Sozialtarifvertrag erzielt
Conti Karben: Werkschließung abgewehrt

Der Druck hat gewirkt. Für den Standort Karben liegt nun ein solides Verhandlungsergebnis auf dem Tisch, über das die Metallerinnen und Metaller in den kommenden Tagen abstimmen werden.


Die Beschäftigten, der Betriebsrat und die IG Metall haben hart gekämpft. Durch Warnstreiks, etliche Demonstrationen und kreative Aktionen übten sie hohen Druck auf die Arbeitgeberseite aus, was das Conti-Management von seinen Plänen, den Standort komplett zu schließen, abbrachte. Das sichert die Zukunft für viele Metallerinnen und Metaller. Dennoch werden Hunderte Arbeitsplätze abgebaut. Für alle, die nicht weiter beschäftigt werden können, konnte die IG Metall und der Betriebsrat ein umfangreich ausgestattetes Altersteilzeitprogramm, gute Abfindungspakete für IG Metall-Mitglieder und einen Solidarfonds für Leiharbeiter und befristet Beschäftigte erstreiten. Auch für ein Projekt zur Nachnutzung mit dem Ziel, dass sich neue Unternehmen am Standort ansiedeln, setzt sich die IG Metall nun ein. Möglich machte das die Geschlossenheit und Entschlossenheit der Belegschaft: Die Metallerinnen und Metaller waren zu allem bereit. Die Vorbereitungen für eine Urabstimmung zu einem unbefristeten Streik liefen bereits. Die haben in erheblichem Umfang dazu beigetragen, dass die Verhandlungen über den Standort Karben, die mehrfach vor dem Scheitern standen, zu einem Ergebnis gebracht werden konnten.


Das Ergebnis im Überblick

  • Die ursprünglich geplante vollständige Schließung des Standorts Karben wird zurückgenommen. Die Continental Engineering Services (CES) bleibt mit insgesamt 187 Beschäftigten am Standort Karben. Der geplante Auslauf der Aktivitäten der Continental Automotive GmbH wird um zwei Jahre geschoben. Für den ursprünglich vorgesehenen Zeitpunkt der Schließung der Continental Automotive GmbH zum 31.12.2023 wird zugesichert, mindestens 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beschäftigen.
  • Für den Standort wird ein Projekt zur Nachnutzung aufgelegt, das gemeinsam von der IG Metall und dem Unternehmen gesteuert wird. Ziel ist die Ansiedlung von anderen Unternehmen am Standort.
  • Es wird ein umfangreich ausgestattetes Altersteilzeit-Programm für Übergänge in den Ruhestand angeboten.
  • Für Beschäftigte, die am Standort nicht weiterbeschäftigt werden können, werden Abfindungskonditionen angeboten, die vergleichbaren Standorten ähneln. Darüber hinaus gibt es für Mitglieder der IG Metall umfangreiche Bonusregelungen für Kinder, Schwerbehinderung und Betriebszugehörigkeit sowie einen Rentenbaustein. Gewerkschaftsmitglieder werden damit deutlich bessergestellt als Nicht-Mitglieder.
  • Im Verhandlungsergebnis ist auch eine Regelung für einen Solidarfonds für Leiharbeiter und befristet Beschäftigte enthalten, die Mitglieder der IG Metall sind.
  • Es wird eine Transfergesellschaft eingerichtet, die für zwölf Monate mit einem Qualifizierungsbudget von 5000 Euro je Beschäftigtem ausgestattet wird. Hinzu kommen Beiträge der Agentur für Arbeit. Aufgabe ist die Qualifizierung und Vermittlung zu anderen Unternehmen.

In Mitgliederversammlungen, Sprechstunden und virtuellen Veranstaltungen werden nun die Ergebnisse den Metallerinnen und Metallern vor Ort im Detail erklärt. Dann werden die Mitglieder bis zum 14. Mai abstimmen, ob sie dieses Verhandlungsergebnis annehmen wollen.


Ergebnis macht Beschäftigten anderer Standorte Mut

„Euer gutes Ergebnis in Karben ist Ansporn für uns in Rheinböllen“, sagt Dieter Bast, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Continental Rheinböllen. Auch in Rheinböllen hat Conti den Rotstift angesetzt. Seit Monaten wehren sich Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall auch hier gegen Contis bundesweites Sparprogramm. Bast betont: „Wir kämpfen gemeinsam gegen die Profitgier von Continental. Die von Euch erkämpfte Altersteilzeitregelung ist sehr gut. Ihr habt die Linie des Kampfes gegen den DAX Konzern aus Babenhausen gehalten und verbessert. Auch wenn wir nicht alles gegen die Kapitalentscheidungen ohne wirtschaftliche Mitbestimmung durchsetzen können. Ihr habt der Profitgier mit dem Kampf klare Grenzen gesetzt. Wir werden Eurem Erfolg folgen. Wenn wir zusammenhalten ist alles möglich! Danke an Euch alle.“

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