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Arbeit macht immer mehr Menschen psychisch krank. Foto: IG Metall/Tipps für den Arbeitsplatz Nr. 37/2009

Arbeit macht immer mehr Menschen psychisch krank

Anforderungen gehen bis an die Grenzen der Belastbarkeit

03.08.2011 Ι Arbeitnehmer in Deutschland sind immer häufiger psychisch krank. Über zwölf Prozent aller Fehltage gingen 2010 auf psychische Erkrankungen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Angestelltenkrankenkasse (DAK) in ihrem aktuellen Gesundheitsreport. Wir fragten Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, nach den Ursachen und was dagegen präventiv gemacht werden kann.

Es häufen sich Berichte, dass psychische Belastungen und Erkrankungen von Arbeitnehmern rasant anwachsen. Kann die IG Metall diesen Trend in den Betrieben bestätigen?
Ja, unbedingt. Nicht nur die Schilderungen betroffener Kolleginnen und Kollegen und der Betriebsräte weisen auf die Dramatik psychischer Belastungen und Erkrankungen in den Betrieben hin. Mittlerweile bestätigen dies auch die "harten" Statistikdaten der Krankenkassen und die Erfahrungen der Arbeitsmediziner vor Ort. Betroffen sind dabei ganz unterschiedliche Teile der Belegschaften. Es reicht von Beschäftigten am Montageband bis zu hoch qualifizierten und mit Entscheidungskompetenzen ausgestatteten Projektmanagern.

Was sind die Ursachen für die Zunahme psychischer Belastungen?
Die Ursachen sind komplex. Da sind die heute oftmals anzutreffenden Dauer-Umstrukturierungen in den Betrieben, die durch die Wirkungen der Krise sogar noch zunehmen könnten. Unsicherheit dringt in alle Bereiche des Arbeitslebens ein. Prekäre Beschäftigung gewinnt Größenordnungen wie nie zuvor. Hinzu kommt: Der Leistungsdruck hat enorm zugenommen, die Anforderungen sind oftmals maßlos geworden und gehen bis an die Grenzen der Belastbarkeit der Beschäftigten. Neue Arbeitsformen wie Projektarbeit führen zu einer Entgrenzung von Arbeitszeit und Leistung. Burn-out und andere Erkrankungen nehmen zu. Und generell beobachten wir, dass in dieser "Ökonomie der Maßlosigkeit" auch immer mehr die unternehmerischen Risiken auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Deshalb hängt die Gesundheit oft nur noch an einem "seidenen Faden".

Wie kann die Arbeit auf ein gesundes Maß gebracht werden?
Wir stellen Prävention und gute Arbeitsgestaltung in den Mittelpunkt. Psychische Belastungen müssen bei den Gefährdungsbeurteilungen ermittelt und bewertet werden, um Präventionsmaßnahmen abzuleiten. Es gibt noch viel zu wenige Gefährdungsbeurteilungen in den Betrieben, die diesen Ansprüchen genügen. Dies wollen wir ändern, in dem wir die Betriebsräte stärker unterstützten.

Was bietet die IG Metall selbst konkret an?
Wir haben im Rahmen des Projekts Gute Arbeit ein eigenes Werkzeug für Betriebsräte und Betroffene zum Selbstcheck oder für ein aktionsmäßiges Angehen psychischer Belastungen entwickelt - das "stressBarometer". In unserem neuen Vorhaben "Gute Arbeit im Büro" werden die psychischen Belastungen eine ganz wichtige Rolle spielen.

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