammen:


Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

Die SPD hält an der Rente mit 67 fest. Doch sie fordert passgenaue und finanziell abgefederte Übergänge. Auch soll das Gesetz nur umgesetzt werden, wenn mindestens die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Zudem soll es Arbeitnehmern nach 45 Versicherungsjahren möglich sein, abschlagsfrei Rente zu beziehen. Die Partei will alternsgerechtes Arbeiten garantieren und fordert, dass die Investitionen in Ausbildung und Qualifizierung deutlich steigen.

Das Rentenniveau soll bis 2020 stabil bleiben. Bis zu diesem Jahr sollen auch die Renten in Ostdeutschland schrittweise angeglichen werden. Nach 2020 soll eine Neubewertung erfolgen. Zudem wollen die Sozialdemokraten eine steuerfinanzierte Solidarrente von mindestens 850 Euro einführen.

 

Christlich Demokratische Union (CDU) / Christlich-Soziale Union (CSU)

An der Rente mit 67 rütteln die Unionsparteien CDU und CSU nicht. Sie bekennen sich in ihrem Wahlprogramm dazu. Alterssicherung besteht für die Partei aus einem Drei-Säulen-Modell. Wer im Alter über die Runden kommen will, muss demnach neben der gesetzlichen Rente noch betrieblich oder privat vorsorgen. Wenn dann die Altersbezüge nicht reichen, sollen auch Rentner bei vorgezogener Altersrente hinzuverdienen können. Damit geringverdienende Rentner auf einen Rentenanspruch von 850 Euro kommen, wird ein Zuschuss versprochen, der im Wahlprogramm jedoch nicht konkretisiert wird. Voraussetzung ist, dass die Frauen und Männer 40 Jahre lang versichert waren und zusätzlich privat vorgesorgt haben. Die Unionsparteien wollen außerdem die Erziehungstätigkeiten für Kinder, die vor 1992 geboren sind, besser vergüten.

 

Bündnis 90/Die Grünen

Auch die Grünen bleiben bei der Rente 67. Doch die Partei will bessere Bedingungen schaffen: Altersgerechte Arbeitsplätze, eine bessere betriebliche Gesundheitsförderung und individuelle Übergangslösungen. Für diese Bedingungen soll die Politik den gesetzlichen Rahmen schaffen. Um Altersarmut zu vermeiden, soll eine Garantierente von mindestens 850 Euro eingeführt werden. Mit einem eigenständigen Rentensplitting sollen Frauen besser abgesichert werden.


Die Linke

Die Linke will als einzige Partei die Rente mit 67 abschaffen. Jeder soll mit 65 Jahren wieder abschlagsfrei in Rente gehen können. Außerdem will die Partei die Möglichkeit schaffen, die in Riester-Renten-Verträgen erworbenen Ansprüche auf die gesetzliche Rente zu übertragen. Die Linke will das Rentenniveau auf 53 Prozent erhöhen. Um Altersarmut vorzubeugen soll eine "Solidarische Mindestrente" in Höhe von 1050 Euro eingeführt werden.

 

Freie Demokratische Partei (FDP)

Wie die Unionsparteien bekennt sich auch die FDP zur Rente mit 67. Sie plädiert jedoch für flexible Lösungen ab dem 60. Lebensjahr. Die Partei tritt zudem dafür ein, dass die gesetzliche Rentenversicherung stärker durch private und betriebliche Vorsorge ergänzt wird. Zudem enthält das Wahlprogramm ein klares Bekenntnis zur Absenkung des Rentenversicherungsbeitrages. Der Rentenversicherungsbeitrag war am 1. Januar 2013 auf 18,9 Prozent gesenkt worden.

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