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Anerkennung für Eltern- und Pflegezeiten. Foto: Panthermedia

Anerkennung für Eltern- und Pflegezeiten

Karriere dank Elternzeit

30.09.2013 Ι Seit Jahren kämpfen meist Frauen dagegen an, dass ihnen Auszeiten für Familie im Lebenslauf als Mangel ausgelegt werden. Beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen können sie damit jetzt sogar punkten.

Wer zum ersten Mal von der Geschichte hört, fasst sich unwillkürlich ans Ohr und fragt ungläubig: "Wie bitte? Karrierepunkte für Elternzeit? So was gibt es doch gar nicht." Doch: beimAutomobilzulieferer ZF in Friedrichshafen. Seit diesem Jahr können sich Beschäftigte hier für Höheres qualifizieren, wenn sie Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder sich gesellschaftlich engagieren.

Beruflicher Aufstieg läuft bei ZF über sogenannte Karrierebausteine. Sie gibt es etwa, wenn Beschäftigte Führungserfahrung sammeln oder ein Projekt leiten. Für bestimmte Hierarchieebenen müssen sie eine bestimmte Zahl an Bausteinen vorweisen. Neu ist: Für ein Jahr gesellschaftliches Engagement, Eltern- oder Pflegezeit vergibt der Arbeitgeber jeweils einen Karrierebaustein. Beschäftigte können sie wie einen Joker nutzen und statt anderer fehlender Bausteine einsetzen.  

 

Chance, die Entgeltlücke zu verkleinern

Sabine Pfleghar, Betriebsrätin bei ZF, findet die Idee gut. Da macht es nichts, dass erst der Mangel das Unternehmen zu der Entscheidung bewegte. "Einerseits ist ZF mit seiner Lage am Bodensee ein attraktiver Arbeitgeber", sagt die Betriebsrätin. "Andererseits wird es immer schwieriger, Fachkräfte zu kriegen, wenn man ihnen keine Vereinbarkeit bietet." Noch steckt das System in den Anfängen, aber Sabine Pfleghar sieht es als Chance, die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern zu verkleinern.

"Elternzeit war nun einmal für Frauen ein Karriereknick, und mit dem Knick wuchs die Entgeltlücke." Die Karrierepunkte werten unbezahlte Arbeit auf, die viele Menschen tagtäglich leisten. Karriere dank Elternzeit - das lässt auch Papamonate in einem neuen Licht erscheinen.

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Eine Frage des Geldes

Wenn Frauen wegen Kindererziehung beruflich aussetzen, sinken ihre Einkommen.

  1. Je länger Frauen aussteigen, desto größer sind die Einbußen und desto schwieriger wird der Wiedereinstieg.
  2. Nach einjähriger Unterbrechung erreichen Frauen nur noch 95 Prozent des Entgeltniveaus vergleichbarer Kolleginnen ohne Unterbrechung.
  3. Nach längeren Auszeiten sinken die Chancen, auf eine gleichwertige Stelle zurückzukehren. Kehren Frauen innerhalb von 5 Jahren zurück, liegen sie bei 50 Prozent. Später bei 16 Prozent.
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