Tarifrunde Metall und Elektro 2021
Kampf um Angleichungsgeld Ost geht mit viel Unterstützung weiter

Volle Unterstützung für das tarifliche Angleichungsgeld im Osten: Viele Prominente solidarisieren sich in Videos für die Ost-Angleichung. Der Regierende Berliner Oberbürgermeister nimmt an einer Kundgebung teil. Auch die 5. Verhandlungsrunde ist am Dienstag ergebnislos beendet worden.


„Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ steht auf einem großen Banner auf der Berliner Oberbaumbrücke geschrieben – so, dass es die Passanten an der Spree von weitem lesen können. Auf der Brücke in Berlin versammeln sich am Montag 300 Metallerinnen und Metaller mit Abstand und Maske, um für das tarifliche Angleichungsgeld in Berlin, Brandenburg und Sachsen auch in der dritten Woche der ganztägigen Warnstreiks weiter zu kämpfen. Volle Unterstützung erhalten sie von Berlins Regierenden Bürgermeister, Michael Müller.

„Von Berlin muss ein Signal ausgehen. Wir sind eins, in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt“, ruft Michael Müller den Beschäftigten zu, die sich zur Kundgebung an der Oberbaumbrücke in Berlin versammeln. Müller versichert den Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie seine Unterstützung für die Forderung zur Angleichung Ost und bestärkt sie darin, den Kampf weiterzuführen. „Mehr als 30 Jahre nach der Wiedereinigung ist es wirklich niemandem mehr erklärbar, warum diesseits und jenseits des Flusses unterschiedliche Arbeitsbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie gelten“, sagte Birgit Dietze, Verhandlungsführerin und IG Metall-Bezirksleiterin in Berlin-Brandenburg-Sachsen.


Verhandlungen für Berlin, Brandenburg und Sachsen gehen weiter

Während die meisten Bezirke der IG Metall den Pilotabschluss aus Nordrhein-Westfalen übernommen oder in ähnlicher Weise abgeschlossen haben, gehen die Verhandlungen im Tarifgebiet Berlin, Brandenburg und Sachsen weiter. Neben den Forderungen, um Beschäftigung, Zukunft und Einkommen zu sichern, fordert das Tarifgebiet das Entgelt der Beschäftigten schrittweise anzugleichen. In den östlichen Gebieten gilt immer noch die 38-Stunde-Woche, während in den westlichen nur 35 Stunden gearbeitet wird. Für die gleiche Arbeitszeit verdienen die Kolleginnen und Kollegin somit im Schnitt 8,5 Prozent weniger. Das soll sich mit dem Angleichungsgeld ändern.

Auch wenn die Solidarität in den anderen Bezirken groß ist – verhandeln müssen es IG Metall und Arbeitgeber in dem betroffenen Gebiet, also Berlin, Brandenburg und Sachsen. Wie groß die Unterstützung ist, zeigen allein die Zahlen. An einer digitalen Unterschriftenaktion haben sich 1800 Betriebsräte aus westlichen Betrieben beteiligt – stellvertretend für knapp 1,6 Millionen Beschäftigte, die hinter der Forderung des tariflichen Angleichungsgeldes stehen.


Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – Hier kannst Du die Beschäftigten mit Deiner Unterschrift unterstützen


Unterstützung erhalten die Beschäftigten im Osten auch von Prominenten sowie von Politikerinnen und Politikern. „Im letzten Jahr haben wir hier in Potsdam den 30 Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. Vieles haben wir in diesen drei Jahrzehnten schon gemeinsam erreicht. Die soziale Einheit hingegen ist leider immer noch nicht vollendet“, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke in einem Unterstützungsvideo.

Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz sichert der IG Metall und den Beschäftigten im selben Video seine Solidarität im Kampf um die Angleichung des Ostens an den Westen zu. „Ich will ein Ausrufezeichen setzen, hinter der Forderung, dass endlich in Ost und West für den gleichen Lohn auch gleich lang gearbeitet wird“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe. Dass das Thema endlich so in den Mittelpunkt gestellt werde – „da geht mir das Herz auf“, sagt die Abgeordnete.

Am Dienstag haben sich die IG Metall und der Arbeitgeberverband VME zum fünften Mal zu Verhandlungen für Berlin und Brandenburg getroffen – wieder ergebnislos. Dabei hat die IG Metall den Arbeitgebern einen konstruktiven mehrstufigen Lösungskompromiss für einen ersten Schritt als Einstieg in die Angleichung vorgelegt. Die Arbeitgeber wollen diesen nun prüfen und bewerten. „Die Beschäftigten im Osten arbeiten drei Stunden unbezahlt mehr. Eine Lösung dieser Frage kann schon dem Wesen nach nicht ohne Kosten ablaufen. Es wird sich daher zeigen, ob die Arbeitgeber am Ende einen wirklichen Lösungswillen beweisen oder nicht“, sagt Birgit Ditze. „Wir haben heute für einen ersten Schritt einen aus unserer Sicht konstruktiven Lösungskompromiss unterbreitet.“

Die IG Metall ruft am Mittwoch rund 16.100 Beschäftigte in Sachsen und Brandenburg zu ganztägigen Warnstreiks auf. Wie kampfbereit die Belegschaften sind, zeigt ein Blick zurück. „Wir haben vergangene Woche vier volle Warnstreiktage hingelegt und an diesen vier Tagen fast so viele Warnstreikende draußen gehabt, wie in den ersten vier Woche dieser Auseinandersetzung. Die Arbeitgeber können sich überlegen, wie lange sie diesen Zustand noch aufrechterhalten möchten.“ Seit 20. April beteiligten sich einschließlich Mittwoch mehr als 53.000 Kolleginnen und Kollegen an Warnstreiks.

Newsletter bestellen