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10 Jahre Pforzheimer Abkommen. Foto: panthermedia

10 Jahre Pforzheimer Abkommen

Wie ein Abkommen Beschäftigung sichert

26.02.2014 Ι "Dieser Tarifvertrag war auch eine Antwort auf die zunehmend unterschiedlichen ökonomischen Entwicklungen", sagt IG Metall-Vorsitzender Detlef Wetzel. Die Rede ist von "Pforzheim". Denn dort vereinbarten vor zehn Jahren IG Metall und Arbeitgeber das sogenannte "Pforzheimer Abkommen", das befristet Tarifabweichungen zulässt, um Beschäftigung zu sichern.
Am 12. Februar 2004 unterschrieben in Pforzheim die Tarifpartner für die Metall- und Elektrobranche eine "Vereinbarung zur Sicherung von Arbeitsplätzen, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit". Wer von "Pforzheim" spricht, redet über diesen Tarifvertrag. Heute ist die Vereinbarung Teil des Tarifvertrags zur Beschäftigungssicherung (TV BeSch).

Eine befristete Ausnahme mit klaren Kriterien

Was machte das "Pforzheimer Abkommen" so wegweisend? Das Abkommen erlaubt Unternehmen, von Tarifverträgen befristet abzuweichen, wenn sie dadurch Arbeitsplätze sichern oder neue schaffen. Der Flächentarifvertrag bleibt jedoch der Standard, die Abweichung ist die Ausnahme.

"Die Pforzheimer Tarifvereinbarung war ein Musterbeispiel für gelungene interne Flexibilisierung", erklärt Detlef Wetzel. Und nennt zwei maßgebliche Dinge: "Die Belegschaft macht ohne konkrete Aussichten auf Wachstum und Investitionen keinerlei Einschränkungen mit. Und an der Entscheidung werden die Mitglieder beteiligt. Nur mit deren ausdrücklicher Zustimmung gibt es Abweichungen", sagt Wetzel.

Wie funktioniert das in der Praxis? Nachdem die Tarifpartner gemeinsam mit Betriebsrat und Geschäftsleitung die wirtschaftliche Lage geprüft haben, können sie für den jeweiligen Betrieb beschließen, dass er befristet von tariflichen Mindeststandards abweichen kann. Zum Beispiel: Weihnachts- oder Urlaubsgeld kürzen, Arbeitszeit senken oder erhöhen - mit oder ohne Lohnausgleich.

Nur mit den Beschäftigten und Mitgliedern

Solche Abweichungen können nur die Tarifpartner beschließen. Für die Unternehmensseite verhandelt ein Vertreter des regionalen Arbeitgeberverbandes. Und für die IG Metall ist das in der Regel die zuständige Verwaltungsstelle, die sie mit den Verhandlungen beauftragt. Wichtig dabei ist: Die IG Metall-Mitglieder in dem jeweiligen Betrieb sind von vorherein beteiligt.

Für solche abweichenden Verhandlungen hat die IG Metall klare Kriterien formuliert. Die Arbeitnehmervertreter müssen umfassende Informationen zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens erhalten und der Arbeitgeber muss nachweisen, dass die Abweichung notwendig ist. Es reicht nicht, wenn er bloß behauptet, Beschäftigung sichern zu wollen. Der abweichende Vertrag muss eindeutig definierte Gegenleistungen enthalten, die die Beschäftigten einklagen können. Dabei geht es um verbindliche Standortgarantien oder Investitionszusagen. Und die Abweichungen dürfen nur zeitlich befristet gelten.

Das "Ziel ist immer ein Gesamtpaket unter Beteiligung der Beschäftigten, an deren Ende die Gesundung des Unternehmens und die Orientierung am allgemeinen Tarifstandard steht", betont Detlef Wetzel.

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Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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