Am 16. September starten die Tarifverhandlungen in der Eisen- und Stahlindustrie. Am 11. September beschließen die Tarifkommissionen der IG Metall für die nordwestdeutsche und die ostdeutsche Stahlindustrie ihre Forderungen. Am 30. September endet die Friedenspflicht. In der saarländischen Stahlindustrie startet die Tarifrunde drei Monate später.
Klar ist: Die Stahltarifrunde wird äußerst schwierig. Die Konjunktur schwächelt, die Weltlage ist unsicher – durch Trumps Zollpolitik, durch Kriege. Dazu kommt die Finanzierung der Transformation hin zu grünem Stahl. Die Rohstahlproduktion der deutschen Stahlindustrie ist gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent gesunken. Und die Unternehmen schreiben rote Zahlen und bauen Beschäftigung ab.
Fast überall wurden zur Sicherung von Arbeitsplätzen die Arbeitszeiten heruntergefahren, wie es die Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung der IG Metall ermöglichen, um Entlassungen zu verhindern.
Beim größten deutschen Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel etwa hat die IG Metall einen Sanierungstarifvertrag ausgehandelt, über den die IG Metall-Mitglieder im Unternehmen gerade abstimmen: Die Arbeitszeit wird auf 32,5 Stunden in der Woche reduziert. Mehr als 4000 ältere Beschäftigte (von insgesamt 27 000) werden vorzeitig über eine Altersbrücke mit Ausgleichszahlungen in Rente geschickt. So wird der Personalabbau sozialverträglich gestaltet. Bis 2030 sind betriebsbedingte Kündigungen nur als letztes Mittel möglich.
In vielen weiteren Unternehmen kämpfen Beschäftigte und IG Metall aktuell gegen Arbeitsplatzabbau. Auch bei Saarstahl läuft ein Transfertarifvertrag. Bei Salzgitter droht eine Sanierung. Bei den Hüttenwerken Krupp Mannesmann GmbH (HKM) in Duisburg geht es um die Zukunft der Hütte. Daher ist die Sicherung von Arbeitsplätzen ein Ziel der IG Metall in der Stahltarifrunde 2025.
Die bisherige Debatte über die Forderungen für die Tarifverhandlungen zeigt aber auch, dass die Mitglieder der Tarifkommissionen der IG Metall in der Stahlindustrie zumindest einen Ausgleich für die Inflation erreichen und damit die Reallöhne sichern wollen. Zudem steht die Stahlindustrie beim Kampf um Fachkräfte in Konkurrenz zu anderen Branchen.
„Wir sind bereit, eine Tarifrunde der Verantwortung zu gestalten“, erklärt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen und Verhandlungsführer in der nordwestdeutschen Stahlindustrie. „Aber Verantwortung ist eben keine einseitige Angelegenheit, auch die Arbeitgeber müssen mitmachen.“
Eine Nullrunde und damit Einbußen beim Reallohn wird die IG Metall trotz Krise nicht akzeptieren. „Wir müssen die Einkommen der Beschäftigten sichern“, bekräftigt Sophie Jänicke, Tarifsekretärin der IG Metall-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen für die ostdeutsche Stahlindustrie. „Jeder Angriff der Arbeitgeber auf die Reallöhne wird auf unseren entschlossenen Widerstand stoßen.“
Zugleich macht die IG Metall weiter Druck auf die Politik: Die EU muss eine aktive Industriepolitik zum Schutz der grünen Transformation betreiben und auch unfaire Billigimporte von Stahl eindämmen. Die Bundesregierung muss ihre Versprechen einlösen, ihr Investitionsprogramm zum Laufen bringen und die Strompreise für die Industrie senken.
Nordwestdeutsche und ostdeutsche Stahlindustrie
Saarländische Stahlindustrie
Die genauen Termine geben wir dann noch bekannt.
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