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Betriebsratswahl bei Verleihfirma

Wie 23 polnische Leiharbeiter einen Betriebsrat gründeten

11.11.2015 Ι Sie arbeiten lange Schichten und kannten viele ihrer Rechte nicht: 23 polnische Leiharbeiter haben in einer kleinen Verleihfirma in Rheinland-Pfalz einen Betriebsrat gegründet. Ihre Arbeitsbedingungen haben sich sofort verbessert.

Manchmal hilft es, wenn man ein bisschen Wut im Bauch hat. 23 polnische Leiharbeit-Beschäftigte im rheinland-pfälzischen Zweibrücken müssen dazu nur ihre Gehaltsabrechnung anschauen. Dort wird ihnen jeden Monat eine Rundfunkgebühr abgezogen. Für die Metallarbeiter ein Skandal.

 

"Das war für die Kollegen der größte Aufreger", sagt Benjamin Krimmling, Projektsekretär bei der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Und es war ein der Auslöser dafür, aktiv zu werden, sich zu organisieren, die eigenen Arbeitsbedingungen zu verbessern.

 

Aber von vorne: Die 23 Polen arbeiten seit Jahren bei der kleinen Personal-Verleihfirma Vista im Zweibrücken. Ihr Einsatzort ist eine Niederlassung der niederländischen Firma Steenbergen im Örtchen Waldmohr. Dort schweißen die Männer Stahlgeflechte zusammen, die auf Baustellen für Stahlbeton-Konstruktionen gebraucht werden. Die Arbeit ist hart. Der Lohn mit 10,60 Euro pro Stunde überschaubar.

 

Hilfe gesucht und gefunden

Im Sommer wandten sich die Kollegen an die IG Metall Homburg-Saarpfalz. Die Projektsekretäre Benjamin Krimmling und Lee Hirschel, beide auf die Branche spezialisiert, stiegen in den Fall ein. "Die Sprachbarriere war zunächst unsere größte Herausforderung", berichten die beiden. "Deshalb haben wir auf polnisch sprechende Kollegen aus anderen Betrieben der Region zurückgegriffen. Danach war das Eis gebrochen, die Kandidaten für eine Betriebsratswahl gefunden."

 

Die Wahl selbst fand in der Küche der Gemeinschaftsunterkunft statt, in der die Männer wohnen. Krimmling und Hirschel brachten eine Urne und eine mobile Walhkabine mit. Die polnischen Kollegen gaben ihre Stimmen ab. Ende Oktober konstituierte sich der neue Betriebsrat. Außerdem traten die meisten der 23 Leiharbeiter der IG Metall bei.

 

Der erste Erfolg kam schnell: Die Kollegen haben nun 30 statt bisher 24 Tage Urlaub im Jahr. Für sie von großer Bedeutung, denn sie nutzen ihren Jahresurlaub für längere Besuche in Polen.

 

Die drei frisch gewählten Betriebsräte. Foto: IG Metall

 

Lob für den Arbeitgeber

Die Zusammenarbeit mit der Verleihfirma Vista läuft bislang gut. "Entgegen der Erfahrungen in vergleichbaren Betrieben kooperierte die Firma bei der Vorbereitung der Betriebsratswahlen vorbildlich mit uns", sagt Werner Cappel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Er rät nun dazu, das aufgebaute Vertrauen zu nutzen und die Erwartungen der Beschäftigten zu erfüllen.

 

Baustellen gibt es noch genug: Zwar ist Vista Mitglied im "Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V." (iGZ) und unterliegt einem geltenden Tarifvertrag. Doch bei der betrieblichen Praxis besteht Nachholbedarf - zum Beispiel bei der Arbeitszeit und der Berechnung der Einkommen.

 

Dabei wird hoffentlich auch der leidige Posten "Rundfunkbeitrag" angepackt. Der Blick auf die Gehaltsabrechnung dürfte für die polnischen Kollegen dann etwas entspannter ausfallen.

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Was ist ein Werkvertrag?

Ein Werkvertrag ist ein Vertrag, bei dem sich der Auftragnehmer (Hersteller) ver-pflichtet, ein Werk gegen Zahlung (Werk-lohn) durch den Auftraggeber (Besteller) herzustellen. Im Werkvertrag wird die Arbeit nach dem Ergebnis beurteilt und nicht nach dem Aufwand der geleisteten Arbeit.

Werkverträge können von natürlichen Personen (Werkvertragsnehmern) und von juristischen Personen (Unternehmen) geschlossen werden. Die meisten Solo-Selbstständigen erbringen ihre Leis-tungen auf Grundlage von Werkver-trägen, besonders im IT- und Medien-bereich. Vergibt ein Betrieb Werkverträge an andere Unternehmen, ist das eine Auslagerung der Tätigkeit an eine Fremd-firma. Diese lässt die Arbeiten entweder durch ihre eigenen Beschäftigten durch-führen oder beauftragt Subunternehmer damit.

Ein Werkvertrag dient also dazu, einen Teil der Tätigkeiten eines Unternehmens an eine Person oder einen anderen Betrieb auszulagern.

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