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Windenergieanlagenbau: Für faire Arbeitsbedingungen

Nicht nur sauber - auch fair

14.06.2011 Ι Die Windkraft gilt als eine der saubersten Energiequellen überhaupt. Ausgerechnet in dieser Branche lassen jedoch die Arbeitsbedingungen so einiges zu wünschen übrig: Niedrige Entgelte, eine hohe Arbeitsbelastung und Überstunden sind an der Tagesordnung.

Aus dem einstigen Nischen-Markt Erneuerbare Energien ist längst ein Job-Motor geworden. Gerade die Windenergiebranche leistet für den ökologischen Umbau der Industriegesellschaft einen wichtigen Beitrag. Sie gilt als besonders luft- und klimaschonend, eben als die saubere Branche überhaupt. Und Wind gibt es fast überall, auch in rohstoffarmen Gebieten. Wind erzeugt keine Umweltschäden wie die Kernkraft. Er trägt nicht zur Klimaerwärmung bei, denn es entstehen keine Gift- und Schadstoffe, wie Schwefeldioxid, Stickoxide oder direkte Kohlendioxidemissionen. Doch als zuständige Gewerkschaft schaut die IG Metall auch auf die Arbeitsbedingungen der dort Beschäftigten. Und die sind alles andere als sauber.


Zu wenige Ausbildungsplätze
Derzeit arbeiten in den Unternehmen der Windenergie etwa 100 000 Beschäftigte. Experten erwarten, dass bis 2030 die Zahl der Jobs auf über 370 000 steigen wird. Bereits jetzt klagen die Unternehmen über einen Mangel an Fachkräften. Trotzdem wird die berufliche Weiterbildung vernachlässigt. Zudem werden immer noch zu wenige junge Menschen ausgebildet. 

Doch der Nachwuchsmangel ist nur eines der Probleme in der Branche. Auch die Arbeitsbedingungen lassen einiges zu wünschen übrig. Häufig liegt die Bezahlung unterhalb vergleichbarer Tarifverträge. Die meisten Unternehmen der Branche sind nicht tarifgebunden. Die Arbeitsplatzsicherheit ist aufgrund des hohen Anteils an befristeten Stellen und Leiharbeitern gering. Gerade der Fachkräftemangel führt bei den Beschäftigten zu einer hohen Arbeitsbelastung. Viele Überstunden und eine hohe Arbeitsintensität sind an der Tagesordnung. So können die Beschäftigten ihre Arbeit, ihr Familienleben und ihre Freizeit nur schwer in Einklang bringen.

Sicherheitsstandards werden vernachlässigt

Auch die Sicherheitsstandards werden nicht immer eingehalten. Gerade an die Montage- und Servicearbeiter werden höchste Anforderungen gestellt. Sie müssen beinahe permanent mobil sein. Ein großes Problem sind hier die Gesundheitsgefahren: Oft muss in hohen Höhen und bei widrigen Wetterbedingungen montiert werden. Im Offshore-Segment kommen zu den hohen physischen Anforderungen noch die Unfallgefahren durch Wellengang und Stürme auf hoher See hinzu. In der Fertigung von Rotorblättern müssen die Beschäftigten mit vielen hochgiftigen Stoffen wie Lacken und Kunstharzen hantieren. Ein intensiver vorbeugender Gesundheitsschutz ist hier dringend notwendig. Leider ist er noch längst nicht in allen Unternehmen selbstverständlich.


Was faire und saubere Arbeitsbedingungen sind
Die Windkraftindustrie hat sich eher urwüchsig entwickelt. Sie ist bisher stark von einzelnen Unternehmern geprägt. Das macht es für die IG Metall und die Arbeitnehmer schwer, sich gut und schnell zu organisieren. Es gibt keinen flächendeckenden Tarifvertrag. Inzwischen gibt es zwar bei fast allen Herstellern Betriebsräte, doch Tarifverträge wurden erst mit wenigen Unternehmen geschlossen. Das wäre nur ein erster Schritt. Aber er reicht nicht. Die IG Metall setzt sich für faire und saubere Arbeitsbedingungen in der Windenergie ein. Dazu gehören die folgenden Aspekte:

  • Arbeits- und Leistungsbedingungen müssen tariflich reguliert werden
  • Die Wahl von Betriebsräten und die Sicherstellung der Mitbestimmung
  • Arbeitszeiten und -regelungen müssen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen
  • die Arbeitsbedingungen dürfen nicht gesundheitsschädlich sein
  • Aus- und Weiterbildungsprogramme, die den Beschäftigten berufliche Perspektiven eröffnen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern.

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