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Bachelor- und Masterstudiengänge in den Ingenieurwissenschaften

Studium als wissenschaftliche Ausbildung begreifen

05.07.2010 Ι Ob die Bachelorabschlüsse ausreichende berufliche Qualifikationen vermitteln, ist unklar. Nach wie vor sind die Abbruchquoten extrem hoch, die Studienanfängerzahlen stagnieren, der Frauenanteil im Ingenieurstudium ist außerordentlich niedrig. Forschendes Lernen und kritisches Infragestellen des vermittelten Wissens bleiben für die Masse der Studierenden eingeschränkt. Die IG Metall fordert mehr Qualität im Studium und hat anlässlich der Bildungsstreiks acht Punkte formuliert, um die dringendsten Missstände zu beheben.

Ingenieurinnen und Ingenieure gestalten Arbeit, Produktionsprozesse, Produkte und technische Dienstleistungen mit. Daher haben sie eine strategische Bedeutung für gute Arbeit und zukunftsfähige Produkte. Doch anstatt an "guter" Arbeit mitwirken zu können, sehen sich Ingenieure zunehmenden Arbeitsbelastungen und prekären Arbeitsverhältnissen ausgesetzt sowie einem Mangel an Qualität in den von ihnen mit geschaffenen Produkten, Prozessen und Dienstleistungen.

Mehr soziale Kompetenz im Studium gefordert
Studium und Weiterbildung müssen sich auf dieses Spannungsverhältnis beziehen und das Thema inhaltich und didaktisch in die Studienprogramme integrieren. Die Gewerkschaften fordern deshalb mehr soziale Kompetenz im Studium und die fachlichen und überfachlichen Studienanteile besser miteinander abzustimmen. Ingenieure benötigen Kompetenzen, um sich kritisch und reflexiv gegenüber den Methoden und fachlichen Inhalten sowie kritisch, selbstbewusst und mitgestaltend gegenüber den Anforderungen aus der Arbeitswelt zu verhalten.

Die Abbruchquoten sind nach wie vor extrem hoch, die Studienanfängerzahlen stagnieren, der Anteil junger Frauen im Ingenieurstudium ist außerordentlich niedrig. Hinzu kommt, dass sich insbesondere an den Technischen Universitäten die Studiengänge kaum an der Praxis orientieren, es keine Durchlässigkeit zwischen Bachelor und Master gibt sowie Probleme mit der internationalen Anerkennung deutscher Abschlüsse. Angesichts des Ingenieurfachkräftemangels ist dies ein unhaltbarer Zustand.

Qualität der Ingenieurstudiengänge verbessern
Die IG Metall fordert seit längerem, die Qualität der Ingenieurstudiengänge weitreichend zu verbessern, um zuletzt auch den Fachkräftemangel zu bewätigen. Im Gewerkschaftlichen Gutachternetzwerk engagiert sich die IG Metall für bessere Studienbedingungen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Für den Bologna-Prozess fordern die Gewerkschaften sowohl auf europäischer wie auf deutscher Ebene einen Kurswechsel. Dieser ist in Deutschland nur mangelhaft umgesetzt. Die Studierenden sehen sich einem zunehmenden Arbeits- und Prüfungsdruck ausgesetzt.

Angesichts der Bildungsstreiks hat die IG Metal acht Punkte formuliert, um die dringendsten Missstände zu beheben. Diese Punkte sind in der Broschüre "Umsteuern! Vorschläge für die Reform der Bachelor- und Masterstudiengänge in den Ingenieurwissenschaften" dokumentiert. Weiterhin bietet die Broschüre unter anderem eine Analyse der neuen Abschlüsse in der Ingenieurausbildung und deren Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt sowie Leitbilder für ein innovatives Ingenieurstudium als wissenschaftliche Berufsausbildung und Schlussfolgerungen für Studium, Qualitätssicherung und Hochschulentwicklung.
 

Links und Zusatzinformationen
Hochschulinformationsbüro der IG Metall
Die IG Metall für Studierende
Das hib (Hochschulinformationsbüro) ist die gewerkschaftliche Anlaufstelle für Studierende.
IG Metall-Seminar
Studium und Beruf: Wie passt das zusammen?

Die IG Metall bietet im Januar, Mai und Oktober 2010 ein Seminar für studen- tische Mitglieder in Hochschulen und Berufsakademien an.