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Bosch Rexroth Schweinfurt: Massiven Stellenabbau verhindert

Bosch Rexroth Schweinfurt

Massiven Stellenabbau verhindert

09.04.2010 Ι Bosch Rexroth Mechatronics wollte am Standort Schweinfurt rund 550 Stellen abbauen. Und zwar als kurzfristige Reaktion auf krisenbedingte Auftragseinbrüche. Das war aber auch zu kurzfristig gedacht: Betriebsrat und IG Metall setzten sich gemeinsam für die Belegschaft ein und konnten Arbeitsplätze sichern. Nun stabilisiert sich das Unternehmen wieder.

Im Oktober 2009 teilte die Geschäftsführung von Bosch Rexroth Mechatronics in Schweinfurt erstmals ihre Pläne mit: bis 31. März 2010 sollten 550 Stellen abgebaut werden. Das entsprach zu diesem Zeitpunkt einem Viertel der gesamten Belegschaft an zwei Standorten. Die Unternehmensleitung begründete ihre Pläne mit einem krisenbedingten Auftragsrückgang im zweistelligen Bereich. Die Ursachen dafür lägen in der aktuellen Wirtschaftskrise und dem weltweiten Marktwandel. Der Stellenabbau sollte jedoch sozialverträglich gestaltet werden.

IG Metall und Betriebsrat reagierten umgehend
Betriebsrat und IG Metall zeigten sich empört über die Vorgehensweise und erstaunt über das Fehlen eines Zukunftskonzeptes, das bei einem solch drastischen Stellenabbau ja wohl angezeigt gewesen wäre.
Der Betriebsrat wurde dann von der Geschäftsleitung über die vorgesehenen Konditionen der "sozialverträglichen" Maßnahmen informiert. Als es dann daran gehen sollte, den Beschäftigten diese Konditionen näher zu bringen, verlangte die Geschäftsführung vom Betriebsrat plötzlich eine Erklärung, dass der Betriebsrat seine Mitbestimmungsrechte schon wahrgenommen habe. Selbstverständlich lehnten die Betriebsräte eine solche Erklärung ab. Das Unternehmen drohte mit Einigungsstelle - kurz vor Weihnachten war von den Konditionen für die "sozialverträglichen Maßnahmen" nichts mehr zu hören.
Im Januar kam erneut wieder Bewegung in den Vorgang. Betriebsrat und IG Metall wurden schließlich über die weiteren Pläne und über detaillierter Gründe für den angekündigten Stellenabbau informiert.
Nun sind die Konditionen bekannt und werden von einem Teil der Beschäftigten genutzt. Der größere Teil nutzt die Möglichkeit der Altersteilzeit, aber auch andere Angebote werden nachgefragt. Wichtig ist für den Betriebsrat und die IG Metall: Alles geschieht freiwillig, niemand wird angesprochen oder gar genötigt. Anfang April 2010 sind es rund 180 Arbeitsplätze weniger. Die Maßnahmen laufen bis Ende Mai.

Keine betriebsbedingten Kündigungen
"Jetzt sehen wir kontinuierlich ansteigende Auftragseingänge, wir können in einigen Bereichen aus der Kurzarbeit raus. Wenn das so weiter geht, brauchen wir die ganze Mannschaft, die noch da ist in Vollzeit. Das Unternehmen kann sich bei uns bedanken, dass wir den Abbau bis heute weitgehend verhindert haben", so Winfried Werner, der Betriebsratsvorsitzende von Bosch Rexroth Mechatronics.
Für die IG Metall war es von Anfang an entscheidend, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. "Die Größenordung des Abbaus bis heute ist konjunkturell einigermaßen angemessen", so Peter Kippes Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt. Kippes sieht vor allem die standhaften Betriebsräte als Erfolgsgarant für die Verhinderung eines dramatischen Stellenabbaus. "Wir können in keine Glaskugel sehen - aber wir haben erst mal Recht behalten. Kurzfristige Personalmaßnahmen sind vielleicht gut für die Bilanz - aber schlecht fürs Geschäft, wenn man Aufträge mit einer geschrumpften Mannschaft nicht mehr bewältigen kann", so Kippes weiter.

Für die Zukunft hoffen alle, dass sich das Unternehmen nicht nochmal zu so einer "Überfall-Aktion" hinreißen lässt. Wenn Maßnahmen dieser Größenordung anstehen, müssen die Gremien rechtzeitig informiert werden. Nur dann können geeignete Strategien beraten und umgesetzt werden. Der Betriebsrat wurde im geschilderten Fall  lediglich eineinhalb Stunden vor der Belegschaft über die Pläne informiert. "Damit wollte man ihm möglicherweise den Handlungsspielraum nehmen", erläutert Kippes die Situation Ende Oktober 2009. Das gesetzlich vorgeschriebene Prozedere war jedoch auf der Seite des Betriebsrats.
Wenn sich das Unternehmen weiter stabilisiert, sehen Betriebsrat und IG Metall keinen weiteren Handlungsbedarf. Mitarbeiter die sich jetzt noch für das Verlassen von Bosch Rexroth entscheiden wollen, rät Kippes sich vom Betriebsrat und der IG Metall beraten zu lassen.

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