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iebsratswahl 2014: Gut verankert in der Belegschaft. Foto: Privat

Betriebsratswahl 2014: Gut verankert in der Belegschaft

"Das Vertrauen der Beschäftigten gewinnen"

29.01.2014 Ι Es geht nicht immer gleich um Entlassungen. Betriebsräte werden auch tätig, wenn Beschäftigte Probleme mit dem Chef haben oder der Arbeitsdruck zu groß wird. Sie setzen sich für jeden einzelnen Beschäftigten ein. "Nicht alles kann man durchsetzen", erklärt Betriebsrätin Martina Neupert. Doch es ist wichtig zu erklären, warum etwas geht oder eben nicht. Dann hat man auch das Vertrauen der Beschäftigten.

Die Einhaltung von Gesetzen, Tarifverträgen und Verordnungen in einem Unternehmen zu überwachen ist eine der wichtigsten Aufgaben von Betriebsräten. Aber nicht nur. Häufig müssen sie sich auch um die Probleme einzelner Beschäftigter kümmern. Manchmal stellvertretend, aber auch häufig gemeinsam mit den Mitarbeitern.

Martina Neupert, Betriebsrätin bei Demag Cranes & Components GmbH (DCC) am Werk Uslar, ist seit zwölf Jahren im Betriebsrat des Maschinenbauers und kandidiert auch bei der diesjährigen Betriebsratswahl wieder. Seit vier Jahren ist sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und kennt daher viele Aspekte der täglichen Arbeit eines Betriebsrates. Sie gehört dem ERA-Ausschuss an, wo es um Eingruppierungen nach dem ERA-(Entgeltrahmen-)Tarifvertrag geht, sowie dem Betriebsausschuss des Betriebsrates. Dort werden viele der betrieblichen Themen schon mal vorab im kleinen Kreis besprochen, bevor der gesamte Betriebsrat darüber berät.

 

Respekt und Anerkennung

Bei DCC arbeiten 265 Beschäftigte. Sie stellen Elektromotoren her. Nur 35 Frauen sind dort angestellt, die meisten in der Elektromotorenwickelei. Dass sie es als Frau trotzdem geschafft und im Betriebsratsgremium eine führende Funktion hat, erklärt Martina Neupert damit, dass sie sich von Anfang an, Respekt und Anerkennung erworben hat. Die Mitarbeiter wissen: "Auf die kann man sich verlassen". Zwar kann man nicht alles durchsetzen, doch wichtig ist es, eine Antwort zu liefern und zu erklären, warum etwas geht oder nicht geht, sagt sie.

"Betriebsräte setzen sich für die Kolleginnen und Kollegen ein", erklärt Neupert. Das macht sie gerne. Und um den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen zu halten, geht die freigestellte Betriebsrätin natürlich auch regelmäßig in die gewerblichen Abteilungen des Unternehmens. "Unter zwei Stunden komme ich aus der Werkstatt nicht wieder weg", sagt sie. "Da muss man zuhören können, erklären und man erfährt so manches, um das man sich später kümmern muss. Viele Informationen muss man für sich behalten, beispielsweise dann, wenn Mitarbeiter persönliche Probleme haben."

Dabei erinnert sie sich an eine Situation, in der ein Beschäftigter wegen gesundheitlicher Probleme nur unter erschwerten persönlichen Bedingungen seiner Arbeit nachgehen konnte. In solchen Fällen vermittelt der Betriebsrat und handelt bessere Bedingungen aus. "Natürlich wissen Betriebsräte nicht immer, ob sie ihr Ziel erreichen können", meint die Betriebsrätin. Sie betont: "Alleine kann man nichts durchsetzen. Nur gemeinsam mit dem Betriebsratsgremium kann man etwas erreichen."

 

Vertrauen gewinnen

Martina Neupert ist der Kontakt zu der Belegschaft sehr wichtig. Betriebsräte müssen verbindlich sein, sagt sie. Die Belegschaft müsse sicher sein können, dass Betriebsräte sich um ihre Interessen kümmern. Wenn sie dann hört, dass die Kollegen sagen: "Die hält, was sie verspricht" ist dies auch ein Ansporn zum Weitermachen - unabhängig davon, ob es um Probleme der gesamten Belegschaft, eines einzelnen Teams oder einzelner Mitarbeiter geht.

Eines der wichtigsten Anliegen von Martina Neupert sind die Rente, ein flexibler Altersübergang und Arbeitsbedingungen, die es älteren Beschäftigten leichter machen, ihren Job zu bewältigen. Daher kennt sie sich mit den entsprechenden Tarifverträgen und den Details im Gesetz zur Rente mit 67 aus und sie weiß, welcher der Mitarbeiter Altersteilzeit nutzen würde. Das war sehr hilfreich, nachdem die DCC 2011 von dem amerikanischen Konzern Terex übernommen worden war. Die Amerikaner setzen nach dem Kauf des Konzerns ein Restrukturierungsprogramm auf. Viele Jobs sollten gestrichen werden. Der Betriebsrat erreichte, dass die betroffenen Mitarbeiter die Altersteilzeitregelung nutzen und zu Hause bleiben können - nicht nur in der passiven, sondern bereits in der aktiven Phase der Altersteilzeit.

Obwohl auch bei DCC der Betriebsrat und die Geschäftsleitung grundsätzlich gut zusammenarbeiten, vergisst "man es manchmal, den Betriebsrat zu informieren", kritisiert sie. Da müsse man ab und zu ein deutliches Wort sprechen.

Bei den Betriebsratswahlen 2010 wurden im Organisationsbereich der IG Metall in 13 000 Betrieben rund 73 000 Betriebsräte gewählt. Sie sind Profis für Mitbestimmung und Gute Arbeit. Sie haben Einblick in das gesamte Unternehmen, in alle Bereiche und Abläufe. Für vieles gibt es Verordnungen, Gesetze, Urteile und jede Menge arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse. Nicht alles können Betriebsräte wissen. Die IG Metall unterstützt sie. Sie hat Experten, die sich auch mit schwierigen Problemen auseinandersetzen. Sie stärkt den Betriebsräten den Rücken und unterstützt mit Beratungen und Seminaren. Zusätzlich gibt es für alle Betriebsräte noch ein besonderes Angebot - das Extranet. Hier finden Betriebsräte Tarifverträge, nützliche Tipps für die tägliche Arbeit und alles rund um die Betriebsratswahlen.

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In der Metall- und Elektroindustrie gilt der "Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente" (TV FlexÜ). Wer mindestens zwölf Jahre in einem Betrieb arbeitet, kann die tarifliche Altersteilzeit im Block-modell nutzen. Beschäftigte erhalten zwischen 85 und 89 Prozent ihres bishe-rigen Nettoentgelts.

Mit dem ansteigenden Renteneintrittsalter verschiebt sich auch der mögliche Beginn der Altersteilzeit. Besonders Belastete wie Schichtarbeiter können statt vier bis zu sechs Jahre Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Doch es gibt eine betriebliche Höchstgrenze: Insgesamt können nur vier Prozent der Beschäftigten eines Betriebes das nutzen.

Mit der gesetzlichen Regelung zur Rente mit 63 sind IG Metall und Arbeitgeber jetzt verpflichtet, den TV FlexÜ anzupassen.
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Die Broschüre "Mit der IG Metall etwas für die Rente tun" beantwortet die wichtigsten Fragen zur Tarifrente. Für Mitglieder bieten wir hierzu einen Ratgeber an.
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