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Ausbildung für benachteiligte Jugendliche
Noten sind nicht alles

Viele Jugendliche finden keinen Ausbildungsplatz und werden in Fördermaßnahmen geparkt. Auf Initiative der IG Metall bietet die Firma Siemens seit drei Jahren benachteiligten Jugendlichen eine Chance, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.


In der Metallwerkstatt von Siemens in Rödelheimwird eifrig gearbeitet. Mit der Feile rücken die Jugendlichen einem Stück Stahl zu Leibe. Bei dem Werkstück geht es um Zehntelmillimeter, immer wieder messen die Auszubildenden nach. Die angehenden Industriemechaniker und Energieelektroniker im ersten Lehrjahr sind engagiert bei der Sache.

Siemens-Azubis: Hochmotiviert bei der Sache, weil sie einen Ausbildungsplatz haben. Foto: Martin Leissl



Maike aus Fechenheim ist happy, dass sie den Ausbildungsplatz bei Siemens bekommen hat. Sie ist das einzige Mädchen in der Gruppe. „Schon in der Realschule hatte mir Werken großen Spaß gemacht“, sagt sie, „auch wenn
man mal Blasen an den Händen bekommt.“ Siemens ermutigt nicht nur Frauen zu technischen Berufen. Auch Jugendliche, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance gehabt hätten, sind eine besondere Zielgruppe, für die Siemens seit drei Jahren ein Förderprogramm anbietet. Benachteiligte Jugendliche werden hier gefördert, die wegen schlechter Noten, Schulabbruch oder anderen Handicaps durch das übliche Raster fallen. Viele haben auf ihre Bewerbungen reihenweise Absagen kassiert.

„Wir sagen uns, Noten sind nicht alles, wir schauen auf die ganze Persönlichkeit“, erklärt Siemens- Ausbildungsleiter Johannes Amen. Er betreut im Rhein-Maingebiet 600 Azubis, 75 davon im Förderprogramm. „Diese Jugendlichen sind hochmotiviert, weil sie wissen, dass das ihre letzte Chance ist“, sagt er. „Das zeigt auch die geringe Abbrecherquote.Wer einmal bei Siemens ist, will hier nicht mehr weg.“

Das Unternehmen hat gute Erfahrungen mit dem Förderprogramm gemacht, das vor drei Jahren auf Initiative der IG Metall gestartet ist. Bundesweit nehmen 250 junge Menschen jährlich daran teil. Die Jungen und Mädchen sind ganz normal in die Ausbildungsgänge integriert und von den anderen Azubis nicht zu unterscheiden. Nur der Ausbildungsleiter kennt seine „besonderen Schützlinge“.

Alle werden übernommen
Dieser integrative Ansatz soll vermeiden helfen, dass die Jugendlichen stigmatisiert werden. Auch nach dem Ende der Ausbildung gibt es keinen Unterschied zwischen den Auszubildenden, die auf dem üblichen Weg und denen, die über das Förderprogramm in den Betrieb gekommen sind. Nach der Abschlussprüfung wurden bisher alle übernommen und bekamen einen Arbeitsplatz in einem Siemens- Werk. Einige bilden sich danach sogar noch zum Techniker weiter.

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