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Aktionstage beim Windkraftanlagenbauer REpower/PowerBlades

Aktionstage beim Windkraftanlagenbauer REpower/PowerBlades

REpower-Beschäftigte wollen Tarifvertrag

16.05.2012 Ι "Wann wenn nicht jetzt". Unter diesem Motto stehen die Aktionstage an mehreren Standorten des Windanlagenbauers REpower/PowerBlades. Die Beschäftigten wollen endlich gerechte und transparente Löhne. In den letzten zwei Jahren ist der Großteil der Belegschaft in die IG Metall eingetreten. Über 100 sind als Vertrauensleute aktiv. Nun haben sie eine Tarifkommission gewählt, die mit dem Arbeitgeber verhandeln soll.

Mehrere hundert Beschäftigte des Windkraftanlagenbauers REpower/PowerBlades haben bei Aktionstagen in Bremerhaven, Husum und Osterrönfeld klargemacht: Wir wollen einen Tarifvertrag. Die REpower-Beschäftigten an den brandenburgischen Standorten in Trampe und Eberswalde wollen Ende Mai mit zwei Aktionstagen nachziehen. Ihre Ziele: Endlich transparente, gerechte und nachvollziehbare Eingruppierungen statt Löhne nach "Nasenfaktor" - zudem eine faire Regelung der Leiharbeit und die unbefristete Übernahme der Azubis.


REpower/PowerBlades ist bislang ohne Tarifbindung. In den letzten beiden Jahren haben sich die Beschäftigten organisiert, unterstützt von einem Organizing-Team der IG Metall. Mittlerweile sind Hunderte in die IG Metall eingetreten. Seit Anfang 2011 hat sich der IG Metall-Anteil verdreifacht. Und ein Großteil von ihnen arbeitet aktiv mit. Im Herbst letzten Jahres haben sie über hundert IG Metall-Vertrauensleute gewählt - und in den letzten Wochen eine Tarifkommission, die im Juni Tarif-Verhandlungen mit dem Arbeitgeber aufnehmen soll.


Neues Entgeltsystem des Arbeitgebers ging in die Hose

Der Arbeitgeber hatte in den letzten Monaten versucht, der Tarifbewegung mit einem neuen betrieblichen Entgeltsystem den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein Reinfall: Eingruppierung von oben, weit weg von den Arbeitsplätzen, meist ohne Stellenbeschreibung und dann auch noch oft falsch eingruppiert.


"Beschäftigte, die genau die gleiche Arbeit machen, wurden in drei verschiedenen Entgeltgruppen einsortiert, teilweise mit mehreren hundert Euro Unterschied", erklärt Jonas Berhe, der das IG Metall-REpower-Team koordiniert. "Viele fragen sich: Wer hat das entschieden? Und wie? Und die Mehrheit hat eingesehen: transparente und gerechte Löhne bekommen wir nur mit einem Tarifvertrag." 

 

Aktionstag bei REPower/PowerBlades in Bremerhaven


Stimmung für gerechte Eingruppierungen

Bei der REpower-Maschinengehäusefertigung in Bremerhaven und bei der benachbarten Rotorenfertigung PowerBlades waren letzte Woche trotz schlechtem Wetter über 200 Beschäftigte draußen am Grill der IG Metall. "Seid Ihr dabei?", fragte der REpower-Betriebsratsvorsitzende Rainer Könemann. "Wollt Ihr einen Tarifvertrag?". Die große Mehrheit sagt "ja". Großes Thema auch hier: die ungerechte Bezahlung.


"Die Bewegung ist hier richtig in Schwung gekommen", erklärt IG Metall-Sekretär Manuel Schmidt. "Die Vertrauensleute treiben das mittlerweile eigenständig voran und haben auch die Aktionstage hier selbst aus dem Boden gestampft. Die Stimmung ist grandios." Allein an den beiden Aktionstagen sind in Bremerhaven 33 Beschäftigte neu in die IG Metall eingetreten. In Husum, wo neben der Produktion auch der größte der 14 bundesweisten Service-Stützpunkte angesiedelt ist, hat der Arbeitgeber in letzter Minute das Grillen am Freitag nach Feierabend auf dem Betriebsgelände untersagt. "Ohne Begründung. Und obwohl die Beschäftigten hier schon im letzten Jahr gegrillt haben", betont IG Metall-Organizer Michael Lichel.


Trotzdem zogen die Vertrauensleute durch die Büros und sammelten mit einer Wahlurne Abstimmungs-Karten ein. Weit über 80 Prozent stimmten für einen Tarifvertrag. Auch im Angestelltenbereich, wo der Anteil der IG Metall-Mitglieder seit Jahresbeginn sprunghaft auf 40 Prozent gestiegen ist. Auch hier gab die verpatzte Eingruppierung des Arbeitgebers den entscheidenden Anstoß.


In der Produktion liegt der IG Metall-Anteil mittlerweile bei 60, im Inbetriebnahme-Bereich, der die REpower-Anlagen weltweit zum Laufen bringt, gar bei 75 Prozent.

Bei den Monteuren im Service-Bereich, die bundesweit Anlagen warten, sind sogar 80 Prozent Mitglied der IG Metall. Ihr Top-Thema ist die Regelung der Rufbereitschaft:;zu wenig Geld, mit vielen Lücken in der bisherigen betrieblichen Vereinbarung. Auch das will die IG Metall jetzt in einem Tarifvertrag regeln, erklärt Michael Lichel. "Das hat auch die letzten Kritiker bei den Monteuren überzeugt."


Am Dienstag war schließlich der Forschungs- und Entwicklungsstandort Osterrönfeld mit dem benachbarten Büdelsdorf im östlichen Schleswig-Holstein mit seinem Aktionstag an der Reihe. Von den 700 größtenteils Ingenieuren hier sind immerhin über hundert Mitglied der IG Metall geworden, 50 allein seit Jahresbeginn. Auch hier hat die Eingruppierung nach dem Arbeitgeber-System überhaupt nicht funktioniert. Nach dem Grillen am benachbarten Kanal-Café folgte ein Experten-Vortrag zu den Unterschieden zwischen betrieblicher und tariflicher Eingrupperung. Die Beschäftigten hatten die Möglichkeit, sich selbst virtuell nach dem IG Metall-Era-Tarifvertrag einzugruppieren.


Insgesamt zeigten die Aktionstage ein klares Votum für einen Tarifvertrag bei REpower/PowerBlades. "Unsere neue Tarifkommission wird den Arbeitgeber noch vor der Sommerpause zu Verhandlungen auffordern", macht Stephanie Schmoliner, Tarifsekretärin des IG Metall-Bezirks Küste klar. "Und es wird weitere Versammlungen und Aktionen geben."

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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