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IG Metall für mehr Qualität im Studium

Studierende ergreifen Initiative

Bundesweit protestieren Studierende für bessere Studienbedingungen, gegen Studiengebühren und gegen zu dicht gedrängte Lehrpläne als Folge der Bologna-Reformen. Die IG Metall unterstützt den Bildungsstreik und stellt konkrete Forderungen für mehr Qualität an den Hochschulen.

Studierende besetzen Hörsäle an Hochschulen und Unis. Der bundesweite Bildungsstreik geht in die zweiten Runde. Die Missstände im deutschen Bildungswesen sind bekannt. Jetzt ist es an der Zeit, endlich zu handeln.

"Wir brauchen ein gerechtes und durchlässiges Bildungssystem", sagt Regina Görner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. "Wir ermutigen die Studierenden, sich aktiv einzumischen." Die IG Metall fordert, Studiengebühren abzuschaffen und die Hochschulen aufgabengerecht auszustatten. Neue Studiengänge müssen so verändert werden, dass sie studierbar sind und die Qualität gewährleistet ist. Die IG Metall fordert die Verantwortlichen in den Hochschulen auf, die Spielräume zu nutzen, die Bologna bietet, um die Situation für die Studierenden zu entschärfen.

Die IG Metall fordert mehr Qualität im Studium

  1. Studiengebühren abschaffen
    Studiengebühren sind unsozial und verstärken die finanziell schwierige Situation der Studierenden. Außerdem halten sie viele junge Menschen insbesondere aus einkommensschwachen Familien vom Studieren ab. Die Aussicht, das Berufsleben mit einem Schuldenberg zu beginnen ist nicht gerade attraktiv. Hessen hat gezeigt: es ist möglich, Studiengebühren abzuschaffen. Die Bundesländer, die noch immer an Studiengebühren festhalten, sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

  2. Workload (Arbeitsaufwand) herabsetzen und Selbstlernanteile sichern
    Die Arbeitsbelastung der Studierenden ist unangemessen hoch. Sie beträgt pro Jahr in Deutschland bis zu 1800 Stunden. Diese Stundenbelastung geht meilenweit an der sozialen Realität vorbei. Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt, dass ca. 60 Prozent der Studierenden zusätzlich jobben müssen. Mehr als 25 Prozent kommt so auf eine wöchentliche Arbeitsbelastung von mehr als 50 Stunden. Im europäischen Vergleich gehört Deutschland damit zu den Spitzenreitern. Der Bologna-Prozess lässt weitaus mehr Spielraum zu.

  3. Anzahl der Prüfungen überprüfen
    Die Prüfungsmenge in den neuen modularisierten Studiengängen hat den Druck auf die Studierenden verstärkt. Statt die Möglichkeiten, die Bologna bietet, voll und im Interesse der Studierenden auszuschöpfen, haben die Hochschulen die Verschulung und Bürokratisierung verstärkt. Auch die Art der Prüfung ist zu kritisieren: während die Studiengänge Kompetenzen ausbilden sollen, werden in den meisten Prüfungen ausschließlich Wissensbestände abgefragt.

  4. Ein Bachelor muss nicht in sechs Semestern studiert werden
    Bologna bietet die Möglichkeit, Studieninhalte für einen Bachelor in sechs bis acht Semester zu vermitteln und zu lernen. In Deutschland hat die Einführung des Bachelor-Mastersystems an den Universitäten dazu geführt, dass Studieninhalte aus alten Diplom- und Magisterabschlüssen in einen sechssemestrigen Bachelor gepresst wurden - ohne zu prüfen, welche Inhalte nicht mehr relevant sind oder anders vermittelt werden können. Die von den Unternehmen benötigten "EierlegendenWollMilchSäue" gibt es auch nicht nach sechs Semestern Bachelor-Studium. Bezogen auf die Ingenieurstudiengänge stellt die IG Metall fest: ein Bachelor of Engineering muss mindestens sieben Semester aufweisen.

  5. Gute Ausstattung bietet gute Lernvoraussetzungen
    An vielen Hochschulen mangelt es an der Ausstattung. Dies reicht von zu wenigen Laborplätzen über veraltete Technik bis hin zu überfüllten Hörsälen. In einigen Bundesländern haben die Wissenschaftsminister vor der Einführung der Studiengebühren die Mittel für Hochschulen drastisch gesenkt. Was an Infrastruktur an deutschen Hochschulen fehlt, ist mit Studiengebühren nicht zu bewerkstelligen. Die Bundesregierung will zwölf Millarden Euro in der gesamten Legislaturperiode zusätzlich für den Bildungsbereich mobilisieren. Der DGB fordert, dass dieser Betrag jährlich mobilisiert werden muss.

  6. Die neuen Studiengänge müssen als wissenschaftliche Berufsausbildung konzipiert werden
    Dozenten sollten auf ihre Lehrtätigkeit vorbereitet werden, um einen entsprechend qualitativ hochwertigen Beitrag für die Ausbildung der Studierenden leisten zu können. Die neuen Studiengänge sollen berufsqualifizierend sein. Davon sind wir meilenweit entfernt. Die IG Metall fordert, die neuen Studiengänge als wissenschaftliche Berufsausbildung anzulegen.

  7. Studienangebote zusammenführen - mehr Transparenz für Studierende, Hochschulen und Betriebe
    Im Sommersemester 2009 boten die Hochschulen 5309 Bachelor- und 4201 Masterstudiengänge an. Allein im Bereich der Ingenieurwissenschaften gab es 1339 Bachelor- und 921 Masterstudiengänge. Die Hochschulen haben bei der Gestaltung der Studiengänge sehr spezialisierte und differenzierte Studienangebote geschaffen. Dies ging auf Kosten der Transparenz. Dagegen hilft die Verständigung auf Mindestinhalte und gemeinsame Standards in den Fächergruppen. Die Studieangebote müssen zusammengelegt werden. Das duale Berufsbildungssystem kommt mit 350 Berufen aus.

  8. Nicht die selben Gutachergruppen in den selben Studiengängen einsetzen
    Seit es in Deutschland Bachelor- und Masterabschlüsse gibt, müssen diese von Akkreditierungsagenturen genehmigt werden. Dies geschieht auf Zeit. Im Moment läuft die so genannte Reakkreditierungsphase. Jetzt werden die akkreditierten Studiengänge erneut überprüft. Ein Missstand der bisherigen Verfahren ist, dass wenige Gutachter/-innen viele Verfahren absolviert haben. So entsteht der Eindruck, dass "eine Hand die andere wäscht". Die IG Metall verlangt, dass diese Reakkreditierungsmaßnahmen nicht von derselben Gutachtergruppe durchgeführt werden darf, die das Erstverfahren genehmigt hat


Die IG Metall ermutigt die Studierenden, sich weiter aktiv einzumischen. Sie kennen die Probleme an ihrer jeweiligen Hochschule am Besten und können aktiv dazu beitragen, ein sozial gerechtes, auf Chancengleichheit und sozialer Durchlässigkeit beruhendes Bildungssystem zu schaffen.

Links und Zusatzinformationen
Workload

Workload beschreibt den zeitlichen Arbeitsaufwand, den Studierende für ein Modul aufbringen müssen. Die Angabe der Workload soll gewährleisten, dass ein Studium innerhalb der vorgegebenen Anzahl an Semestern zu studieren ist. Deshalb ist Workload ein wichtiger Indikator für die Studierbarkeit.

Für den zeitlichen Arbeitsaufwand werden pro Jahr 45 Wochen mit jeweils 40 Arbeitsstunden kalkuliert. Das sind 1800 Arbeitsstunden im Jahr, 900 pro Semester. Zu den Arbeitsstunden werden folgende Aktivitäten gezählt:

  • Kontaktstunden (Präsenz in Lehrveranstaltungen)
  • Selbststudium
  • Vor- und Nachbereiten einer Veranstaltung
  • Prüfungsvorbereitung und Prüfungen
  • Erstellen von Studien- und Abschlussarbeiten (Referate, Hausarbeiten etc.)
  • sonstige studienrelevanten Aktivitäten (Praktika, Exkursionen etc.)
IG Metall-Seminar
Studium und Beruf: Wie passt das zusammen?

Die IG Metall bietet im Januar, Mai und Oktober 2010 ein Seminar für studen- tische Mitglieder in Hochschulen und Berufsakademien an.