Tarifbindung
Warnstreiks für Tarif in der Dräxlmaier-Batteriefabrik

Nachtschicht, Frühschicht und Spätschicht im Warnstreik: Die Beschäftigten der neuen Batteriefabrik des Autozulieferers Dräxlmaier in Sachsenheim bei Stuttgart wollen einen Tarifvertrag. Um die Warnstreiks zu stoppen, liefen Manager nachts durchs Werk und redeten auf Beschäftigte ein. Ohne Erfolg.


Sie wollen endlich einen Tarifvertrag für ihre Batteriefabrik. Mit ihrem ersten Warnstreik in der rund dreijährigen Werksgeschichte haben die Beschäftigten aller drei Schichten der Batteriefabrik des Autozulieferers Dräxlmaier in Sachsenheim bei Stuttgart den Druck erhöht. Das Management hatte sich monatelang Tarifverhandlungen verweigert.

Top-Manager von Dräxlmaier versuchten noch, den Warnstreik in letzter Minute zu verhindern: Sie liefen in der Nachtschicht durchs Werk und führten Einzelgespräche mit den Beschäftigten.

„Das Management hat viel Zweifel gestreut: Dass die IG Metall den Betrieb kaputt machen würde und so weiter. Die haben die Leute bearbeitet, ihnen die Birnen matt geredet. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, berichtet Betriebsrat und IG Metall-Vertrauensmann Andreas Fitterer, der in der Halle unterwegs war. „Das hat Kraft gekostet, den Kolleginnen und Kollegen die Angst zu nehmen. Das war ja auch unser erster Warnstreik.“

Um 4 Uhr schließlich legten die Beschäftigten der Nachtschicht bei Dräxlmaier erstmals die Arbeit nieder, zwei Stunden vor Schichtende, um zur Kundgebung der IG Metall vor das Tor zu gehen. Doch da stand dann ihr Werksleiter und sprach die Beschäftigten einzeln an.

„Das Tor ist ziemlich eng. Und der Werkleiter stellte sich den Leuten in den Weg: Warum gehen Sie weg von ihrer Arbeit? Ihre Schicht ist noch nicht zu Ende“, berichtet André Kaufmann von der IG Metall Ludwigsburg.

85 Prozent der Beschäftigten in der Nachtschicht gingen trotzdem am Werkleiter vorbei raus vors Tor.

Die Frühschicht folgte um 12 Uhr, die Spätschicht um 20 Uhr. „In der Spätschicht war die Halle dann komplett leergefegt“, berichtet Vertrauensmann Andreas Fitterer, der zwei Tage lang kaum geschlafen hat. Der erste Warnstreik in der Dräxlmaier-Batteriefabrik Sachsenheim hat gesessen.

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(Foto: Alexander Dietrich)

 

Arbeit der Zukunft – zu Arbeitsbedingungen von gestern?

Dräxlmaier hat das Werk vor rund drei Jahren eröffnet und baut hier Batterien für Premium-Elektroautos, unter anderem für den Porsche Taycan und den Audi e-tron.

Premiumtechnik für die Zukunft – aber gefälligst ohne Tarif: Dräxlmaier ist dafür bekannt, keine Gewerkschaft in seinen Betrieben zu dulden.

Zwar hat Dräxlmaier nun unter dem Druck der Belegschaft deutliche Lohnsteigerungen angeboten, jedoch nur ohne IG Metall, ohne tarifvertragliche Absicherung – und ohne wichtige tarifliche Leistungen wie Altersteilzeit, Alterssicherung, tarifliche Sonderzahlungen und Schichtzulagen. Nach wie vor soll 38,75 statt der tariflichen 35 Stunden gearbeitet werden. Und künftige Lohnerhöhungen will das Management auch nicht zusagen. Die angebotene Lohnerhöhung soll bis 2026 reichen.

Das lassen sich die Beschäftigten bei Dräxlmaier in Sachsenheim nicht bieten. Über 70 Prozent sind mittlerweile in die IG Metall eingetreten. Sie fordern die Bindung an den Metall-Tarif der IG Metall. Weitere Warnstreiks sind in Planung.

„Diese Belegschaft pusht einfach. Wir sind so weit gemeinsam gekommen“, meint Fitterer, der vor zwei Jahren auch den Betriebsrat mit aufgebaut hat, gegen viele Widerstände. „Es geht uns ja nicht nur ums Geld. Tarif bedeutet ja viel mehr. Das haben wir verstanden. Es geht dabei auch um Wertschätzung. Und wenn die Leute motiviert sind, dann läuft es doch auch für den Betrieb gut. Deshalb fragen wir uns, warum das Management versucht, uns zu belabern. Lasst uns den Weg doch gemeinsam gehen - und auf Augenhöhe darüber verhandeln.“

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