21. November 2025
Tarifbewegung Holz und Kunststoff 2025/26
Verhandlungsergebnis für Holz und Kunststoff
In Baden-Württemberg gibt es das erste Verhandlungsergebnis für die Holz- und Kunststoff verarbeitende Industrie: Einmalzahlung, Entgelterhöhung in zwei Stufen und eine Erhöhung der Auszubildendenvergütungen. Auch in Bayern, Niedersachsen und Bremen gibt es einen Abschluss.

Arbeitgeber und IG Metall haben sich in der Tarifbewegung der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie in den Tarifgebieten Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Bremen auf ein Verhandlungsergebnis geeinigt. Das Ergebnis sieht jeweils eine Einmalzahlung sowie eine tabellenwirksame Entgelterhöhung in zwei Stufen vor. Bundesweit hatten 7500 Beschäftigte mit Aktionen Druck gemacht für Bewegung an den Verhandlungstischen.

„Dieses austarierte Tarifergebnis spiegelt die Lage der Branche und der Beschäftigten wider. Der Aufschwung braucht dauerhaft steigende Entgelte. Das stärkt die Kaufkraft der Beschäftigten. Die betriebs- und gesamtwirtschaftliche Vernunft hat gesiegt“, bewertet Tarifvorständin Nadine Boguslawski das Verhandlungsergebnis aus Baden-Württemberg.


Verhandlungsergebnis in Baden-Württemberg  

Konkret sieht das Ergebnis aus Baden-Württemberg eine Entgelterhöhung in zwei Stufen vor: ab Juni 2026 gibt es eine dauerhafte Entgelterhöhung von 2 Prozent, ab Juli 2027 weitere 2,2 Prozent mehr Geld. Zusätzlich bekommen die Beschäftigten im April 2026 eine Einmalzahlung von 300 Euro. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Zahlung anteilig. Auch die Auszubildenden erhalten eine Einmalzahlung von 150 Euro sowie eine Erhöhung der Auszubildendenvergütung in zwei Stufen um jeweils 30 Euro.  

Betriebe in nachweislichen Schwierigkeiten können die Einmalzahlung verschieben, müssen ihren Beschäftigten aber bis spätestens Anfang 2027 das Geld auszahlen. Das Ergebnis sieht eine Laufzeit von 27 Monaten bis zum Januar 2028 vor. 

„Das ist kein Ergebnis zum Jubeln, aber eines, das in die Zeit passt. In einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld ist es gelungen, spürbare Entgeltsteigerungen und eine finanzielle Anerkennung für die Beschäftigten zu vereinbaren“, so Matthias Fuchs, IG Metall-Verhandlungsführer aus Baden-Württemberg.


Verhandlungsergebnis in Bayern  

Auch die rund 10.000 tarifgebundenen Beschäftigten in Bayern erhalten in zwei Stufen mehr Geld, im Juni 2026 zunächst 2,0 Prozent, im Juli 2027 dann weitere 2,2 Prozent.

Zusätzlich bekommen alle Beschäftigte im April 2026 eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro. Die unteren Entgeltgruppen bekommen im Oktober 2026 eine weitere Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Einmalzahlungen anteilig. Bei einer schwierigen wirtschaftlichen Lage im Betrieb können die Einmalzahlungen bis maximal April 2027 verschoben werden.

Die Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Stufen um 50 Euro und 40 Euro. Außerdem erhalten Auszubildende eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro. Der Tarifvertrag läuft bis Ende Januar 2028.


Verhandlungsergebnis Niedersachsen und Bremen

Auch für das Tarifgebiet Niedersachsen und Bremen haben Arbeitgeber und IG Metall sich auf ein Verhandlungsergebnis geeinigt: Zum Juni 2026 erhöhen sich die Tabellenentgelte um 2,0 Prozent, im Juli 2027 folgt eine weitere Anhebung um 2,2 Prozent. Außerdem erhalten alle Beschäftigten und Auszubildenden eine Einmalzahlung in Höhe von 100 Euro. Das Ergebnis steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der IG Metall-Tarifkommission.

Die Parteien einigten sich zudem auf einen exklusiven Vorteil für Mitglieder der IG Metall. Diese erhalten mit der Aprilabrechnung 2026 eine zusätzliche Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro brutto. Die Zahlung soll ausschließlich an die Mitglieder der Gewerkschaft erfolgen. „Diese Einmalzahlung ist eine Wertschätzung denen gegenüber, die Tarifverträge erst möglich machen: die Mitglieder der IG Metall. Die Tarifparteien haben dies erkannt und sind sich einig, dass Engagement sich auszahlen muss“, sagt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall.

Teilzeitbeschäftigte erhalten die Einmalzahlungen anteilig, Auszubildende erhalten sie bei nachgewiesener Mitgliedschaft in voller Höhe, was eine deutlich überproportionale Zahlung darstellt. Auch die Auszubildenden profitieren neben dem Gewerkschaftsbonus spürbar von dem Abschluss. Die Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Stufen jeweils zum 1. September 2026 und 2027 um insgesamt 120 Euro. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis Ende Januar 2028.


Hunderte Beschäftigte vor Verhandlungslokal  

Seit dem 12. Januar haben sich bundesweit bereits zahlreiche Beschäftigte an Aktionen und Warnstreiks vor den Werkstoren beteiligt. Vor dem Beginn der Verhandlung im baden-württembergischen Laupheim stärkten 500 Beschäftigte bei einer großen Warnstreikaktion der Verhandlungskommission den Rücken. „Das war eine tolle Aktion vor dem Verhandlungslokal. Alles was zu einem guten Warnstreik gehört, haben die Kolleginnen und Kollegen geliefert“, bekräftigt IG Metall-Tarifexpertin Inga Neumann. „Ohne ihren Einsatz wäre der Durchbruch in den Verhandlungen nicht möglich gewesen.“  


Tarifbewegung geht weiter 

Die Tarifbewegung ist damit jedoch längst nicht abgeschlossen. In den übrigen Tarifgebieten müssen die Beschäftigten weiter mit Aktionen und Warnstreiks Druck auf die Arbeitgeber ausüben. Denn in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie gibt es keinen sogenannten Pilotabschluss, den die anderen Tarifgebiete übernehmen.


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