IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
2018_05_29_Boryszew_Warnstreik2_0_Foto_IG_Metall

© IG Metall Ostbrandenburg

Tarifbindung

Warnstreik bei Boryszew für Tarif statt nur Mindestlohn

30.05.2018 Ι 8,84 Euro in der Stunde - der gesetzliche Mindestlohn. Mehr gibt es bislang nicht für gut 80 Prozent der Beschäftigten des Autozulieferers Boryszew in Prenzlau. Das wollen sie endlich ändern. Gemeinsam mit der IG Metall kämpfen sie nun für einen Tarifvertrag.

140 Beschäftigte des Automobilzulieferers Boryszew in Prenzlau in der brandenburgischen Uckermark sind heute für vier Stunden in den Warnstreik getreten, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. 80 Prozent der Beschäftigten erhalten derzeit nur den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro in der Stunde.


Für das wenige Geld produzieren die Beschäftigten in einer neuen Hochglanzhalle monatlich fast eine Million chromglänzende Kunststoffteile wie Türgriffe und Zierleisten unter anderem für VW, Audi und Daimler. Für den Neubau der Halle hat die polnische Boryszew-Gruppe 4 Millionen Euro staatliche Fördergelder eingeheimst - und den brandenburgischen Zukunftspreis 2017, auch wegen der "hohen Wertschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" und der "gebührenden Anerkennung ihrer Leistungen".


Geschäftsleitung verweigert Wertschätzung

8,84 Euro in der Stunde - das ist die reale "Wertschätzung" für die allermeisten Beschäftigten, darunter viele Frauen. Die "gebührende Anerkennung ihrer Leistungen" müssen sie sich nun selbst erkämpfen. 2015 wählten sie einen Betriebsrat. Immer mehr traten in die IG Metall ein. Im Februar forderte die IG Metall Ostbrandenburg die Geschäftsleitung schließlich zu Verhandlungen auf.


"Wir wollen endlich mehr Geld. Die ganzen Jahre haben wir geschrubbt und uns den Rücken dabei kaputt gemacht - und gehofft, dass wir endlich anständig entlohnt werden", erzählt Heike Lange. Die 46-Jährige hat 2006 für 5,50 Euro hier angefangen. Aus Prenzlau weg will sie nicht. Sie hat hier ihre Freunde und ihren Garten. Angst, mit ihrem Namen hier zu stehen hat sie nicht. "Es wurde mal Zeit, dass wir einen Betriebsrat bekommen und uns einen Tarifvertrag holen."


Doch die Geschäftsleitung will von einem Tarifvertrag nichts wissen. Sie lehnt die Verhandlung mit der IG Metall ab. Auch ein erster Warnstreik Anfang Mai brachte die Geschäftsleitung nicht zur Vernunft.

"Dabei weiß der Arbeitgeber sehr wohl, dass ein Tarifvertrag nichts Schlimmes ist. Boryszew hat sechs Standorte in der Bundesrepublik, davon sind einige an Tarifverträge gebunden - auch an Tarifverträge mit der IG Metall", erklärt Peter Ernsdorf, Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg.


Solidarität von überall - VW'ler fahren 400 Kilometer nach Prenzlau

Doch die Beschäftigten lassen sich nicht unterkriegen. Mit ihrem Entschluss, gleich für vier Stunden die Arbeit niederzulegen, demonstrieren sie ihre Entschlossenheit. Und sie erhalten Unterstützung: Solidaritätserklärungen kommen aus der Politik - vom Bürgermeister von Prenzlau und vom Land - und von anderen Betrieben bundesweit.


Eine Delegation von VW in Zwickau ist sogar 400 Kilometer weit angereist, um ihre Solidarität mit ihren Kolleginnen und Kollegen bei ihrem Zulieferer zu demonstrieren. Man kennt sich: Die Metallerinnen und Metaller von Boryszew waren Ende letzten Jahres bei der großen Kundgebung zum Auftakt der Metall-Tarifrunde in Chemnitz, aus reiner Solidarität.


Die Geschäftsleitung hatte noch versucht, die Beschäftigten vom Warnstreik abzubringen. Über Aushänge im Betrieb bot sie an, dass es Lohnerhöhungen ohne die IG Metall geben soll. Für den Freitag - am Brückentag - hat sie die Beschäftigten zu einer Versammlung eingeladen.


Da wollen die Beschäftigten tatsächlich auch hingehen - allerdings in roten IG Metall-T-Shirts. "Wir haben hier eine sehr selbstbewusste Belegschaft. Das haben wir über Jahre gemeinsam aufgebaut", meint Metaller Peter Ernstdorf. "Den Beschäftigten ist völlig klar, dass ihnen der Arbeitgeber nichts Verlässliches anbieten wird. Und dass es Sicherheit nur mit einem Tarifvertrag gibt".

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Werner Bachmeier
Jetzt Mitglied werden!

Es gibt viele Wege, Mitglied der IG Metall zu werden: Direkt im Betrieb, im örtlichen Gewerkschaftshaus oder über unser verschlüsseltes Beitrittsformular im Netz. Wer nicht online beitreten möchte, kann das PDF-Formular ausfüllen, ausdrucken und an die IG Metall vor Ort schicken.

Servicebereich