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Betriebsrat-Mobbing bei Enercon-Tochter
GZO-Prozess: Kein Urteil aber große Solidarität

Der Windkraft-Riese Enercon ist für seinen Umgang mit Gewerkschaften und Betriebsräten berüchtigt. Vor dem Arbeitsgericht Emden wehren sich nun fünf Metaller gegen ihre Zwangsversetzung. Dabei können sie auf Unterstützung aus der ganzen Region bauen.


Wie fühlt man sich, wenn der eigene Arbeitgeber einen offenbar loswerden will? Wenn man seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben darf und stattdessen zu Strafarbeiten unter freiem Himmel verdonnert wird? Fünf Metaller aus Niedersachsen kennen das Gefühl: Aussortiert zu werden, langsam zermürbt zu werden.

Doch die fünf wissen auch, wie man sich wehrt: Sie haben gegen ihren Arbeitsgeber geklagt, gegen das Guss-Zentrum Ostfriesland (GZO), eine Tochterfirma von Deutschlands größtem Windkraftanlagenbauer Enercon. An diesem Donnerstag hat das Arbeitsgericht Emden über ihren Fall verhandelt.

Der Gerichtstermin hat vor allem eines gezeigt: Die große Solidarität einer ganzen Region. Wegen des öffentlichen Interesses hatte das Gericht den Verhandlungstermin in eine Schulaula verlegt. Vor der Schule versammelten sich rund 500 Kolleginnen und Kollegen, um den fünf GZO-lern den Rücken zu stärken.

Der ehemalige Emder Oberbürgermeister Alwin Brinkmann hielt eine Rede. Er appellierte an alle Beteiligten, respektvoll miteinander umzugehen. „Redet miteinander! Löst die Probleme miteinander!“, sagte der langjährige OB. „Damit Menschen wieder in den Betrieb reingehen und sagen: Das ist unser Betrieb.“ Zu dem Gerichtstermin waren auch 200 GZO-Beschäftigte gekommen, die dafür extra frei bekommen hatten.

 

Im Video: Solidaritätsaktion beim Gerichtstermin

 

Entscheidung vertagt

Das Ergebnis des Gerichtstermins: Die fünf Metaller können auf Arbeitsplätze in der Werkhalle zurückkehren und müssen nicht mehr im Freien Stahl zerlegen. Außerdem sollen Betriebsrat und Arbeitsgeber eine Betriebsvereinbarung (BV) aushandeln, in der geregelt ist, wer bei GZO zu welchen Tätigkeiten eingesetzt wird. Anfang April soll es einen weiteren Gerichtstermin geben.

Den eigentlichen Konflikt packte das Gericht vorerst nicht an: Im Kern geht es um die Frage, ob die Zwangsversetzung der fünf Metaller rechtens war – oder ob es sich dabei um eine reine Schikane gegen engagierte Betriebsräte handelt.

Ausgangspunkt des Konflikts war die Gründung eines Betriebsrats im Juli 2014. Die fünf Metaller waren Kandidaten und warben für die IG Metall. Reaktion von GZO: Die fünf wurden zweimal versetzt, jeweils auf schlechtere Arbeitsplätze mit weniger Verdienstmöglichkeiten und weit weg von anderen Kollegen. Zuletzt mussten sie vor der Werkshalle Stahlteile mit Brennschneidern zerkleinern – obwohl sie alle eine abgeschlossene Ausbildung haben.

 

Breites Kreuz hilft

Enercon ist immer wieder wegen der Behinderung von Gewerkschafts- und Betriebsratsarbeit in die Schlagzeilen geraten.

Viel Aufsehen erregte der Fall von WEA Services Ost, einer anderen Tochterfirma des Windkraft-Riesen. Dort hatte sich der Metaller Nils-Holger Böttger für die Rechte von Leiharbeitern in der Firma stark gemacht und hatte danach eine Kündigung erhalten. Böttger klagte ebenfalls – und gewann.

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