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Tarifverträge für Auszubildende

So viel ist sicher

"Wir zahlen nach Tarif" - so oder ähnlich heißt es in vielen Stellenanzeigen. Klingt schon mal gut. Aber: Was heißt "nach Tarif"? Und wie kommt so ein Tarifvertrag zustande? Wir haben die Antworten.

Tarifverträge sind Vereinbarungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern (oder Arbeitgeberverbänden). Sie kommen nach Tarifverhandlungen zustande. Da sitzen Gewerkschaften und Arbeitgeber manchmal nächtelang zusammen und diskutieren miteinander. Am Ende steht - in der Regel - eine Vereinbarung: Wie lange gearbeitet wird, wie lang der Urlaub ist, wie viel Geld den Beschäftigten zusteht.

Für wen gelten Tarifverträge?
Tarifverträge haben Geltungsbereiche: persönlich, räumlich und fachlich. Klingt bürokratisch, lässt sich aber leicht erklären. So gilt ein Tarifvertrag zum Beispiel

  • für Angestellte (persönlich)
  • im Kfz-Handwerk (fachlich)
  • von Niedersachsen (räumlich). 

Umgekehrt: Er gilt nicht für Arbeiter, nicht in der Metallindustrie und nicht in Nordrhein-Westfalen - die haben einen eigenen. Tarifverträge werden üblicherweise für eine Region geschlossen - für diejenige, in der der jeweilige Arbeitgeberverband aktiv ist. Das nennt man Flächentarifvertrag.

Fläche oder Firma
Es gibt auch Firmentarifverträge zwischen der IG Metall und einzelnen Unternehmen (bekanntestes Beispiel: VW). Die IG Metall hat mit einzelnen Firmen so genannte Anerkennungstarifverträge geschlossen: Das Unternehmen ist zwar nicht im Arbeitgeberverband, verpflichtet sich aber, die Bestimmungen aus dem Flächentarif anzuwenden.


Was für Tarifverträge gibt es?
Tarifverträge über das Entgelt regeln, wie viel man verdient. Sie werden in der Regel jährlich oder (immer öfter) über etwas längere Zeiträume geschlossen. Rahmen-Tarifverträge über Urlaub, Arbeitszeit, Sonder-Urlaube und ähnliches laufen meist über mehrere Jahre. Zusätzlich können die Tarifparteien (IG Metall und Arbeitgeber) noch vieles mehr abschließen. So gibt es Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung (regeln die Übernahme nach der Ausbildung), zur Altersvorsorge (Stichwort: MetallRente), zur Qualifizierung und vieles mehr.

Trittbrettfahren zahlt sich nicht aus
Jetzt könnte man denken: "Schön, dass die Gewerkschaften Tarifverträge abschließen und ich davon profitiere und mir den Beitrag sparen kann." Das stimmt allerdings nur teilweise. Denn die Tarifverträge kommen nur zustande, wenn die Gewerkschaften genug Druck machen können, um noch das ein oder andere Prozent mehr herauszuholen oder ein Thema überhaupt zu regeln.

Dazu gehört auch, dass die Gewerkschaften mal auf den Putz hauen und streiken können, wenn sich die Arbeitgeber quer stellen. Wenn ein Unternehmen "freiwillig" alle Beschäftigten nach Tarif bezahlt, dann deswegen, damit nicht alle in die Gewerkschaft eintreten. Nur: Wenn zu viele sich den Eintritt schenken, ist die IG Metall nicht mehr in der Lage, den nötigen Druck gegenüber den Arbeitgebern aufzubauen.

Rechtlicher Aspekt
Und einen rechtlichen Gesichtspunkt gibt es auch noch: Tarifverträge gelten nur zwischen denen, für die sie geschlossen sind: Für die Firmen, die im Arbeitgeberverband sind (oder die selber einen Tarifvertrag unterschrieben haben) und für die Angehörigen der Gewerkschaft. Praktische Auswirkung: Wenn in einem Unternehmen - für das der Tarifvertrag gilt - nicht alle übernommen werden, stehen nach der Lehre als erste die auf der Straße, die nicht in der Gewerkschaft sind. Die anderen haben einen Anspruch darauf, übernommen zu werden.

Links und Zusatzinformationen
Tarifliche Ausbildungsvergütungen

Wer wissen will, was Auszubildende verdienen, dem hilft das WSI-Tarifarchiv weiter. Je nach Branche und Region sind die tariflichen Vergütungen sehr unterschiedlich.