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Niveau Fensterbau schikaniert Betriebsratsvorsitzenden

Niveau Fensterbau schikaniert Betriebsratsvorsitzenden

Betriebsrat Rudolf Menges lässt sich nicht verjagen

01.07.2015 Ι Drei Kündigungen und eine Strafanzeige hat Betriebsrat Rudolf Menges am Hals. Sein Arbeitgeber, Niveau Fensterbau in Westerburg, will ihn loswerden. Weil er nicht länger zulassen will, dass die Beschäftigten in 50-Stunden-Wochen ohne Zuschlag und am Wochenende verheizt werden. Doch Menges lässt sich nicht unterkriegen
Niveau Fensterbau in Westerburg im Westerwald will seinen Betriebsratsvorsitzenden Rudolf Menges aus dem Betrieb herausdrängen - so wie schon fünf Betriebsräte vor ihm. Seit Wochen hagelt es Kündigungen und nun auch noch eine Strafanzeige wegen angeblicher Falschaussage. Mit von der Partie: Rechtsanwälte, die auf die Jagd von Betriebsräten spezialisiert sind.

Der Chef will Menges loswerden, weil er den Mund aufmacht und nicht länger dulden will, dass seine Kollegen verheizt werden. Oft sind Arbeitszeiten von über 50 Stunden in der Woche angesagt - ohne Zuschläge. Auch samstags müssen die Beschäftigten ran. Und der Urlaub wird kurzfristig gesperrt, auch wenn der Flug schon gebucht und eingecheckt ist. Die Löhne liegen 25 bis 30 Prozent unter Tarif. Wer dagegen muckt, wird gekündigt.

Das wollte sich Tischler Rudolf Menges nicht mehr länger anschauen. Das wollte sich Rudolf Menges nicht mehr länger anschauen. Trotz aller Schikanen ließ er sich vor einem Jahr zum Betriebsratsvorsitzenden wählen - und machte den Mund auf.

Drei Kündigungen in drei Monaten

Das passte dem Chef nicht. Die erste Kündigung kam vor drei Monaten. Angeblich soll Menges die Lebenspartnerin des Chefs beleidigt haben. Das will der Chef zufällig am Telefon mitgehört haben, als Menges zufällig aus Versehen auf die Anruftaste gekommen war, während er über die Frau - zufällig Geschäftsführerin einer im Betrieb tätigen Leihfirma - gelästert haben soll. Dann kam die zweite und vor kurzem die dritte Kündigung. Und dann vor ein paar Tagen die Strafanzeige wegen angeblicher Falschaussage: Rudolf Menges hatte vor dem Arbeitsgericht zur Urlaubssperre ausgesagt, die es laut Geschäftsführung nie gegeben habe.

Seit der Juniorchef vor wenigen Jahren das Unternehmen von seinem Vater übernommen hatte, weht hier ein eisiger Wind. Rudolf Menges, 57, hat gewusst, was auf ihn zukommt, als er vor einigen Jahren von seinen 150 Kollegen in den Betriebsrat gewählt wurde. "Die Leute kamen ja ohnehin schon zu mir, weil ich seit vielen Jahren in der Gewerkschaft aktiv bin und mich auskenne."

Menges ist nun schon seit 43 Jahren hier, hat den Betrieb mit aufgebaut. Er will sich nicht unterkriegen lassen. Seine IG Metall vor Ort in Betzdorf unterstützt ihn. Am 16. Juli geht es zum Arbeitsgericht nach Hachenburg.

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Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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